Studentenverbindungen: Andrew Lohse warnt vor Omertà und Schweigekultur
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 22:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach mehreren schweren Vorfällen an US-Universitäten hat der frühere Dartmouth-Student Andrew Lohse vor einer tief verankerten Schweigekultur in Studentenverbindungen gewarnt. Lohse verwies dabei auf Parallelen zu einer Art Omertà, die gefährliches Verhalten innerhalb der Bruderschaften begünstige und systematisch verdecke.
Als Anlass für seine Warnung dienten jüngste Entwicklungen, darunter zwei ungeklärte Todesfälle an der University of Mississippi, Ermittlungen zu mutmaßlichem Drogenhandel im Umfeld der Penn State University sowie Misshandlungsvorwürfe im Bundesstaat Wisconsin.
Eigene Erfahrungen mit Misshandlungen bei Aufnahmeritualen
Lohse schilderte in diesem Zusammenhang eigene Erlebnisse mit sogenanntem Hazing bei der Verbindung Sigma Alpha Epsilon. Unter anderem berichtete er von erzwungenem Alkoholkonsum im Umfang von 10 bis 15 oder mehr Getränken. Das betreffende Verbindungskapitel am Dartmouth College war nach früheren Vorfällen für einen Zeitraum von zehn Jahren suspendiert worden und erhielt erst im August die offizielle Wiederanerkennung. Vor diesem Hintergrund riet Lohse Studienanfängern dazu, die Risiken und den tatsächlichen Nutzen eines Verbindungsbeitritts sorgfältig abzuwägen.
Demgegenüber betonte die Interfraternity Conference, dass die Dachorganisation entsprechende Initiativen gegen Aufnahmerituale unterstütze. So habe sich der Verband für Gesetze gegen Hazing in mehr als einem Dutzend US-Bundesstaaten eingesetzt.
Todesfälle, Drogenhandel und Misshandlungsvorwürfe
Die Warnungen fallen in eine Phase neuer Untersuchungen an mehreren Universitätsstandorten. An der University of Mississippi wurden der 20-jährige Robert Strang, ein Mitglied der Verbindung Phi Delta Theta, sowie der 18-jährige Aidan Hamilton tot aufgefunden. An beiden Fundorten entdeckten die Ermittler Pakete der Substanz Kratom.
Zwei ungeklärte Todesfälle an der University of Mississippi, ein mutmaßlicher Drogenring im Umfeld der Penn State University, ein Hazing-Einsatz in Wisconsin — und ein früherer Verbindungsstudent, der vor einer tief verankerten Schweigekultur warnt. Für Eltern von Studienanfängern heißt das: hinschauen, bevor die ersten Wochen vorbei sind. Unser kostenloser Leitfaden bündelt einen Risiko-Check, einen Gesprächsleitfaden für das Gespräch mit Ihrem Kind und einen Notfallplan bei Verdacht auf Hazing. Eltern-Leitfaden jetzt kostenlos anfordern
Ob ein direkter Zusammenhang mit den Todesfällen besteht, blieb zunächst ungeklärt. Laut Berichten schlossen die Behörden ein Fremdverschulden bislang nicht aus, während die genaue Todesursache sowie die Rolle der Substanz Gegenstand weiterer Ermittlungen blieben. Der Verbindung Phi Delta Theta selbst wird kein Fehlverhalten vorgeworfen.
An der Penn State University erhoben Staatsanwälte unterdessen schwere Vorwürfe gegen Mitglieder eines mutmaßlichen Drogenrings. Diesen wird zur Last gelegt, Aufnahmekandidaten dazu gezwungen zu haben, Kokain zu schneiden und zu verpacken. Im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Drogenhandel wurden 14 Männer angeklagt, darunter der 24-jährige Agostino Abbatiello.
Erzwungener Alkoholkonsum im Umfang von 10 bis 15 oder mehr Getränken — so beschreibt ein früherer Verbindungsstudent seine eigenen Aufnahmerituale. Solche Vorfälle bleiben oft im Verborgenen, weil eine Schweigekultur sie systematisch deckt. Wenn Ihr Kind im Herbst an eine US-Universität geht, sollten Sie die Warnsignale kennen, bevor es zu spät ist. Der kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, welche Fragen Sie vor dem Beitritt stellen und wie Sie im Ernstfall handeln. Risiko-Check für Eltern jetzt sichern
Der Betrieb soll in den Jahren 2023 und 2024 über Verbindunghäuser von Sigma Chi sowie Delta Upsilon abgewickelt worden sein. Abbatiello kam nach den rechtlichen Schritten gegen eine gesicherte Kaution in Höhe von 250.000 US-Dollar auf freien Fuß.
Zu einem weiteren Polizeieinsatz kam es in Madison im Bundesstaat Wisconsin. Dort entdeckten Einsatzkräfte rund 30 teilweise bekleidete junge Männer im Keller eines Hauses der Verbindung AEPi. Mehrere der Anwesenden wiesen Anzeichen körperlicher Gewalt sowie mutmaßliche Verletzungen auf. Im Zuge des Einsatzes nahmen die Behörden zwei Personen fest.
