ROUNDUP, Schaden

Wieder Schaden an Ostsee-Kabel entdeckt

21.02.2025 - 16:27:24

STOCKHOLM - Neuer Sabotage-Verdacht in der Ostsee: Ein Datenkabel zwischen Helsinki und Rostock weist zum dritten Mal innerhalb von etwas mehr als drei Monaten SchÀden auf.

(neu: Finnische Kriminalpolizei)

STOCKHOLM (dpa-AFX) - Neuer Sabotage-Verdacht in der Ostsee: Ein Datenkabel zwischen Helsinki und Rostock weist zum dritten Mal innerhalb von etwas mehr als drei Monaten SchĂ€den auf. Sie seien diesmal jedoch nicht schwerwiegend und beeintrĂ€chtigten auch nicht die Kommunikationsverbindungen, die ĂŒber das betroffene Kabel C-Lion1 liefen, teilte der finnische Betreiber Cinia mit. Der Datenverkehr laufe weiterhin normal. Die genauen UmstĂ€nde der SchĂ€den wĂŒrden noch untersucht.

In den vergangenen Monaten sind immer wieder BeschÀdigungen an Kommunikationskabeln und Stromleitungen in den Tiefen der Ostsee aufgetreten. In mehreren FÀllen wurde wegen möglicher Sabotage ermittelt, ohne dass die genaue Schadensursache festgestellt werden konnte. Es steht jedoch der Verdacht im Raum, dass vorbeifahrende Schiffe sie - vorsÀtzlich oder unabsichtlich - mit ihren Ankern beschÀdigt haben. VerdÀchtige Schiffe wurden im Zuge der Ermittlungen immer wieder tagelang festgehalten, dann aber wieder freigegeben.

Schwedische Polizei ermittelt wegen Sabotage

Auch diesmal hat die schwedische Polizei Sabotage-Ermittlungen aufgenommen. Sie ist zustĂ€ndig, weil der erneute Vorfall in der ausschließlichen Wirtschaftszone Schwedens nahe der Ostsee-Insel Gotland geschehen ist. Man wolle mit den Ermittlungen feststellen, was genau passiert sei und ob es sich um einen neuen oder einen alten Schaden handle, teilte die Polizei mit. VerdĂ€chtige gebe es derzeit nicht. Weitere Einzelheiten könne man zunĂ€chst nicht nennen.

Auch die finnische Kriminalpolizei leitete Ermittlungen ein. Aus ihren Angaben ging hervor, dass der Kabelschaden bereits am Mittwoch festgestellt worden ist.

Das Glasfaserkabel C-Lion1 verlÀuft auf einer LÀnge von 1.173 Kilometern zwischen Helsinki und Rostock und verbindet mitteleuropÀische Telekommunikationsnetzwerke mit Finnland und anderen nordischen LÀndern. Das Kabel war erst Mitte November und dann noch einmal an Weihnachten schwerer beschÀdigt und jeweils einige Tage spÀter von einem Spezialschiff repariert worden.

Regierungschefs besorgt

Details und HintergrĂŒnde des neuen Vorfalls sind noch unklar. Schwedens MinisterprĂ€sident Ulf Kristersson erklĂ€rte jedoch bereits auf der Plattform X, man nehme alle Meldungen ĂŒber mögliche SchĂ€den an der Infrastruktur in der Ostsee gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Sicherheitslage sehr ernst. Damit meinte er in erster Linie die wahrgenommene Bedrohung durch Russland.

Der finnische MinisterprĂ€sident Petteri Orpo forderte, dass der Vorfall in Ruhe untersucht werden mĂŒsse. Gut sei, dass es offenbar keine BeeintrĂ€chtigungen auf Telekommunikationsverbindungen gegeben habe, sagte er in Helsinki.

Orpo betrachtete gleichzeitig die AktivitĂ€ten der sogenannten russischen Schattenflotte in der Ostsee als besorgniserregend. Damit sind Tanker und andere Frachtschiffe mit undurchsichtigen EigentĂŒmerstrukturen gemeint, die der Kreml benutzt, um Sanktionen infolge seines Angriffskriegs gegen die Ukraine etwa beim Öltransport zu umgehen.

Gegen Dutzende dieser Schiffe hat die EU Sanktionen erlassen, doch ihr tatsĂ€chlicher Umfang dĂŒrfte weitaus grĂ¶ĂŸer sein. Man suche gemeinsam mit den Ostsee-Anrainern und der EU nach Mitteln, um gegen diese AktivitĂ€ten stĂ€rker vorgehen zu können, sagte Orpo.

EU legt neue PlÀne vor

Die EU-Kommission hat derweil neue PlĂ€ne vorgelegt, wie man kritische Infrastruktur auf See besser schĂŒtzen kann. Die BrĂŒsseler Behörde stellte ein Maßnahmenpaket vor, das schnellere Reparaturen, eine bessere Überwachung und eine engere Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft vorsieht.

Konkret soll unter anderem eine Reserve spezialisierter Mehrzweck-Kabelschiffe aufgebaut und die KapazitĂ€ten bestehender EU-Reparaturschiffe erhöht werden. Zudem ist ein Netzwerk von Unterwassersensoren und ein DrohnenĂŒberwachungsprogramm geplant, um mögliche Sabotage schneller zu erkennen. Auch die Zusammenarbeit mit der Nato soll verstĂ€rkt werden.

"Die Zahl der VorfĂ€lle, die sich in den vergangenen Monaten in unserer kritischen Unterwasserinfrastruktur ereignet haben, gibt Anlass zu großer Sorge", sagte die zustĂ€ndige EU-Kommissarin Henna Virkkunen bei einem Besuch in Helsinki. Diese VorfĂ€lle wĂŒrden lebenswichtige Dienste wie die StromĂŒbertragung stören.

@ dpa.de