Tarifkonflikte, LohnlĂŒcke

Tarifkonflikte: LohnlĂŒcke Ost-West in ErnĂ€hrung bei 30 Prozent

Veröffentlicht am: 15.07.2026 um 20:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gerichte stÀrken Urlaubsanspruch bei Erwerbsminderung, wÀhrend die geplante Elterngeldreform und Arbeitszeitflexibilisierung kontrovers diskutiert werden.

Arbeitsmarkt 2026: Neue Urlaubs- und Arbeitszeitregeln im Überblick
Eine vielfĂ€ltige Gruppe von Menschen, darunter Familien, die einen sonnigen Urlaub geniessen, mit angedeuteten Symbolen fĂŒr finanzielle UnterstĂŒtzung und rechtlichen Schutz. Illustration mit AI erstellt.

Gerichte und Gesetzgeber treiben die Flexibilisierung voran – doch nicht alle Neuerungen sind vorteilhaft.

Urlaub trotz Krankheit: Gerichte stÀrken Arbeitnehmer

Wer befristet Erwerbsminderungsrente bezieht, verliert seinen Urlaubsanspruch nicht. Das Bundesarbeitsgericht und das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein haben klargestellt: Der gesetzliche Mindesturlaub darf in diesen FĂ€llen nicht gekĂŒrzt werden. FĂŒr schwerbehinderte Menschen bleibt zudem der Zusatzurlaub bestehen – sofern sie eine 5-Tage-Woche arbeiten.

Parallel dazu locken 12 von 16 BundeslĂ€ndern mit ZuschĂŒssen fĂŒr den Urlaub von BĂŒrgergeld-Beziehern. Die Fördersummen variieren stark: In Niedersachsen gibt es bis zu 15 Euro pro Übernachtung plus ZuschlĂ€ge, andere Programme zahlen bis zu 40 Euro Urlaubsgeld pro Tag. Voraussetzung: Die Abwesenheit darf 21 Tage nicht ĂŒberschreiten, und das Jobcenter muss zustimmen.

Samenspende: Solo-MĂŒtter erhalten Unterhaltsvorschuss

Das Verwaltungsgericht Bremen hat einen Paukenschlag gelandet. Vier Solo-MĂŒtter, deren Kinder durch Samenspende gezeugt wurden, haben Anspruch auf Unterhaltsvorschuss. Das Gericht stĂŒtzt sich auf das Samenspenderregistergesetz von 2018, das die AnonymitĂ€t von Spendern aufgehoben hat. Damit kippt die bisherige Praxis, die auf einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2013 beruhte.

Elterngeld-Reform: Ataman warnt vor Diskriminierung

Die geplante Elterngeldreform von Familienministerin Prien sorgt fĂŒr ZĂŒndstoff. Sie sieht vor, die Bezugsdauer von 14 auf 12 Monate zu verkĂŒrzen – die volle Dauer gibt es nur, wenn beide Elternteile mindestens drei Monate Elternzeit nehmen. Die Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman warnt: „Das benachteiligt Familien, in denen ein Partner die Hauptverantwortung trĂ€gt." Sie fordert, familiĂ€re FĂŒrsorge als Schutzgrund ins Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) aufzunehmen.

Eine aktuelle Studie untermauert die Kritik: 30 Prozent der VĂ€ter und 24 Prozent der MĂŒtter berichten von negativen Reaktionen ihres Arbeitgebers auf angekĂŒndigte Elternzeiten.

LohnkÀmpfe: 30 Prozent Differenz zwischen Ost und West

Die Tariflandschaft bleibt unruhig. WĂ€hrend der Passauer Wolf die Entgelte zum 1. Juli um 3,5 Prozent erhöhte, gĂ€rt es in der ErnĂ€hrungswirtschaft Ost. Die Gewerkschaft NGG fordert eine Angleichung an das Westniveau – die Differenz betrĂ€gt lokal bis zu 30 Prozent. Die sechste Verhandlungsrunde war fĂŒr den 15. Juli angesetzt.

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Im öffentlichen Dienst gibt es eine kreative Neuerung: BeschĂ€ftigte können bis zum 1. September schriftlich erklĂ€ren, ob sie einen Teil ihrer Jahressonderzahlung in bis zu drei freie Tage fĂŒr 2027 umwandeln möchten. Ein freier Tag entspricht etwa 5,4 Prozent der Sonderzahlung.

Arbeitszeit: Merz plant Flexibilisierung – Gewerkschaften warnen

Kanzler Merz hat einen Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Bas fĂŒr den Herbst angekĂŒndigt. FĂŒr nicht tarifgebundene Unternehmen soll eine wöchentliche statt einer tĂ€glichen Höchstarbeitszeit gelten. Die Gewerkschaften reagieren allergisch: Sie befĂŒrchten eine Aufweichung des Achtstundentags.

Krankenkasse: Teilkrankschreibung kommt – Zuzahlungen steigen

Das am 10. Juli beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz bringt ab 2027 die Teilkrankschreibung. Bei Erkrankungen von mehr als vier Wochen können Ärzte eine ArbeitsunfĂ€higkeit in Abstufungen von 25, 50 oder 75 Prozent bescheinigen. Gleichzeitig steigen die Zuzahlungen fĂŒr Medikamente auf 7,50 bis 15 Euro. Ab 2028 entfĂ€llt zudem die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern weitgehend.

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Steuerreform: Nettoverluste trotz Entlastung

Die geplanten Steuerreformen und steigenden Sozialabgaben hinterlassen bei vielen Arbeitnehmern ein Minus unterm Strich. Der Finanzwissenschaftler Frank Hechtner hat berechnet: Die BeitrĂ€ge zur Rentenversicherung klettern bis 2028 auf 19,9 Prozent – das frisst die steuerlichen Entlastungen auf. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) beziffert die Kosten der Reform auf rund 10 Milliarden Euro und merkt an: Ein vollstĂ€ndiger Inflationsausgleich wĂ€re deutlich teurer gewesen. Die Lohnquote erreichte 2025 bereits einen Rekordwert von 75 Prozent, wĂ€hrend die Gewinnquote der Unternehmen auf ein Tief von 25 Prozent sank.

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