Studie, Investitionen

Studie: Investitionen in Kinder lohnen sich für den Staat

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 06:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Auswirkungen von Kinderarmut und fehlenden Bildungschancen kommen die öffentlichen Haushalte einer Studie zufolge teuer zu stehen.

Ein Kind, das in Deutschland unter schwierigen Bedingungen aufwächst, trägt demnach im Laufe seines Lebens zu den öffentlichen Haushalten schätzungsweise 216.500 Euro weniger bei als ein Kind, das diese Einschränkungen nicht hat. "Es ist eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung", sagte Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), der das Gutachten im Auftrag des UN-Kinderhilfswerks Unicef erstellt hat.

Im Durchschnitt trägt ein Mensch in Deutschland demnach in seinem Leben gut 300.000 Euro mehr zu den öffentlichen Haushalten bei, als der Staat für ihn ausgibt. Das ist jedoch nur der Durchschnittswert - in vielen Fällen weicht die Bilanz nach oben oder unten ab. Erreiche ein Kind später als junger Erwachsener einen akademischen Bildungsweg, ergebe sich für den Staat letztlich eine geschätzte Steuerbilanz von 943.000 Euro, sagte Plünnecke.

Bei Kindern mit einem beruflichen Bildungsweg betrage die Bilanz immerhin noch 117.600 Euro. Bei Kindern ohne berufsqualifizierenden Abschluss falle die Bilanz dagegen mit minus 377.100 Euro negativ aus. Im Laufe der Jahre gebe der Staat für diese Gruppe mehr aus, als er einnehme.

Studie: Wie man als Kind lebt, prägt das ganze weitere Leben

Immer wieder haben Studien gezeigt, dass der schulische Erfolg von Kindern in Deutschland besonders stark vom Bildungs- und Einkommensniveau der Eltern abhängt. "Das bedeutet, dass der Staat eigentlich mehr tun müsste, um die Kinder und ihre Eltern zu unterstützen - etwa durch Ganztagsschulen und Familienzentren", sagte Plünnecke.

Ein weiterer wichtiger Faktor sei die Gesundheit im Kindes- und Jugendalter. Wer in der Kindheit zum Beispiel regelmäßig Obst und Gemüse esse und Sport treibe, bringe dem Staat später im Durchschnitt mehr als 130.000 Euro mehr als jemand, der schon als Kind einen eher ungesunden Lebenswandel habe. Auch die psychische Gesundheit wirke sich aus: Depressionen könnten sogar zu einem fiskalischen Minus von bis zu 345.500 Euro führen, so Plünnecke.

Bei Berücksichtigung all dieser Faktoren ergebe sich unterm Strich, dass ein in Armut aufwachsendes Kind später 216.500 Euro weniger zu den öffentlichen Haushalten beitrage. Aus Plünneckes Sicht lässt dieses Ergebnis nur eine Schlussfolgerung zu: Wenn es gelinge, Kinder mit einer besseren Infrastruktur besser zu fördern, bedeute dies für den Staat, dass die Kinder als Erwachsene erfolgreicher seien, mehr Steuern und Abgaben zahlten und weniger Sozialtransfers benötigten. "Und das ist ja noch einmal wichtiger, wenn wir an die Demografie denken. Das Verhältnis von Ein- zu Auszahlern wird durch die steigende Rentnerzahl sowieso schon ungünstiger."

Unicef-Chef: An Kindern zu sparen, ist wirtschaftliche Dummheit

Derzeit wachsen nach Unicef-Angaben mehr als eine Million Kinder in Deutschland unter schwierigen Bedingungen auf. Sie haben zum Beispiel kein zweites Paar Schuhe, keinen Zugang zu vollwertigen Mahlzeiten oder weder Platz noch Ruhe für Hausaufgaben. Besonders besorgniserregend sei, dass jedes Jahr rund 65.000 junge Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen.

"Wir müssen aufhören, Ausgaben für Kinder nur als Kosten zu betrachten", sagte der Vorsitzende von Unicef Deutschland, Georg Graf Waldersee. "Unser Gutachten zeigt: In Kinder zu investieren, und zwar gezielt in die besonders benachteiligten Kinder, ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch ökonomisch einfach vernünftig."

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70326130 |