Tankrabatt startet am Donnerstag: So bekommen Autofahrer den günstigsten Sprit
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer neue Tankrabatt startet in der Nacht zum Donnerstag und soll Benzin und Diesel für drei Monate rechnerisch um 16,7 Cent je Liter verbilligen.
Steuerrabatt gilt ab Mitternacht
Die Energiesteuer sinkt ab 0.00 Uhr um 14,04 Cent je Liter. Weil dadurch zugleich weniger Mehrwertsteuer anfällt, ergibt sich insgesamt ein Nachlass von 16,7 Cent.
Die Regelung greift nicht unmittelbar beim Verkauf an der Zapfsäule, sondern für Kraftstoff, der nach Mitternacht aus Tanklagern oder Raffinerien ausgeliefert wird. Tankstellen müssen den Vorteil nicht vollständig weitergeben.
Frühstart bringt keinen Vorteil
Ein Tanken direkt nach Mitternacht garantiert deshalb nicht den niedrigsten Preis. Nach der sogenannten 12-Uhr-Regel dürfen die Preise bis zum Mittag nicht steigen, sondern nur sinken.
In der Regel sind die Preise am späten Vormittag besonders niedrig. Wegen der erwarteten Nachfrage kann es jedoch zu Schlangen kommen; wer erst nach 12 Uhr tankt, muss häufig mit deutlich höheren Preisen rechnen.
Preisvergleich kann sich lohnen
Wer nicht dringend tanken muss, kann den Startandrang umgehen. Nach den bisherigen Tankrabatten 2022 und in den Monaten Mai und Juni waren die Preise in den Tagen nach dem Beginn allerdings wieder gestiegen.
Ein Vergleich lohnt sich besonders in größeren Städten. Die Unterschiede zwischen Tankstellen können dort schnell mehr als zehn Cent pro Liter betragen und damit einen großen Teil des Steuervorteils ausmachen.
Weitergabe bleibt umstritten
Ob der Rabatt vollständig bei den Kunden ankommt, ist umstritten. Ifo-Institut, Monopolkommission und Bundeskartellamt hatten bei früheren Maßnahmen nur eine unvollständige Weitergabe festgestellt; die Mineralölwirtschaft weist diese Einschätzung zurück.
Die Messung wird zusätzlich dadurch erschwert, dass sich Spritpreise wegen Rohölkursen, Raffinerien, Transporten und regionaler Nachfrage laufend verändern.
Kein Preisniveau wie vor dem Krieg
Eine Rückkehr zu den Preisen vor dem Krieg ist trotz des Rabatts nicht zu erwarten. Vor dem Kriegsausbruch kostete Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,78 Euro je Liter, Diesel 1,75 Euro.
Zuletzt lagen die Vergleichswerte bei 2,28 Euro für E10 und 2,43 Euro für Diesel. Ein Absinken unter zwei Euro gilt daher ohne grundlegende Entspannung an den Öl- und Kraftstoffmärkten als unwahrscheinlich.
Staat trägt Milliardenkosten
Die Bundesregierung rechnet mit 2,485 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen. Die Hälfte dieser Belastung sollen die Länder übernehmen; der Bund will ihnen dafür weniger Umsatzsteuereinnahmen als üblich überlassen.
Der Rabatt gilt bis Ende Dezember. Wegen der Belieferungsregel kann es zum Start zu erhöhtem Andrang kommen, flächendeckende Engpässe sind nach den Erfahrungen früherer Rabattaktionen jedoch nicht zu erwarten.
Steuerentlastung trifft auf Weltmarktkrise
Der Tankrabatt fällt in eine außergewöhnliche Marktphase. Der Krieg mit Iran und die eingeschränkte Schifffahrt durch die Straße von Hormus haben den internationalen Ölhandel belastet. Über diese Route wird normalerweise ein erheblicher Anteil des weltweit gehandelten Öls transportiert; steigende Rohölpreise schlagen deshalb mit Verzögerung auf die deutschen Tankstellen durch.
Die Steuersenkung kann den Preisauftrieb dämpfen, beseitigt aber nicht die Ursachen der hohen Kosten. Neben dem Rohölpreis wirken sich Raffineriekapazitäten, Transportwege, Wechselkurse und regionale Lieferprobleme auf den Endpreis aus. Eine Entspannung im Nahen Osten könnte den Ölmarkt entlasten; eine weitere Eskalation würde den Steuervorteil dagegen schnell überlagern.
Entlastung ohne Preisgarantie
Für Autofahrer bedeutet das: Die rechnerische Entlastung von 16,7 Cent pro Liter ist kein fest zugesicherter Preisnachlass an jeder Zapfsäule. Entscheidend bleiben der Zeitpunkt der Belieferung, die regionale Konkurrenz und die Preisbewegungen am Markt. Wer flexibel ist, kann durch einen Preisvergleich größere Unterschiede erzielen als durch das Warten auf eine bestimmte Tankstelle.
Politisch bleibt die Maßnahme umstritten, weil sie alle Autofahrer erreicht und damit nicht nach Einkommen oder tatsächlicher Belastung unterscheidet. Zugleich tragen Bund und Länder erhebliche Einnahmeausfälle. Für Pendler, Lieferdienste und Speditionen kann der Rabatt kurzfristig spürbar sein; dauerhaft löst er weder die geopolitischen Risiken noch die strukturellen Kosten des Verkehrs.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Merkur: „2,5 Milliarden Euro Tankrabatt – doch wie viel davon kommt wirklich bei Ihnen an?“ (28.09.2026)
Der Bericht hebe hervor, der Staat verzichte auf rund 2,5 Milliarden Euro Steuereinnahmen, eine vollständige Weitergabe der rechnerischen 17 Cent an der Zapfsäule sei aber nicht garantiert. Damit bestätige er den Kern der dpa-Meldung und setze den Schwerpunkt auf die Lücke zwischen staatlicher Entlastung und tatsächlichem Verbraucherpreis.
MDR: „17 Cent runter – was bringt der Tankrabatt?“ (28.09.2026)
Der Beitrag ordne den Tankrabatt als Reaktion auf Rekordpreise ein und berichte, die Maßnahme gelte vom 1. Oktober bis zum Jahresende. Anders als die dpa-Meldung stelle er stärker die soziale Verteilung, die Kritik am Gießkannenprinzip und mögliche Alternativen wie einen Tankpreisdeckel in den Mittelpunkt.
Beide Berichte bestätigten Beginn, Größenordnung und Befristung der Entlastung. Unterschiedlich gewichtet würden vor allem die Preisweitergabe und die politische Zielgenauigkeit; offen bleibe, wie stark die weltweiten Ölmarktbewegungen den tatsächlichen Vorteil an den Tankstellen beeinflussten.
