Tarifkonflikt: WDR-Abschluss spaltet Gewerkschaften, Streiks weiten sich aus
13.06.2026 - 00:08:17 | boerse-global.de
Während ein Abschluss beim WDR für Ärger sorgt, legen Beschäftigte im Einzelhandel und bei Arla Foods die Arbeit nieder. Parallel laufen Schlichtungen und neue Verhandlungen an.
Umstrittener Abschluss beim WDR
Am 10. Juni einigten sich der WDR und die Gewerkschaft VRFF auf einen neuen Tarifvertrag. Die Laufzeit beträgt 35 Monate. Rückwirkend zum 1. Februar 2026 steigen die Vergütungen um 1,23 Prozent. Ab Februar 2027 folgen 2,0 Prozent. Für 2028 sind mindestens 1,0 Prozent vorgesehen – unter bestimmten Bedingungen bis zu 1,5 Prozent. Die maximale Gesamterhöhung liegt bei 5,73 Prozent.
Während Gewerkschaften über neue Entgeltstrukturen verhandeln, müssen die grundlegenden Rahmenbedingungen in jedem Betrieb stimmen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie rechtssichere Arbeitsverträge erstellen und teure Bußgelder durch veraltete Klauseln sicher vermeiden. 19 sofort einsetzbare Muster-Formulierungen entdecken
Der Abschluss stößt bei anderen Gewerkschaften auf harte Kritik. ver.di, der DJV und Unisono sprechen von einem Alleingang. ver.di bezeichnet die Einigung als Störmanöver und hält an der Forderung von 7 Prozent mehr Gehalt für die ARD-Anstalten fest. Die Verhandlungen beim NDR und BR wurden am 11. Juni fortgesetzt. Termine für den SWR (30. Juni) und eine weitere Runde beim WDR (1. Juli) stehen bereits.
Schlichtung im Nahverkehr, neue Forderungen bei Discover
Im öffentlichen Nahverkehr in Niedersachsen und Bremen zeichnet sich eine Lösung ab. Am 11. Juni benannten die Konfliktparteien Schlichter für die rund 4.550 Beschäftigten. ver.di nominierte Bodo Ramelow, die Arbeitgeberseite Stephan Rolfes. Im Kern geht es um Entlastungen bei der Wochenarbeitszeit, höhere Zuschläge und mehr Urlaubstage.
Parallel fordert die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) die Wiederaufnahme der Tarifgespräche bei Discover Airlines. Die Gewerkschaft kritisiert einen zuvor mit ver.di geschlossenen Vertrag als unzureichend. Sie verlangt Verbesserungen bei der Altersversorgung, der Vergütung und den Teilzeitregelungen.
Warnstreiks im Textileinzelhandel und bei Arla
Heute weiteten sich die Arbeitskampfmaßnahmen aus. In Niedersachsen und Bremen rief ver.di die Beschäftigten des Textileinzelhandels zum Streik. Das Arbeitgeberangebot von 2 Prozent für das laufende Jahr lehnte die Gewerkschaft als zu gering ab. Sie fordert 7 Prozent mehr Tabellenentgelte und einen Mindeststundenlohn von 14,90 Euro. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 6. Juli in Hannover angesetzt.
Ebenfalls heute legten rund 600 Produktionsmitarbeiter des Molkereikonzerns Arla Foods am Standort Pronsfeld die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft NGG begründet den Warnstreik mit dem Angebot von 2,3 Prozent. Die Arbeitnehmerseite verlangt 6,5 Prozent, mindestens jedoch 275 Euro.
Bilanz der Frühjahrslohnrunde: Kaufkraftverlust bleibt
Die bisherige Bilanz der Frühjahrslohnrunde 2026 fällt gemischt aus. In der Bau- und Holzindustrie erzielten die Gewerkschaften durchschnittliche Steigerungen von 3,5 Prozent. Viele Abschlüsse liegen jedoch unter der Inflationsrate – etwa in der Chemieindustrie mit 1,8 Prozent plus Einmalzahlungen. Ein Großteil der Vereinbarungen gleicht die Preissteigerungen nicht vollständig aus.
Ob Arbeitszeit oder Lohngestaltung – viele Arbeitnehmervertreter schöpfen ihre gesetzlichen Möglichkeiten in Verhandlungen nicht voll aus. Erfahren Sie in diesem Gratis-E-Book, wie Sie das Herzstück der Mitbestimmung nach § 87 BetrVG gezielt für Ihre Ziele einsetzen. Kostenlosen Ratgeber zum Betriebsverfassungsgesetz sichern
Betriebsräte rüsten sich für Verhandlungen
Vor dem Hintergrund abgeschlossener oder laufender Betriebsratswahlen rückt die Weiterbildung der Arbeitnehmervertreter in den Fokus. Die IG Metall Aschaffenburg kündigte für den 24. Juni einen Empfang für Betriebsräte an. Im Mittelpunkt stehen Bildungsangebote für neu- und wiedergewählte Mitglieder. Ziel ist es, die Gremien für anstehende Verhandlungen über Arbeitszeiten und Entgeltstrukturen fachlich zu stärken.
