Tankrabatt ab Oktober: 16,7 Cent Entlastung je Liter sind nicht garantiert
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am 25. September 2026 haben Bundestag und Bundesrat eine befristete Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe beschlossen. Die als Tankrabatt bezeichnete MaĂnahme gilt vom 01.10. bis zum 31.12.2026 fĂŒr Benzin und Diesel.
Im Bundestag sprachen sich 434 Abgeordnete fĂŒr die Vorlage aus, wĂ€hrend 128 dagegen stimmten; im Anschluss erteilte der Bundesrat seine Zustimmung. Die Energiesteuer wird je Kraftstoff um 14,04 Cent je Liter gesenkt, was inklusive Umsatzsteuer rechnerisch einer Entlastung von bis zu 17 Cent â exakt 16,7 Cent â brutto je Liter entspricht.
Finanzielle Dimension und logistische Umsetzung
Nach Angaben der Bundesregierung belĂ€uft sich das gesamte Entlastungsvolumen des Vorhabens auf rund 2,5 Mrd. Euro. Von dieser Summe tragen die BundeslĂ€nder 1,25 Mrd. Euro. Die steuerliche VergĂŒnstigung betrifft Kraftstoffe, die nach Mitternacht die Raffinerien oder GroĂtanklager verlassen.
Nach EinschÀtzung der Bundesregierung kann es daher mehrere Tage in Anspruch nehmen, bis eine flÀchendeckende Versorgung an den Tankstellen erreicht ist. Zudem stellte die Bundesregierung klar, dass eine vollstÀndige Weitergabe des Steuervorteils an die Endverbraucher an den ZapfsÀulen weder rechtlich vorgeschrieben noch gesichert sei.
Eine direkte Auszahlung an Verbraucher mit festgelegten BetrĂ€gen und Einkommensgrenzen wurde nicht beschlossen. Als ergĂ€nzendes Kriseninstrument plant die Bundesregierung jedoch einen Spritpreisdeckel fĂŒr spĂ€testens den 01.01.2027, wobei Berechnungsformel und Höchstpreis bislang offen sind.
Steuerliche Zusammensetzung der Kraftstoffpreise
Die MaĂnahme zielt auf den erheblichen Steueranteil ab, der die Kraftstoffpreise in Deutschland bestimmt. Nach Erhebungen des ADAC aus dem Juli 2026 entfielen im bundesweiten Schnitt rund 57 Prozent des Benzinpreises und rund 47 Prozent des Dieselpreises auf Steuern und Abgaben. Im Vorjahr 2025 lagen diese Anteile bei 64 Prozent beziehungsweise 56 Prozent.
Der Bundestag hat die Energiesteuersenkung beschlossen â rechnerisch bis zu 16,7 Cent brutto je Liter, gĂŒltig vom 1. Oktober bis 31. Dezember. Doch die Bundesregierung stellt selbst klar: Eine vollstĂ€ndige Weitergabe an der ZapfsĂ€ule ist weder vorgeschrieben noch gesichert. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie die Weitergabe prĂŒfen und Ihre Spritkosten realistisch berechnen. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
RegulĂ€r betrĂ€gt die Energiesteuer auf Benzin 65,45 Cent je Liter und auf Diesel 47,04 Cent je Liter. Hinzu kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer sowie CO?-Kosten. FĂŒr das Jahr 2026 bezifferte der ADAC die Auswirkung des CO?-Preises von 55 bis 65 Euro je Tonne auf einen Aufschlag von 15,7 bis 18,6 Cent je Liter bei Benzin und 17,3 bis 20,5 Cent je Liter bei Diesel.
Die fiskalischen Verschiebungen durch verĂ€nderte ZapfsĂ€ulenpreise spiegeln sich auch in Modellrechnungen des Bundesfinanzministeriums wider. Demnach standen fĂŒr den Monat MĂ€rz zusĂ€tzlichen Umsatzsteuereinnahmen von 115,9 Mio. Euro infolge höherer Kraftstoffpreise Mindereinnahmen bei der Energiesteuer von 82 Mio. Euro gegenĂŒber, die auf einen angenommenen VerbrauchsrĂŒckgang zurĂŒckzufĂŒhren waren.
Debatte um Weitergabe und ergÀnzende Instrumente
Die Ausgestaltung der Entlastung stieĂ in Politik und Wirtschaft auf geteilte Reaktionen. Wirtschaftsvertreter bemĂ€ngelten, ein erneuter Tankrabatt sei teuer und schwer steuerbar; Viel-Fahrende wĂŒrden stĂ€rker begĂŒnstigt, wĂ€hrend Personen ohne eigenes Automobil leer ausgingen. Zudem verwiesen sie auf Erfahrungen bei frĂŒheren Entlastungen, bei denen die Preisanpassung verzögert stattfand.
Steuern und Abgaben machen laut ADAC rund 57 Prozent des Benzinpreises aus â und der CO?-Preis verteuert den Liter 2026 um weitere 15,7 bis 18,6 Cent. Gegen diese Belastung hilft der befristete Steuernachlass nur, wenn er ankommt. Unser kostenloser Leitfaden bĂŒndelt fĂŒnf Spartipps und einen Spritkosten-Rechner fĂŒr Pendler. Spritkosten-Leitfaden jetzt sichern
Auf LĂ€nderebene forderte Hessens MinisterprĂ€sident Boris Rhein im Bundesrat, die CO?-Abgabe auf Kraftstoffe vorerst auszusetzen, da der beschlossene Steuernachlass unzureichend sei. Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder drĂ€ngte auf ein gröĂeres Paket, eine grundlegende Debatte ĂŒber die CO?-Bepreisung und Preisregeln sowie Korrekturen an bestehenden Meldevorgaben.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil plĂ€dierte unterdessen fĂŒr die EinfĂŒhrung einer EU-Ăbergewinnsteuer fĂŒr Mineralölkonzerne, rĂ€umte jedoch ein, dass ein solches Instrument die Preise an den Tankstellen nicht unmittelbar senkt.
