Steuervergünstigung Gastronomie: 3,4 Mrd. Euro für gescheiterte Subvention
21.06.2026 - 01:39:18 | boerse-global.de
Die Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung beziffert die jährlichen Kosten der Maßnahme auf rund 3,4 Milliarden Euro. Ihr Urteil: Die Subvention hat ihr Ziel verfehlt.
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„Landgasthäuser nicht gerettet“
Ursprünglich sollte die reduzierte Mehrwertsteuer vor allem kleine Landgasthöfe stabilisieren. Doch laut Schnitzer profitieren davon in erster Linie große Systemgastronomie-Ketten. Die wirtschaftliche Lage der Branche bleibt trotz der Steuererleichterung angespannt.
Creditreform-Daten zeigen: Die Insolvenzen im Gastgewerbe steigen bereits das vierte Jahr in Folge. Auch das Bayerische Landesamt für Statistik verzeichnet für April 2026 einen Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat. Besonders betroffen: Hotels und Pensionen.
Der DEHOGA Bayern nennt neben der Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf Speisen auch gestiegene Personal- und Energiekosten sowie eine allgemeine Konsumzurückhaltung als Belastungsfaktoren.
Subventionen auf dem Prüfstand
Die Forderung ist Teil einer umfassenderen Kritik an der deutschen Fiskalpolitik. Schnitzer plädiert für den Abbau sämtlicher Subventionen mit Fehlsteuerung – inklusive der Steuervergünstigung für Dieselkraftstoff. „Deutschland lebt von der Substanz“, warnt die Ökonomin.
Ein besonderer Schwerpunkt müsse auf dem Ausbau der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz liegen. Sonst drohe der internationale Anschluss, insbesondere gegenüber den USA, verloren zu gehen.
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Einer möglichen Friedensvereinbarung zwischen den USA und dem Iran steht Schnitzer skeptisch gegenüber. Positive Impulse für die Weltwirtschaft erwartet sie davon nicht.
Rente, Pflege und Steuern: Reformstau adressiert
Neben steuerlichen Aspekten mahnt Schnitzer tiefgreifende Reformen in der Renten- und Pflegeversicherung an. Der Eigenanteil in der Pflege liegt mittlerweile bei durchschnittlich 3.245 Euro pro Monat. Ihre Idee: Vermögende stärker an der Finanzierung beteiligen.
Im Rentensystem hält die Expertin ein höheres Eintrittsalter sowie die Rücknahme der Rente mit 63 für erforderlich.
Auch das Ehegattensplitting steht auf ihrer Liste. Expertenberechnungen zufolge könnten durch eine Reform rund 49.000 zusätzliche Vollzeitstellen entstehen. Höhere Spitzensteuersätze und Anpassungen bei der Erbschaftsteuer für Firmenerben stehen ebenfalls im Raum – nötig für Investitionen, so Schnitzer.
