Gründungsbereitschaft, Jugendliche

Studie: Viele junge Deutsche wollen gründen – nur wenige wagen den Schritt

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Viele junge Menschen in Deutschland interessieren sich für eine eigene Firma, doch nur ein kleiner Teil setzt diesen Schritt tatsächlich um. Eine neue Auswertung der Bertelsmann Stiftung zeigt, welche Hürden Gründungspläne ausbremsen und wo es zugleich positive Signale gibt.

Viele junge Erwachsene können sich die Gründung eines Unternehmens vorstellen, aber nur wenige machen es auch. (Archivbild) - Bild: Oliver Berg/dpa
Viele junge Erwachsene können sich die Gründung eines Unternehmens vorstellen, aber nur wenige machen es auch. (Archivbild) - Bild: Oliver Berg/dpa

Viele junge Menschen in Deutschland interessieren sich für eine eigene Firma, doch nur ein kleiner Teil setzt diesen Schritt bislang in die Tat um.

Großes Interesse, wenig tatsächliche Gründungen

Laut einer Befragung der Bertelsmann Stiftung haben 40 Prozent der 14- bis 25-Jährigen hierzulande Interesse an einer Firmengründung. Konkret umgesetzt haben diesen Schritt jedoch nur 3 Prozent der im April 2026 repräsentativ befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Fast jeder Zehnte verfolgt die feste Absicht, sich bis zum 30. Geburtstag selbstständig zu machen, während 29 Prozent eine eigene Firmengründung für sich ausschließen.

Gründe für Zurückhaltung bei der Selbstständigkeit

Die Autoren der Auswertung fordern, Barrieren für eine Firmengründung zu senken. Als wichtigste Gründe für die Zurückhaltung nennen 61 Prozent der Befragten den Wunsch nach einem sicheren Angestelltenverhältnis. 48 Prozent geben fehlendes Wissen über eine Gründung als Hindernis an, 39 Prozent schreckt der erwartete Stress einer Selbstständigkeit ab. Etwas mehr als jeder Zehnte berichtet, es fehle der passende Geschäftspartner, und 9 Prozent zweifeln an den eigenen Fähigkeiten oder sehen fehlendes Startkapital als Hürde.

Mehr junge Gründer laut Global Entrepreneurship Monitor

Etwas optimistischer fallen Daten aus dem Global Entrepreneurship Monitor 2025/2026 aus, die ebenfalls in der Analyse der Bertelsmann Stiftung berücksichtigt werden. Demnach hat sich der Anteil der jungen Gründerinnen und Gründer im Alter von 18 bis 24 Jahren in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. Lag ihr Anteil 2024 noch bei 13 Prozent, stieg der Wert 2025 auf über 23 Prozent. Der Monitor wird vom RKW Kompetenzzentrum in Eschborn herausgegeben und vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert.

Stiftung sieht Chancen für deutsche Wirtschaft

Ivo Andrade, Experte der Bertelsmann Stiftung für Jugend und Wirtschaft, betont in der Mitteilung, es sei positiv, dass so viele junge Menschen Interesse an einer Firmengründung zeigen. Neue Unternehmen brächten häufig frische Geschäftsideen mit, schafften Arbeitsplätze und stärkten die Wettbewerbsfähigkeit. Gerade in einer wirtschaftlich herausfordernden Lage könnten solche Impulse aus seiner Sicht für die deutsche Wirtschaft besonders wichtig sein.

Hohe Gründungsbereitschaft, geringe Umsetzung

Die Zahlen der Bertelsmann Stiftung zeigen eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit bei der Unternehmensgründung junger Menschen. Viele 14- bis 25-Jährige sehen die Selbstständigkeit als attraktive Option, doch nur ein Bruchteil wagt den Schritt. Diese Zurückhaltung knüpft an ein bekanntes Muster: Deutschland gilt im internationalen Vergleich als eher risikoavers, was gerade bei langfristigen Entscheidungen wie einer Firmengründung sichtbar wird.

Dass mehr als die Hälfte der Befragten ein sicheres Angestelltenverhältnis bevorzugt, verweist auf strukturelle Rahmenbedingungen des deutschen Arbeitsmarkts. Ein vergleichsweise stabiles Beschäftigungssystem, starke Sozialversicherungen und tarifliche Sicherheiten machen klassische Erwerbsarbeit für viele zunächst attraktiver als unternehmerische Risiken. Zugleich deutet der Hinweis auf fehlendes Wissen darauf hin, dass ökonomische und rechtliche Grundlagen, etwa zu Steuern, Finanzierung oder Haftung, im Bildungssystem nur begrenzt vermittelt werden.

Rolle von Bildung, Beratung und Finanzierung

Die genannten Hürden – vom fehlenden Startkapital über die Suche nach Geschäftspartnern bis zu Selbstzweifeln – verweisen auf Handlungsfelder für Politik, Schulen und Hochschulen. Programme zur Entrepreneurship Education, Gründungsberatungen an Bildungseinrichtungen und niedrigschwellige Förderangebote könnten dazu beitragen, die Distanz zwischen Gründungsinteresse und tatsächlicher Umsetzung zu verringern. Wichtig ist dabei, dass junge Menschen früh mit praktischen Einblicken in Unternehmensführung und mit Vorbildern in Kontakt kommen.

Wachstum der Gründungsaktivität und wirtschaftliche Bedeutung

Der Global Entrepreneurship Monitor zeigt parallel, dass die Gründungsaktivität junger Menschen zuletzt spürbar zugenommen hat. Dass sich der Anteil der Gründerinnen und Gründer im Alter von 18 bis 24 Jahren innerhalb kurzer Zeit deutlich erhöht hat, deutet auf eine aktivere Start-up-Szene und möglicherweise bessere Zugänge zu digitalen Geschäftsmodellen hin. Für die deutsche Wirtschaft sind diese Entwicklungen relevant, weil neue Unternehmen Innovationen vorantreiben, regionale Wertschöpfung stärken und dazu beitragen können, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die bestehenden Barrieren abzubauen, ohne die berechtigte Bedeutung von Sicherheit und sozialer Absicherung zu verdrängen.

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