Zukunftsaussichten von 80.000 Bosch-Mitarbeitern gesichert
04.07.2023 - 16:52:07Der Autozulieferer Bosch und Arbeitnehmervertreter haben sich geeinigt, wie sie den Wandel hin zur ElektromobilitĂ€t in Zukunft gestalten wollen. Einer der Kernpunkte der Vereinbarung ist der Ausschluss betriebsbedingter Entlassungen bis Ende 2027. Davon seien knapp 80.000 BeschĂ€ftigte in Deutschland betroffen, teilten Unternehmen, Gesamtbetriebsrat und Gewerkschaft IG Metall am Dienstag mit. So schaffe man Planbarkeit und Sicherheit fĂŒr die BeschĂ€ftigten des Unternehmensbereichs Mobility, also der Zulieferersparte.
Die Vereinbarung regelt den Angaben zufolge auch den Austausch mit den Arbeitnehmervertretern neu. Bei strategischen Themen solle eine intensivere Beteiligung etabliert werden. Vor Standortentscheidungen sollen kĂŒnftig die BetriebsrĂ€te einbezogen werden und Alternativen einbringen können. Diese Regelung sind in einem Zukunftstarifvertrag festgehalten. Damit sichere man die ZukunftsfĂ€higkeit der deutschen Mobility-Standorte langfristig, hieĂ es.
Der Gesamtbetriebsratschef der Zuliefersparte, Frank Sell, zeigte sich mit der Einigung zufrieden: «Wir sind mit einem umfangreichen Verhandlungspaket gestartet und haben in allen Punkten sehr gute gemeinsame Ergebnisse erzielt», wird er in der Mitteilung zitiert. Die Mitarbeiter der Sparte könnten sich zunĂ€chst auf einen sicheren Arbeitsplatz freuen. «Noch wichtiger ist: Die BetriebsrĂ€te werden nun frĂŒhzeitig in strategische und wirtschaftliche Planungen eingebunden, zum Beispiel hinsichtlich der Ansiedelung von Zukunftsprodukten».
Hoffen auf Wasserstoff
Eines dieser Zukunftsprodukte könnte Wasserstoff sein. Nach frĂŒheren Angaben von Sell liegt eine Hoffnung der Bosch-Belegschaft auf diesem Thema. In einem nĂ€chsten Schritt sollen nun konkrete Zielbilder fĂŒr die einzelnen Standorte formuliert werden.
Von der Unternehmensseite wurde die Einigung als Meilenstein gelobt. Bosch-Arbeitsdirektor Stefan Grosch sagte: «Wir freuen uns, dass wir bei diesem komplexen Thema ein fĂŒr alle Seiten tragfĂ€higes Ergebnis erzielt haben.» Der MobilitĂ€tswandel verĂ€ndere das GeschĂ€ft von Bosch stark. «FĂŒr uns gilt es, leistungs- und wettbewerbsfĂ€hig zu bleiben. Dies schaffen wir nur, wenn alle an einem Strang ziehen und Verantwortung ĂŒbernehmen», sagte Grosch.
Die Bosch-BeschĂ€ftigten in Deutschland bangen bereits lĂ€nger um ihre Jobs. Der Grund dafĂŒr sind zahlreiche Transformationsprozesse. Neben dem Wandel hin zu E-MobilitĂ€t werden bei dem Automobilzulieferer auch die Entwicklung von Software und automatisierter Fahrfunktionen immer wichtiger. Viele Bosch-ArbeitsplĂ€tze hĂ€ngen aber noch vom klassischen GeschĂ€ft mit dem Verbrennungsmotor ab.
AuĂerdem zeichnet sich in der Branche ein Trend ab, die Produktion fĂŒr ElektromobilitĂ€t in Osteuropa anzusiedeln. Wegen eines geplanten Bosch-Werks in Tschechien hatte Gesamtbetriebsratschef Sell gemeinsam mit anderen Arbeitnehmervertretern im Februar gut 17.000 Mitarbeiter an neun deutschen Standorten zu einer Sonderbetriebsversammlung zusammengetrommelt. In einem fĂŒr Bosch ungewöhnlichen Schritt war er anschlieĂend vor die Presse getreten und hatte GesprĂ€che gefordert.
Die Zulieferersparte ist der gröĂte Unternehmensbereich von Bosch. Auf sie entfielen fast 60 Prozent der 88,2 Milliarden Euro, die das Unternehmen im vergangenen Jahr an Umsatz erlöste. Weltweit arbeiten mehr als die HĂ€lfte der rund 420.000 Mitarbeiter in dem Bereich.


