IG Metall, Tarifverhandlungen

Tarifverhandlungen: IG Metall startet mit 5-Prozent-Forderung in NRW und Baden-Württemberg

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg beginnen die ersten regionalen Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie. Die IG Metall fordert 5 Prozent mehr Geld, während die Arbeitgeber vor hohen Kosten und weiterem Beschäftigungsabbau warnen.

Regionale Gespräche in der Metall- und Elektroindustrie starten. (Archivbild)  - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
Regionale Gespräche in der Metall- und Elektroindustrie starten. (Archivbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa

Die ersten regionalen Tarifverhandlungen der deutschen Metall- und Elektroindustrie beginnen am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn

Die IG Metall verlangt für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche 5 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Gewerkschaft sieht darin mindestens einen Ausgleich für die zuletzt stark gestiegene Inflation.

Die Branche umfasst unter anderem den Fahrzeug- und Maschinenbau, die Elektrotechnik sowie die Herstellung von Rüstungsgütern. In Nordrhein-Westfalen arbeiten rund 640.000 Menschen in der Metall- und Elektroindustrie, in Baden-Württemberg etwa 900.000.

Arbeitgeber verweisen auf Stellenverluste

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall sieht keinen Spielraum für eine üppige Lohnerhöhung. Er verweist auf die verschärfte Deindustrialisierung und den Verlust von Hunderttausenden Arbeitsplätzen in den vergangenen Jahren. Hohe Lohnkosten seien einer von mehreren Gründen für diese Entwicklung.

Arbeitszeit nicht Teil der Tarifrunde

In Baden-Württemberg hatte Mercedes-Benz im Vorfeld eine Diskussion über die Arbeitszeit angestoßen und eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich ins Gespräch gebracht. Die 35-Stunden-Woche ist im Manteltarifvertrag geregelt, der in der laufenden Tarifrunde nicht gekündigt wurde.

Die aktuelle Verhandlung beschränkt sich daher auf die Löhne. Die baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch forderte den regionalen Arbeitgeberverband Südwestmetall auf, zum Auftakt ein Angebot vorzulegen. Arbeitgeber-Verhandlungsführer Peter Krause verwies auf den Druck auf die Industrie und die Gefährdung industrieller Beschäftigung.

Warnstreiks ab November möglich

Die IG Metall hat sowohl in Baden-Württemberg als auch in Nordrhein-Westfalen ihre Entschlossenheit betont. Nach Angaben des NRW-Verhandlungsführers und Bezirksleiters Knut Giesler sei die Kampfbereitschaft höher als in den Jahren zuvor.

Die Friedenspflicht endet mit Ablauf des 31. Oktober. Ab dem 1. November sind damit Warnstreiks möglich.

Tarifrunde mit großer Reichweite

Die Verhandlungen betreffen einen der größten deutschen Industriebereiche. Rund 3,7 Millionen Beschäftigte arbeiten in der Metall- und Elektroindustrie, darunter in Schlüsselbranchen wie Fahrzeugbau, Maschinenbau, Elektrotechnik und Rüstung. Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg bilden dabei wichtige regionale Schwerpunkte mit zusammen etwa 1,54 Millionen Beschäftigten.

Die Gewerkschaft verbindet ihre Lohnforderung mit dem Ziel, die Kaufkraft nach den starken Preissteigerungen der vergangenen Jahre zu stabilisieren. Für Beschäftigte bedeutet das Ergebnis unmittelbar, wie stark sich Einkommen und Lebenshaltungskosten künftig zueinander verhalten. Für Unternehmen erhöht ein Abschluss zugleich die Personalkosten – besonders dort, wo Aufträge, Energiepreise und internationale Konkurrenz bereits unter Druck stehen.

Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit

Die Arbeitgeber stellen die Tarifrunde deshalb in den Zusammenhang des industriellen Strukturwandels und verweisen auf den Verlust von Arbeitsplätzen. Die Debatte über eine längere Arbeitszeit bei Mercedes-Benz zeigt, dass es nicht allein um die Höhe der Entgelte geht, sondern auch um die künftige Organisation und Kostenstruktur der Produktion. Die Arbeitszeit ist jedoch nicht Gegenstand dieser reinen Lohnrunde.

Entscheidend wird der weitere Verlauf nach dem Ende der Friedenspflicht am 31. Oktober sein. Scheitern die Gespräche, können Warnstreiks den Druck erhöhen und Lieferketten in besonders eng verzahnten Branchen belasten. Für Verbraucher, Beschäftigte und Zulieferer ist daher nicht nur der prozentuale Abschluss relevant, sondern auch, ob die Tarifparteien einen Kompromiss finden, der Kaufkraft stärkt und industrielle Beschäftigung absichert.

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