Stromsicherheit, Großverbraucher

Stromsicherheit: Großverbraucher müssen sich auf Abschalt-Plattform registrieren

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 20:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bundesnetzagentur startet Registrierung für Unternehmen mit hohem Stromverbrauch. Bei Nichtbeachtung drohen Zwangsabschaltungen ohne Entschädigung.

Strommangellage: Neue Sicherheitsplattform für Großverbraucher startet
Moderne Steuerwarte zur Überwachung von Energienetzen mit digitalen Datenanzeigen und Stromnetzvisualisierungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Großverbraucher müssen sich ab sofort für eine neue Sicherheitsplattform registrieren. Bei Strommangellagen drohen Zwangsabschaltungen – ohne Entschädigung.

Registrierung ab acht Gigawattstunden

Die Bundesnetzagentur bereitet ein Instrument vor, das bei schweren Energiemangellagen kontrollierte Eingriffe ermöglicht. Die sogenannte Sicherheitsplattform Strom ist seit 2024 im Aufbau. Großverbraucher müssen ihre Lasten bei drohenden Engpässen drosseln. Bei Nichtbeachtung erzwingen Verteilnetzbetreiber die Abschaltung.

Betroffen sind Unternehmen mit einem jährlichen Strombedarf von mindestens acht Gigawattstunden. Sie müssen sich auf der digitalen Plattform registrieren. Bei einer sogenannten persistenten Strommangellage – die über Tage oder Wochen anhalten kann – übernimmt die Bundesnetzagentur die Rolle des Bundeslastverteilers. Ein ähnliches System gibt es seit 2022 für Erdgas.

Im Krisenfall müssen Betriebe detaillierte Angaben zu Verbrauch und Einsparpotenzialen machen. Die Behörde kann dann Reduzierungen oder die vollständige Stilllegung von Produktionsanlagen anordnen. Der Vorlauf: zwischen 24 Stunden und drei Tagen.

Keine Entschädigung bei Zwangsabschaltung

Die technische Betriebsführung liegt beim Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Kommen Unternehmen den Drosselungsaufforderungen nicht nach, können Netzbetreiber die Abschaltung technisch erzwingen. Diese Zwangsmaßnahmen dürfen bis zu 24 Stunden dauern. Laut Energiesicherungsgesetz gibt es keine Entschädigung für Produktionsausfälle.

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Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) betont: Der Aufbau sei reine Vorsorge. Eine aktuell drohende Mangellage bestehe nicht. Auch die Bundesnetzagentur erklärt, die Stromversorgung sei derzeit sehr sicher. Eine großflächige Störung sei unwahrscheinlich.

Kritik am neuen Stromnetzpaket

Parallel zur Sicherheitsplattform hat das Bundeskabinett Ende Juli die EEG-Novelle und ein umfassendes Stromnetzpaket verabschiedet. Ziel: Netzanschluss und Systemverantwortung enger verzahnen.

Aus der Wirtschaft kommt Kritik. Verbände wie Bitkom und VATM bemängeln, dass Netzbetreiber künftig vermeintlich ungenutzte Anschlussleistungen entziehen könnten. Das gefährde die Planungssicherheit für Investitionen in Rechenzentren und Mobilfunk.

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Hintergrund der verstärkten Vorsorge sind langfristige Prognosen. Die Bundesnetzagentur bewertet die aktuelle Lage als stabil. Amprion warnt jedoch vor Risiken ab 2028. Bis 2035 seien 40 Gigawatt zusätzliche Kraftwerksleistung nötig. Die aktuellen Planungen der Bundesregierung sehen nur 12,5 Gigawatt vor.

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