Tarifverhandlungen Einzelhandel: ver.di fordert 14,90 Euro Mindestlohn
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 09:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Vorfeld der anstehenden Tarifverhandlungen für den Einzelhandel in Hessen am 24. August und in Nordrhein-Westfalen am 26. August hat die Gewerkschaft ver.di eine Verschärfung der Arbeitskampfmaßnahmen angekündigt.
Die Arbeitnehmervertreter fordern für die Beschäftigten der Branche eine deutliche Anhebung der Entgelte, um den Reallohnverlusten der vergangenen Jahre entgegenzuwirken und einen größeren Abstand zum gesetzlichen Mindestlohn sicherzustellen.
Forderungskatalog und Kritik an der aktuellen Lohnstruktur
Die Gewerkschaft ver.di zieht mit der Forderung nach einer tabellenwirksamen Entgelterhöhung von 7 % in die kommenden Verhandlungsrunden. Ein zentraler Kernpunkt der Verhandlungen ist die Etablierung eines sogenannten rentenfesten Mindeststundenentgelts. Dieses soll für Beschäftigte mit abgeschlossener Berufsausbildung im Einzelhandel mindestens 14,90 Euro betragen.
Hintergrund dieser Forderung ist die Kritik der Gewerkschaft an der aktuellen Vergütungssituation. In einigen Tarifbezirken erhielten qualifizierte Kräfte mit Berufsausbildung derzeit lediglich den gesetzlichen Mindestlohn, der seit Januar 2026 bei 13,90 Euro liegt.
Silke Zimmer von ver.di bezeichnete das Verhalten der Arbeitgeber, die einen Abschluss bislang verweigerten, als respektlos gegenüber den Mitarbeitern.
Die Gewerkschaft verwies zudem darauf, dass Branchenakteure wie Lidl und Aldi bereits Vergütungen oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns zahlen würden. In Nordrhein-Westfalen beläuft sich das Bruttogehalt eines Kaufmanns im Einzelhandel ab dem sechsten Berufsjahr derzeit auf 3.219 Euro.
Arbeitgeber warnen vor wirtschaftlicher Belastung
Die Gegenseite, vertreten durch Unternehmen wie Rewe und Edeka sowie den Handelsverband Deutschland (HDE), zeigt sich angesichts der Forderungen zurückhaltend. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber sieht eine Erhöhung von 4,4 % vor.
Ein wesentlicher Streitpunkt bleibt dabei die Nähe zum gesetzlichen Mindestlohn, der nach aktuellen Planungen Anfang 2027 auf 14,60 Euro steigen soll. Kritiker der Gewerkschaftsforderungen geben zu bedenken, dass das Arbeitgeberangebot so niedrig kalkuliert sei, dass die Gehälter bald wieder vom Mindestlohn eingeholt werden könnten.
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Der HDE warnt vor den finanziellen Folgen hoher Abschlüsse für die Unternehmen. Laut Verbandsangaben schätzen derzeit 46 % der Einzelhandelsunternehmen ihre wirtschaftliche Lage als schlecht ein.
Zudem verweist der Verband auf den massiven Stellenabbau in der Branche: Seit Ende 2022 seien rund 60.000 sozialversicherungspflichtige Stellen verloren gegangen. Der HDE betont in der Debatte zudem, dass Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld als fester Bestandteil der Gesamtvergütung berücksichtigt werden müssten.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Streikankündigungen
Die Verhandlungen finden in einem volatilen wirtschaftlichen Umfeld statt. Während der Einzelhandel im Jahr 2025 einen Umsatz von 823 Mrd. Euro und einen Gewinn von 25 Mrd. Euro erwirtschaftete, was einem nominalen Zuwachs von 3,8 % (real +2,7 %) entsprach, sank die Beschäftigtenzahl zuletzt im April um 1,8 %.
Die Inflation lag im Juli bei 2,8 %, wobei für das Gesamtjahr 2026 eine Prognose von 3 % im Raum steht. Von den neuen Tarifverträgen wären etwa ein Viertel der insgesamt über 3 Mio. Beschäftigten im deutschen Einzelhandel direkt betroffen.
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In Baden-Württemberg liegen die Positionen ebenfalls weit auseinander: Dort bieten die Arbeitgeber 3,5 % bei einer Laufzeit von 24 Monaten, während ver.di ein Plus von 300 Euro bei einer Laufzeit von 12 Monaten fordert.
Um den Druck auf die Unternehmen zu erhöhen, erwägt ver.di nun, die Streiks gezielt bei Firmen wie Kaufland und Ikea zu intensivieren. Ziel sei es, insbesondere diejenigen Betriebe zu treffen, die eine Einigung in den Verhandlungen blockieren. Bereits in den Jahren 2023 bis 2025 waren die Löhne in der Branche um insgesamt 14 % gestiegen.
