Stromsteuer für Unternehmen: DIHK fordert Entlastung für alle Branchen
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 03:02 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Peter Adrian, fordert von der Bundesregierung eine Ausweitung der Stromsteuersenkung auf alle Unternehmen.
Eine Entlastung auf das europäische Mindestmaß sei nicht nur für die Industrie erforderlich, sondern müsse ebenso dem Handel, dem Gastgewerbe und IT-Dienstleistern zugutekommen. Bislang profitieren nach Angaben des Verbandes lediglich die Industrie, das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft von einer abgesenkten Stromsteuer.
Spürbare Entlastungen für breite Teile der Wirtschaft
Nach Berechnungen des DIHK hätte eine Absenkung des Steuersatzes für die gesamte Wirtschaft deutliche finanzielle Effekte. So beziffert der Verband die jährliche Entlastung für ein durchschnittliches Hotel auf rund 10.000 Euro/Jahr.
Für ein Einkaufszentrum ergebe sich eine Ersparnis von rund 200.000 Euro/Jahr, während ein großes Rechenzentrum um rund 1 Mio. Euro/Jahr entlastet werden könne. Den notwendigen Spielraum für die Gegenfinanzierung sieht der DIHK vor allem in erwarteten Steuereinnahmen sowie in den Mitteln aus der CO2-Bepreisung.
Unterstützung erhält der Vorstoß vom Handwerk. Der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, forderte anlässlich der jüngsten Steuerschätzung, den prognostizierten finanziellen Spielraum für die bereits zugesagten Entlastungen einzusetzen.
An erster Stelle müsse dabei eine flächendeckende und dauerhafte Senkung der Stromsteuer für alle stehen. Schwannecke bezeichnete eine Beschränkung auf einzelne Industriebranchen als ungerecht, da Betriebe wie Kfz-Werkstätten, Friseursalons oder Textilreinigungen weiterhin die volle Abgabenlast tragen müssten.
Druck der Bundesländer auf die Koalition
Auch auf der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin machten mehrere Regierungschefs der Länder Druck auf den Bund. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst verwies auf ein Entlastungsvolumen von mehr als 5 Mrd. Euro jährlich, während Gordon Schnieder aus Rheinland-Pfalz den 1. Januar als Wunschtermin für das Inkrafttreten nannte. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig betonte Stromproduktionskosten von 5 Cent in Deutschland.
Die Stromsteuer ist bislang nur für Industrie, produzierendes Gewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft abgesenkt — Handel, Gastgewerbe und IT-Dienstleister tragen die volle Last. Der DIHK beziffert die mögliche Entlastung für ein durchschnittliches Hotel auf rund 10.000 Euro pro Jahr. Wie weit die geplante Ausweitung auf das europäische Mindestmaß ist und was die Finanzierungsdebatte bedeutet, fasst dieser Report zusammen. Kostenlosen Report zur Stromsteuer-Entlastung anfordern
Zudem forderte der hessische Ministerpräsident Boris Rhein die unverzügliche Umsetzung der Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag. Rhein plädiert dafür, die in der Steuerschätzung für den Bund ausgewiesenen Mehreinnahmen von 4,1 Mrd. Euro für das Jahr 2027 zweckgebunden für diesen Entlastungsschritt zu verwenden.
Im schwarz-roten Koalitionsvertrag ist die Absenkung für alle Marktteilnehmer grundsätzlich festgehalten, in der Praxis jedoch bislang nur auf ausgewählte Sektoren beschränkt worden.
Kontroverse Debatte über die Haushaltsfinanzierung
Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, für die Umsetzung der Steuersenkung bestehende Haushaltsspielräume nutzen zu wollen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil zeigte sich zwar grundsätzlich offen, äußerte jedoch Zweifel an der dauerhaften Finanzierbarkeit des Vorhabens und sieht keine neuen Spielräume.
SPD-Haushaltspolitiker sehen die Union in der Bringschuld für ein tragfähiges Konzept. Ein reines Abstellen auf Steuermehreinnahmen stehe auf unsicherem Fundament; bis zur in wenigen Wochen anstehenden Bereinigungssitzung für den Bundeshaushalt 2027 müssten konkrete Deckungsvorschläge vorliegen.
Ob die zugesagte Stromsteuersenkung kommt, ist offen: Der Finanzminister bezweifelt die dauerhafte Finanzierbarkeit, die Haushaltspolitiker verlangen bis zur Bereinigungssitzung konkrete Deckungsvorschläge. Wer als Kfz-Werkstatt, Friseurbetrieb oder Textilreinigung die volle Abgabenlast trägt, sollte die eigenen Energiekosten unabhängig davon im Griff haben. Der Report zeigt Einsparansätze und ordnet den politischen Fahrplan ein. Einordnung und Praxis-Tipps jetzt abrufen
Alternative Modelle bringt unterdessen die Denkfabrik Epico ins Spiel. Diese schlägt vor, die Entlastung für alle Stromverbraucher perspektivisch über die Einnahmen aus dem neuen europäischen Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (ETS 2) zu decken.
Gegen eine pauschale Steuersenkung regt sich zudem sozialpolitischer Widerspruch: SoVD-Chefin Michaela Engelmeier kritisierte ein solches Vorgehen als Gießkannenprinzip und sprach sich stattdessen für zielgerichtete Unterstützungen für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen aus.
