Strom-Umlagen 2027: Anstieg um 22,9 Prozent trifft Haushalte ab Januar
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 01:22 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW haben die gesetzlichen Strom-Umlagen für das Jahr 2027 bekannt gegeben.
Ab dem 1. Januar 2027 klettert die Summe der drei festgelegten Umlagen um 22,9 Prozent auf 3,621 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh). Im Jahr 2026 lag der Wert noch bei 2,946 ct/kWh, was einem Zuwachs von 0,675 ct/kWh entspricht.
Haupttreiber sind Netznutzung und Offshore-Anbindung
Den größten Anteil an der Erhöhung trägt der Aufschlag für die besondere Netznutzung nach Paragraph 19 der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) für die Gruppe A? bei den ersten einer Million Kilowattstunden je Abnahmestelle. Dieser Aufschlag steigt von 1,559 auf 2,027 ct/kWh, was einem Plus von 30 Prozent beziehungsweise 0,468 ct/kWh entspricht und gut zwei Drittel des gesamten Zuwachses ausmacht.
Zudem klettert die Offshore-Netzumlage von 0,941 auf 1,143 ct/kWh und liegt damit erstmals über der Marke von einem Cent. Dies bedeutet einen Anstieg um 21,5 Prozent. Die Übertragungsnetzbetreiber beziffern die offshore wälzbaren Kosten für 2027 auf rund 3,865 Milliarden Euro.
Bei der dritten Komponente, der KWKG-Umlage, fällt der Anstieg moderater aus: Sie legt um 1,1 Prozent von 0,446 auf 0,451 ct/kWh zu. Der Finanzierungsbedarf für Kraft-Wärme-Kopplung liegt 2027 voraussichtlich bei rund 1,46 Milliarden Euro und bleibt damit unter der gesetzlichen Obergrenze von 1,8 Milliarden Euro.
Parallel dazu beziffern die Übertragungsnetzbetreiber die Prognose für den EEG-Finanzierungsbedarf im Jahr 2027 auf 17,524 Milliarden Euro, wobei laufende Verhandlungen zur EEG-Novelle darin nicht berücksichtigt sind.
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Laut dem Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) kämen diese Kosten vor allem Altanlagen zugute, während der heutige Zubau von Wind- und Photovoltaikanlagen nur noch einen Bruchteil verursache. BEE-Präsidentin Heinen-Esser forderte eine stärkere Stabilisierung der Marktwerte, insbesondere durch den Ausbau von Batteriespeichern.
Auswirkungen auf Verbraucher und Vorbehalte beim Bundeszuschuss
Sollten Energieversorger die Umlagensteigerung vollständig an die Endkunden weitergeben, ergeben sich nach Modellrechnungen der Übertragungsnetzbetreiber spürbare Mehrbelastungen. Für einen Jahresverbrauch von 2.000 Kilowattstunden bedeutet dies ein Plus von 16,07 Euro pro Jahr (ohne Umsatzsteuer).
Bei 3.500 Kilowattstunden belaufen sich die Mehrkosten auf 28,11 Euro jährlich (rund 2,34 Euro pro Monat), bei 5.000 Kilowattstunden auf 40,16 Euro. Für einen Musterhaushalt mit 4.000 Kilowattstunden errechnet sich ein Mehraufwand von 27 Euro pro Jahr netto.
Unter Berücksichtigung der 19 Prozent Umsatzsteuer liegt der Bruttoanstieg bei 0,803 ct/kWh. Im Jahr 2026 lag der Haushaltsstrompreis nach Angaben eines Branchenverbands der Energiewirtschaft im Schnitt bei 37 ct/kWh, verglichen mit 39,3 ct/kWh im Jahr 2025.
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Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) weist darauf hin, dass die Berechnungen unter Vorbehalt stehen. Der geplante Bundeszuschuss soll von 6,5 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 5,525 Milliarden Euro im Jahr 2027 sinken.
Da die Mittelzuweisung aus dem Klima- und Transformationsfonds noch nicht parlamentarisch verabschiedet sei, bestehe ein zeitlicher Druck: Liegt bis zum 7. Dezember 2026 kein Beschluss vor, könnten die Entgelte höher ausfallen. Zudem dürften steigende Großhandelspreise für Gas und regional höhere Netzentgelte die Haushaltsbudgets weiter belasten.
Diskussion über Entlastung über die Stromsteuer
Vor dem Hintergrund steigender Abgaben brachte Bundeskanzler Friedrich Merz eine Senkung der Stromsteuer für Privathaushalte auf das EU-Mindestmaß von 0,1 ct/kWh ins Gespräch, wie sie bislang nur für die Industrie, das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft gilt. Dies würde Verbraucher um rechnerisch 2,32 ct/kWh inklusive Mehrwertsteuer entlasten.
SPD-Parteichef Lars Klingbeil forderte mit Blick auf die geschätzten Mindereinnahmen des Bundeshaushalts von rund 5 bis 6 Milliarden Euro pro Jahr eine solide Gegenfinanzierung. Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox könnte ein solcher Schritt private Haushalte insgesamt um rund 3 Milliarden Euro entlasten.
