Tankrabatt, Diesel

Tankrabatt: Bei Diesel kommen nur 14 von 17 Cent bei Autofahrern an

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Laut ifo-Institut kommen bei Diesel nur 14 der 17 Cent an; bei Super E5 wurde die Entlastung nahezu vollständig weitergegeben.
Industrielle Raffinerieanlage mit großen Stahltanks und Rohrleitungen bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Die seit dem 1. Oktober 2026 geltende Senkung der Kraftstoffsteuer um 17 Cent pro Liter wird bei Benzin nahezu vollständig an die Verbraucher weitergegeben, bei Diesel hingegen nur in Teilen. Das geht aus aktuellen Ergebnissen des Tankrabatt-Trackers des ifo-Instituts hervor, die am 22. Oktober 2026 veröffentlicht wurden. Demnach profitieren Autofahrer je nach Kraftstoffart sehr unterschiedlich von der staatlichen Entlastungsmaßnahme.

Deutliche Unterschiede zwischen Benzin und Diesel

In den sieben Tagen vom 14. bis zum 20. Oktober kamen bei Super E5 die vollen 17 Cent pro Liter an den Zapfsäulen an. Bei Super E10 lag die Entlastung bei 16 Cent. Beim Diesel erreichten hingegen lediglich rund 14 Cent der vorgesehenen 17 Cent die Verbraucher.

Betrachtet man den gesamten Zeitraum seit dem Inkrafttreten am 1. Oktober, ergibt sich laut ifo-Institut ein ähnliches Bild: Kumuliert beläuft sich die Weitergabe bei Super E5 auf rund 16 Cent pro Liter, während sie bei Diesel und Super E10 bei jeweils 14 Cent verharrt.

Nach Angaben des ifo-Experten Florian Neumeier bestehen diese Lücken bereits seit dem Start des Tankrabatts Anfang Oktober. Damit wiederhole sich die Erfahrung aus dem Frühjahr, als die Weitergabe bei Diesel im Mai und Juni ebenfalls hinter den 17 Cent zurückgeblieben war.

Für die unvollständige Weitergabe bei Diesel führt der Experte mehrere Faktoren an: Zum einen werde Diesel zu großen Teilen importiert, was zu längeren Wertschöpfungsketten führe, in denen Entlastungsbeträge eher versickern könnten.

Zum anderen reagierten Vielfahrer und Dienstwagennutzer erfahrungsgemäß weniger preissensitiv. Zudem könnten höhere Dieselpreise laut der Analyse auch mit einer saisonal gestiegenen Nachfrage nach Heizöl zusammenhängen.

Für den Tankrabatt-Tracker vergleicht das ifo-Institut die Preisentwicklung in Deutschland mit jener in Frankreich, wo kein Tankrabatt gilt. Als Datenbasis dienen Meldungen der Markttransparenzstelle des Bundeskartellamts sowie des französischen Wirtschaftsministeriums, bezogen auf eine Referenzperiode von drei Wochen vor der Einführung.

Reaktionen aus Politik, Verbänden und Instituten

Die Bundesregierung hatte die Steuersenkung als Reaktion auf stark gestiegene Spritpreise infolge des Nahost-Konflikts und des Iran-Kriegs beschlossen. Die Maßnahme ist bis zum 31. Dezember befristet. Die Belastung für die öffentlichen Finanzen wird auf rund 2,5 Milliarden Euro geschätzt, die sich Bund und Länder teilen.

Das Bundesministerium der Finanzen erwartet eine vollständige Weitergabe der Entlastung. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz erklärte, laut wissenschaftlichen Instituten werde die Steuersenkung bislang weitgehend weitergegeben. Zu den konkreten ifo-Ergebnissen äußerten sich beide Ministerien nicht.

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Deutliche Kritik kam von Verbraucherschützern. Ramona Pop, Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, bemängelte, dass die Entlastung erneut vor allem den Mineralölkonzernen zugutekomme. Auch das DIW Berlin hatte für den Zeitraum vom 1. bis zum 21. Oktober ermittelt, dass lediglich rund 67 Prozent der Steuersenkung bei den Verbrauchern ankommen, und auf einen schwachen Wettbewerb bei Raffinerien und Großhandel hingewiesen.

Hohe Preise belasten Verbraucher weiter

Nach Daten des ADAC mit Stand vom 21. Oktober kostete Super E10 im Bundesdurchschnitt 2,088 Euro pro Liter, was 5,8 Cent weniger waren als in der Vorwoche und dem niedrigsten Tagesdurchschnitt seit Mitte Juli entsprach. Diesel lag bei 2,246 Euro pro Liter und war damit nur um 0,9 Cent günstiger als in der Vorwoche.

Laut Kraftfahrt-Bundesamt fahren Personenkraftwagen in Deutschland durchschnittlich rund 900 Kilometer pro Monat. Bei einem Verbrauch von 7 bis 8 Litern auf 100 Kilometer beläuft sich die rechnerische Ersparnis über den gesamten Dreimonatszeitraum auf grob 32 bis 36 Euro.

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Die tatsächliche Entlastungswirkung wird in der Bevölkerung skeptisch bewertet: In einer Civey-Umfrage unter 5.000 Befragten gaben 69 Prozent an, keine Entlastung an den Tankstellen zu spüren, während lediglich 24 Prozent eine Entlastung bemerkten. Der Preisdruck an den Zapfsäulen schlägt sich auch in der Gesamtwirtschaft nieder.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Inflationsrate im September bei 3,3 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit fast drei Jahren, getrieben durch Rekordpreise an den Tankstellen. Die Deutsche Bundesbank erwartet, dass die Inflationsrate vorerst merklich erhöht bleibt und dies auch bis ins nächste Jahr anhalten wird.

Mehr zum Thema bei n-tv: „Anders als beim Benzin: Studie: Diesel-Tankrabatt kommt nur teilweise bei Autofahrern an - n“

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