Tankrabatt, Kraftstoffpreise

Tankrabatt: DIW sieht nur zwei Drittel der 16,7 Cent weitergegeben

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 14:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Zwei Wochen nach Beginn der Steuersenkung sehen DIW, Ifo und Bundeskartellamt LĂŒcken bei der Weitergabe an Autofahrer. Die Mineralölbranche verweist dagegen auf gestiegene internationale Produktpreise.

Preisunterschiede bei Benzin und Diesel

  • Der DIW-Forscher Tomaso Duso beziffert die Weitergabe zunĂ€chst auf rund zwei Drittel der Steuersenkung von 16,7 Cent.
  • Das Ifo errechnet fĂŒr den Zeitraum vom 7. bis 13. Oktober 13 Cent bei E10, 14,7 Cent bei E5 und 13,5 Cent bei Diesel.
  • Am Mittwoch kostete E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,146 Euro je Liter, Diesel 2,255 Euro.
Der Tankrabatt ist seit zwei Wochen in Kraft. (Symbolbild) - Bild: Sina Schuldt/dpa

Steuersenkung erreicht Autofahrer nicht vollstÀndig

Zwei Wochen nach dem Start des Tankrabatts kommt die Steuersenkung nach EinschĂ€tzung von Wirtschaftswissenschaftlern nicht vollstĂ€ndig bei den Verbrauchern an. Berechnungen von DIW und Ifo sowie Auswertungen des Bundeskartellamts zeigen LĂŒcken bei der Weitergabe, wĂ€hrend die Mineralölbranche die Kritik zurĂŒckweist.

DIW sieht Weitergabe von zwei Dritteln

DIW-Forscher Tomaso Duso kommt zu dem Ergebnis, dass bislang rund zwei Drittel der Steuersenkung von 16,7 Cent je Liter bei den Verbrauchern angekommen sind. Seit dem 1. Oktober seien die Preise in Deutschland durchschnittlich um 10 bis 11 Cent je Liter stÀrker gefallen als in Frankreich, wo es keinen Rabatt gibt.

Seit dem 8. Oktober habe die Weitergabe im Schnitt nur noch bei 9 Cent gelegen, sagte Duso. Zugleich wies er darauf hin, dass das Ergebnis vom Vergleichstag abhÀnge: Bei einem Vergleich mit dem 27. September statt dem 30. September liege die Weitergabe bei mehr als 80 Prozent.

Ifo ermittelt Unterschiede nach Kraftstoff

Das Ifo-Institut errechnet fĂŒr den Zeitraum vom 7. bis 13. Oktober bei E10 eine Weitergabe von 13 Cent je Liter, bei E5 von 14,7 Cent und bei Diesel von 13,5 Cent. Damit blieb auch nach dieser Berechnung eine LĂŒcke zum Steuernachlass von 16,7 Cent.

Besonders am vergangenen Wochenende stellten die MĂŒnchner Wirtschaftsforscher geringe Weitergaben fest. Der ADAC beobachtet ebenfalls eine unvollstĂ€ndige und abnehmende Weitergabe und fordert, die Steuersenkung vollstĂ€ndig an die Verbraucher weiterzugeben.

Kartellamt sieht LĂŒcken in der Lieferkette

Das Bundeskartellamt sieht die Defizite bereits bei Raffinerien und im Großhandel. Die Weitergabe erfolge dort zwar weitgehend, aber nicht vollstĂ€ndig, sagte PrĂ€sident Andreas Mundt. Bei Benzin sei die LĂŒcke etwas grĂ¶ĂŸer als bei Diesel; fĂŒr eine umfassende Bewertung sei es noch zu frĂŒh.

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie en2x widerspricht. Ein Sprecher erklĂ€rte, die Mitgliedsunternehmen gĂ€ben die Steuersenkung an Markentankstellen vollstĂ€ndig weiter. Der internationale Produktpreis fĂŒr Super E10 sei seit dem 30. September um rund 5 Cent je Liter gestiegen.

Deutschland bleibt im EU-Vergleich teuer

Nach Daten der EU-Kommission war E10 am Montag trotz Tankrabatt der vierthöchste Durchschnittspreis in der EuropÀischen Union. Diesel lag auf Rang sechs. Ende September hatte Deutschland bei E10 noch den dritthöchsten und bei Diesel den vierthöchsten Preis verzeichnet.

Der Tankrabatt soll die Energiesteuer fĂŒr Kraftstoffe vorĂŒbergehend senken und dadurch Autofahrer unmittelbar entlasten. In der vorliegenden Meldung betrĂ€gt der Nachlass 16,7 Cent je Liter; die vorliegenden Berechnungen von DIW und Ifo zeigen jedoch, dass dieser Betrag im Beobachtungszeitraum nicht vollstĂ€ndig im Endpreis ankam.

FĂŒr die Bewertung ist der Vergleichsmaßstab entscheidend. Tomaso Duso vom DIW verweist darauf, dass das Ergebnis je nach gewĂ€hltem Ausgangstag deutlich variiert. Das Ifo unterscheidet zudem zwischen E10, E5 und Diesel und kommt auf unterschiedliche Weitergabewerte. Damit können Rohstoffkosten, internationale Produktpreise und tĂ€gliche Preisschwankungen die Wirkung an der ZapfsĂ€ule ĂŒberlagern.

Preiswirkung bleibt begrenzt

Die Entlastung ist trotzdem sichtbar: Deutschland rĂŒckte im europĂ€ischen Vergleich bei E10 und Diesel gegenĂŒber Ende September jeweils von einem noch höheren Preisrang ab. Zugleich blieben die Kraftstoffpreise mit Rabatt im EU-Vergleich hoch. FĂŒr Verbraucher bedeutet das, dass der staatliche Nachlass zwar einen Teil der Belastung abfedert, die tatsĂ€chliche Ersparnis aber vom Kraftstoff, vom Tankzeitpunkt und der Entwicklung auf den internationalen MĂ€rkten abhĂ€ngt.

Politisch steht damit weniger die Existenz des Rabatts als seine Weitergabe im Mittelpunkt. Das Bundeskartellamt beobachtet die Preisbildung entlang der Lieferkette weiter; eine abschließende Bewertung soll erst möglich sein, wenn mehr Daten vorliegen. Der Streit zwischen WirtschaftsverbĂ€nden und Forschern dĂŒrfte deshalb anhalten, solange sich Marktpreise und Steuerentlastung nicht eindeutig voneinander trennen lassen.

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