Tankrabatt, Kraftstoffpreise

Tankrabatt: DIW sieht nur zwei Drittel der 16,7 Cent weitergegeben

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 13:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Wirtschaftsforscher sehen bei der Entlastung an den Zapfsäulen weiterhin Lücken. Die Mineralölbranche führt dagegen gestiegene internationale Einkaufspreise als Grund für die Entwicklung an.

Die Preisentwicklung seit dem Rabattstart

  • Das DIW beziffert die bisherige Weitergabe auf rund zwei Drittel der Steuersenkung von 16,7 Cent je Liter.
  • Das Ifo errechnete vom 7. bis 13. Oktober Weitergaben von 13 Cent bei E10, 14,7 Cent bei E5 und 13,5 Cent bei Diesel.
  • Am Mittwoch kostete E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,146 Euro je Liter, Diesel 2,255 Euro.
Der Tankrabatt ist seit zwei Wochen in Kraft. (Symbolbild) - Bild: Sina Schuldt/dpa

DIW und Ifo sehen Lücken beim Tankrabatt

Der Tankrabatt kommt zwei Wochen nach seinem Start nach Einschätzung von Wirtschaftswissenschaftlern nicht vollständig bei den Verbrauchern an. Berechnungen von Ifo und DIW sehen teils deutliche Lücken, während auch das Bundeskartellamt keine vollständige Weitergabe feststellt.

DIW beziffert Weitergabe auf zwei Drittel

Nach Berechnungen des DIW sind von der Steuersenkung um 16,7 Cent je Liter bislang rund zwei Drittel bei den Verbrauchern angekommen. Tomaso Duso vom DIW erklärte, seit dem 1. Oktober seien die Preise in Deutschland im Durchschnitt um 10 bis 11 Cent je Liter stärker gesunken als in Frankreich, wo es keinen Rabatt gibt.

Seit dem 8. Oktober liege die Weitergabe im Schnitt nur noch bei 9 Cent, sagte Duso. Zugleich verwies er darauf, dass das Ergebnis vom gewählten Vergleichstag abhänge: Bei einem Vergleich mit dem 27. September liege die Weitergabe bei mehr als 80 Prozent.

Ifo misst Unterschiede bei den Kraftstoffsorten

Das Ifo kommt auf höhere, aber ebenfalls unvollständige Weitergaben. Für den Zeitraum vom 7. bis 13. Oktober errechneten die Münchner Wirtschaftsforscher bei E10 13 Cent, bei E5 14,7 Cent und bei Diesel 13,5 Cent je Liter.

Insbesondere am vergangenen Wochenende stellte das Ifo geringe Weitergaben fest. Damit bleibt auch nach dieser Berechnung eine Lücke zur Steuersenkung von 16,7 Cent.

Bundeskartellamt sieht Defizite bei Raffinerien

Auch das Bundeskartellamt erkennt keine vollständig weitergereichte Steuersenkung. Präsident Andreas Mundt sagte, die bisherigen Auswertungen deuteten darauf hin, dass die Weitergabe schon auf Ebene der Raffinerien und des Großhandels weitgehend, aber nicht vollständig erfolgt sei.

Bei Benzin sei die Lücke etwas größer als bei Diesel, sagte Mundt. Für eine umfassende Bewertung sei es noch zu früh.

Mineralölbranche verweist auf Weltmarktpreise

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie widerspricht der Kritik. Ein Sprecher erklärte, die Steuersenkung werde von den Mitgliedsunternehmen, den Markentankstellen, in vollem Umfang weitergegeben.

Die Branche verweist auf schwankende Weltmarktpreise. Der internationale Produktpreis für Super E10 sei seit dem 30. September um rund 5 Cent je Liter gestiegen. Verbraucherpreise seien dennoch zu jedem Zeitpunkt rund 17 Cent je Liter niedriger als ohne Tankrabatt.

Deutschland bleibt im EU-Vergleich teuer

Am Mittwoch kostete E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt laut ADAC 2,146 Euro je Liter. Für Diesel wurden 2,255 Euro verlangt. E10 war damit gut 3 Cent teurer als am ersten Tag des Tankrabatts, Diesel minimal günstiger.

Im europäischen Vergleich hatte Deutschland bei E10 den vierthöchsten Durchschnittspreis und bei Diesel den sechsthöchsten. Ende September lag Deutschland bei E10 noch auf Platz drei und bei Diesel auf Platz vier der teuersten Länder.

Der Tankrabatt soll die stark gestiegenen Kraftstoffkosten für Verbraucher begrenzen. Die dpa-Meldung zeigt jedoch, dass die Wirkung nicht nur vom gesetzlich festgelegten Steuernachlass abhängt, sondern auch von internationalen Produktpreisen, Raffineriekosten und der Preisbildung im Groß- und Einzelhandel.

Für Autofahrer ist deshalb der Vergleich mit dem Preis vor Beginn des Rabatts entscheidend. Ein niedrigerer Preis als ohne Entlastung bedeutet nicht automatisch, dass die gesamten 16,7 Cent je Liter weitergegeben wurden. Zugleich können steigende Weltmarktpreise den sichtbaren Effekt an der Zapfsäule teilweise überlagern.

Entlastung bleibt hinter dem Nachlass zurück

Die Berechnungen von DIW und Ifo weisen trotz unterschiedlicher Methoden in dieselbe Richtung: Bei mehreren Kraftstoffsorten bleibt eine Lücke zwischen Steuersenkung und beobachteter Preissenkung. Besonders relevant ist, dass das DIW seit dem 8. Oktober eine nachlassende Weitergabe feststellt, während das Ifo am vergangenen Wochenende ebenfalls geringe Effekte beobachtete.

Das Bundeskartellamt sieht die Defizite bereits bei Raffinerien und im Großhandel, warnt aber vor einer abschließenden Bewertung nach nur zwei Wochen. Die Mineralölbranche bestreitet eine unvollständige Weitergabe und verweist auf gestiegene internationale Einkaufspreise.

Preise bleiben im EU-Vergleich hoch

Auch nach dem Rabatt gehört Deutschland bei E10 und Diesel weiterhin zu den teureren Ländern der Europäischen Union. Für Verbraucher bedeutet das: Die Entlastung senkt die Belastung zwar messbar, beseitigt aber weder den Einfluss internationaler Öl- und Produktpreise noch den Abstand zu günstigeren europäischen Märkten.

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