Tech-SouverÀnitÀt, US-Dominanz

Tech-SouverÀnitÀt: EU plant 200-Milliarden-Offensive gegen US-Dominanz

03.06.2026 - 13:28:52 | boerse-global.de

Die EU stellt ein umfassendes Tech-SouverÀnitÀtspaket vor, das US-Cloud-Anbieter bei öffentlichen AuftrÀgen benachteiligen könnte.

Tech-SouverĂ€nitĂ€t: EU plant 200-Milliarden-Offensive gegen US-Dominanz - Bild: ĂŒber boerse-global.de
Tech-SouverĂ€nitĂ€t: EU plant 200-Milliarden-Offensive gegen US-Dominanz - Bild: ĂŒber boerse-global.de

EU-Technologiekommissarin Henna Virkkunen stellte am Mittwoch ein umfassendes „Tech-SouverĂ€nitĂ€tspaket" vor, das die digitale Autonomie des Kontinents stĂ€rken soll. Hintergrund sind geschĂ€tzte Kosten von 264 Milliarden Euro jĂ€hrlich, die der europĂ€ischen Wirtschaft durch die AbhĂ€ngigkeit von US-Anbietern entstehen.

Neues Gesetz soll Cloud-Markt neu ordnen

Ein KernstĂŒck des Pakets ist der Cloud- und KI-Entwicklungsakt (Cada). Das Gesetz sieht strenge Kriterien fĂŒr Cloud-Dienste in sensiblen öffentlichen Bereichen wie Gesundheitswesen, Energie, Finanzen und Verwaltung vor. KĂŒnftig sollen AuftrĂ€ge nicht mehr allein nach dem gĂŒnstigsten Preis vergeben werden. Stattdessen soll die Nutzung europĂ€ischer Hardware und Software Vorrang erhalten.

Die geplanten Regeln könnten US-Giganten wie Amazon Web Services, Microsoft und Google faktisch von öffentlichen Ausschreibungen ausschließen. Die Kommission verweist auf das US-amerikanische Cloud-Gesetz (Cloud Act), das US-Behörden den Zugriff auf Daten dieser Unternehmen erlaubt. Ein Problem fĂŒr die europĂ€ische DatensouverĂ€nitĂ€t. Derzeit kontrollieren US-Anbieter rund 70 Prozent des europĂ€ischen Cloud-Marktes und 63 Prozent des globalen Marktes.

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UnterstĂŒtzung kommt von 13 europĂ€ischen Cloud-Organisationen, darunter OVHcloud, Nextcloud und Proton. Das Ziel der Kommission: Die RechenzentrumskapazitĂ€t der EU innerhalb von fĂŒnf bis sieben Jahren verdreifachen. Bis 2035 soll die heimische Nachfrage vollstĂ€ndig aus eigener Kraft gedeckt werden.

Milliarden fĂŒr den Technologie-Ausbau

Die EU will massive finanzielle Mittel mobilisieren, um diese Ziele zu erreichen. Die Initiative „InvestAI" soll 200 Milliarden Euro fĂŒr den Bau neuer Rechenzentren und die Entwicklung KĂŒnstlicher Intelligenz bereitstellen. Ein dringend notwendiger Schritt, denn die Rechenleistung der USA im KI-Bereich ĂŒbertrifft die der EU SchĂ€tzungen zufolge um das FĂŒnf- bis Zehnfache.

Auch die Mitgliedstaaten ziehen mit. Erst Anfang der Woche verkĂŒndete Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron beim Investitionsgipfel „Choose France" Rekordinvestitionen von insgesamt 93 Milliarden Euro. Allein der japanische Mischkonzern SoftBank will bis 2031 rund 45 Milliarden Euro in französische Rechenzentren stecken.

Überarbeitetes Chip-Gesetz und Lieferketten-Kontrolle

Das Tech-SouverĂ€nitĂ€tspaket enthĂ€lt zudem eine ĂŒberarbeitete Version des Chips Acts – inoffiziell „EU Chips Act 2.0" genannt. Die Neufassung legt einen stĂ€rkeren Fokus auf die Ankurbelung der Nachfrage und rĂ€umt der Kommission Notfallbefugnisse ein, um bei EngpĂ€ssen in die Halbleiter-Lieferketten einzugreifen.

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Die ĂŒberarbeitete Halbleiterstrategie soll Investitionen von insgesamt 120 Milliarden Euro in den Sektor anziehen. Hintergrund sind Bedenken von PrĂŒfern, dass die bisherigen Ziele – etwa ein Anteil von 20 Prozent an der globalen Halbleiter-Wertschöpfungskette bis 2030 – unter den aktuellen Bedingungen kaum erreichbar sind. Der neue Rahmen sieht vereinfachte Genehmigungsverfahren fĂŒr Rechenzentren und bevorzugten Netzzugang fĂŒr Anlagen vor, die europĂ€ische Chips nutzen.

Strategischer Schwenk zu Open Source und digitaler Sicherheit

Die dritte SĂ€ule des Pakets ist eine neue Open-Source-Strategie. Sie soll lokale Innovationen fördern und Alternativen zu proprietĂ€rer auslĂ€ndischer Software schaffen. Durch die Förderung von Open-Source-Lösungen will die Kommission ein widerstandsfĂ€higeres digitales Ökosystem aufbauen, das weniger anfĂ€llig fĂŒr externe „Kill-Schalter" oder einseitige DienstĂ€nderungen durch Anbieter außerhalb der EU ist.

Die GesetzesvorschlĂ€ge mĂŒssen nun vom EuropĂ€ischen Parlament und den Mitgliedstaaten gebilligt werden, bevor sie in Kraft treten können. BefĂŒrworter des Pakets argumentieren, dass diese Maßnahmen unerlĂ€sslich seien, damit Europa seinen Platz im internationalen Wettlauf um wirtschaftlichen und technologischen Einfluss behaupten kann.

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