Stickstoffverschmutzung, Landwirtschaft

Stickstoffverschmutzung: Landwirtschaft kostet EU 68–182 Mrd. Euro

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 22:25 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Der Umsatz der deutschen Umweltwirtschaft sank 2024 um 1,9 Prozent. Das Segment Klimaschutz wuchs dagegen deutlich und bleibt der wichtigste Treiber der Branche.

Deutsche Umweltwirtschaft: Umsatzrückgang trotz Klimaschutz-Boom
Eine Grafik zeigt einen Abwärtspfeil, der einen steigenden Balkenplan schneidet, mit Windturbinen und Solarpaneelen im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Umsatz mit Umweltschutzgütern sank auf 117,5 Milliarden Euro – ein Minus von 1,9 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt mit.

Klimaschutz bleibt wichtigster Umsatztreiber

Trotz des Gesamtrückgangs legte das Segment Klimaschutz zu. Mit einem Plus von 2,8 Prozent auf 73 Milliarden Euro entfiel mehr als die Hälfte des Branchenumsatzes auf diesen Bereich.

Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz (34,1 Milliarden Euro) und Produkte für erneuerbare Energien (36,2 Milliarden Euro) erwiesen sich als tragende Säulen. Allein die Windkraft an Land steuerte 14,8 Milliarden Euro bei.

Luftreinhaltung bricht ein

Deutlich anders sieht es in anderen Sparten aus. Der Umsatz im Bereich Luftreinhaltung brach um 15,7 Prozent auf 19,6 Milliarden Euro ein. Die Abwasserwirtschaft verzeichnete dagegen ein leichtes Plus von 1,1 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro.

Die Industrie investierte insgesamt 21,8 Milliarden Euro in den Umweltschutz.

Green Jobs bleiben stabil

Trotz des Umsatzminus blieb die Beschäftigung weitgehend stabil. Mit 404.900 Vollzeitäquivalenten lag die Zahl der Green Jobs nur rund 300 Stellen unter dem Vorjahresniveau.

Ein Experte des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) nannte die aktuellen Zahlen ein Warnsignal. Der Rückgang zeige, dass die Anstrengungen für eine nachhaltige Transformation nicht nachlassen dürften.

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Stickstoffbelastung kostet Milliarden

Parallel dazu veröffentlichte die EU-Kommission eine Evaluation der Nitratrichtlinie. Die Analyse zeigt: Die Stickstoffverschmutzung aus der Landwirtschaft kostet die europäische Gesellschaft jährlich zwischen 68 und 182 Milliarden Euro.

Durch die Umsetzung der Richtlinie werden dagegen Einsparungen von 10 bis 22 Milliarden Euro pro Jahr erzielt.

Für Deutschland weist der Bericht weiterhin Defizite auf. Zwischen 2020 und 2023 überschritten rund 25 Prozent der Grundwassermessstellen den Nitrat-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Der jährliche Stickstoffüberschuss lag bei 41 Kilogramm pro Hektar.

Die nötigen Anpassungen in den Agrarbetrieben kosten geschätzt 2,8 bis 3,1 Milliarden Euro – weniger als ein Prozent des gesamten Produktionswertes.

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Umwelthilfe fordert schärfere Maßnahmen

Angesichts der Nitratwerte forderte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) eine konsequentere Umsetzung von Schutzmaßnahmen. Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner kritisierte Agrarminister Alois Rainer und verlangte eine bundesweite Datenbank für Dünge-Effizienz.

Deutschland weise im EU-Vergleich nach Malta den zweitschlechtesten Wasserschutz auf. Zudem seien die Gülle-Importe aus den Niederlanden im Jahr 2024 um 41 Prozent gestiegen – ein weiterer Faktor, der die Stickstoffüberschüsse verschärft.

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