GESAMT-ROUNDUP, Israel

GESAMT-ROUNDUP 3: Israel tötet Hisbollah-Kommandeur - Sorge vor neuem Krieg

20.09.2024 - 19:35:04

TEL AVIV/BEIRUT - Das israelische MilitÀr hat nach eigenen Angaben den Hisbollah-MilitÀrkommandeur Ibrahim Akil bei einem gezielten Angriff in der libanesischen Hauptstadt Beirut getötet.

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TEL AVIV/BEIRUT (dpa-AFX) - Das israelische MilitÀr hat nach eigenen Angaben den Hisbollah-MilitÀrkommandeur Ibrahim Akil bei einem gezielten Angriff in der libanesischen Hauptstadt Beirut getötet. Zuvor hatten israelische Kampfflugzeuge nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen eine der schwersten Angriffswellen seit Beginn des gegenseitigen Beschusses im Oktober vergangenen Jahres geflogen. Zugleich registrierte die israelische Armee 200 Geschosse, die aus dem Libanon auf Nordisrael abgefeuert wurden.

Ibrahim Akil sei tot, teilte Israels Armeesprecher Daniel Hagari mit. Die Hisbollah Ă€ußerte sich dazu zunĂ€chst nicht. Akil gehört zu den GrĂŒndungsmitgliedern der Hisbollah und wirkte insbesondere im militĂ€rischen FlĂŒgel der schiitischen Organisation. Medienberichten zufolge war er der MilitĂ€rkommandeur der Hisbollah und damit der Nachfolger des am 30. August ebenfalls von Israel getöteten Fuad Schukr. Die USA hatten auf Akil ein Kopfgeld in Höhe von sieben Millionen Dollar (rund 6,27 Millionen Euro) ausgesetzt. Bei dem Angriff wurden demnach noch weitere Mitglieder der Hisbollah-Elitetruppe Radwan getötet.

Bei dem Angriff in dem dicht besiedelten Vorort der Hauptstadt kamen nach libanesischen Angaben mindestens zwölf Menschen ums Leben. Mindestens 66 weitere wurden verletzt. Auf Videos in sozialen Medien waren verheerende Szenen in dem sĂŒdlichen Vorort Beiruts zu sehen, mit beschĂ€digten HĂ€userfassaden und zerstörten Autos. Das Gebiet gilt als Hochburg der Hisbollah.

Sorge vor umfassendem Krieg und FlÀchenbrand wÀchst

Trotz weltweiter Aufrufe zur ZurĂŒckhaltung setzen Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz ihre gegenseitigen Angriffe fort. Damit wĂ€chst die Sorge, dass die KĂ€mpfe sich zu einem umfassenden Krieg sowie zu einem regionalen FlĂ€chenbrand ausweiten könnten.

Dennoch hĂ€lt es die US-Regierung fĂŒr möglich, einen Krieg zwischen beiden Seiten abzuwenden. "Wir glauben immer noch, dass es Zeit und Raum fĂŒr eine diplomatische Lösung gibt, und wir halten dies fĂŒr den besten Weg", sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby. Ein Krieg an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon sei "nicht unvermeidlich, und wir werden weiterhin alles tun, was wir können, um ihn zu verhindern".

Israel und Hisbollah setzen Beschuss fort

Vor dem mutmaßlichen Luftangriff auf den Hisbollah-Kommandeur Akil hatten Kampfflugzeuge rund 100 Raketenabschussrampen der proiranischen Miliz bombardiert, wie das israelische MilitĂ€r mitteilte. Libanesische Sicherheitskreise sprachen von einer der schwersten Angriffswellen seit Beginn des gegenseitigen Beschusses im Oktober vergangenen Jahres.

Aus dem Libanon wurden nach israelischen MilitĂ€rangaben erneut zahlreiche Raketen auf den Norden Israels abgefeuert. Die Armee registrierte eigenen Angaben zufolge rund 200 Geschosse. Israelischen Medien zufolge brachen durch den Beschuss BrĂ€nde aus. Berichte ĂŒber Verletzte gab es zunĂ€chst nicht. Anwohner in zahlreichen Orten im Norden Israels sind dazu aufgerufen, in der NĂ€he von SchutzrĂ€umen zu bleiben.

Sorge vor israelischer Bodenoffensive wÀchst

Israel versucht seit Wochen, die Hisbollah-Miliz zu schwĂ€chen. Dazu gehören gezielte Angriffe auf das FĂŒhrungspersonal, Infrastruktur, Raketenwerfer und LagerhĂ€user. Mit diplomatischem und zunehmendem militĂ€rischem Druck möchte Israel erreichen, dass die Hisbollah sich aus dem Grenzgebiet zurĂŒckzieht, so wie es eine UN-Resolution vorschreibt. Sobald die grenznahe Region wieder sicher ist, sollen 60.000 geflĂŒchtete Israelis in ihre HĂ€user und Wohnungen zurĂŒckkehren.

Hisbollah: Beschuss Israels bis zum Ende des Gaza-Kriegs

Hisbollah-GeneralsekretĂ€r Hassan Nasrallah kĂŒndigte in einer landesweit ĂŒbertragenen Rede am Donnerstag an, den Beschuss Nordisraels fortzusetzen. Israel könne erst dann wieder Menschen in Sicherheit in den Norden zurĂŒckkehren lassen, wenn der Krieg im Gazastreifen gestoppt werde. Die Hisbollah handelt nach eigener Darstellung aus SolidaritĂ€t mit der islamistischen Hamas in dem KĂŒstengebiet. Beide Gruppen werden von der Islamischen Republik Iran unterstĂŒtzt, deren StaatsfĂŒhrung Israel als Erzfeind betrachtet.

Zugleich beschuldigte Nasrallah Israel, fĂŒr die Explosionen von Pagern und HandfunkgerĂ€ten verantwortlich zu sein. Der Hisbollah-Chef sprach von einer KriegserklĂ€rung und kĂŒndigte Vergeltung an. Mindestens 37 Menschen kamen nach Behördenangaben am Dienstag und Mittwoch bei den Explosionen der manipulierten GerĂ€te ums Leben. Rund 3.000 weitere wurden demnach verletzt. Israel hat sich bislang nicht öffentlich zu den Angriffen bekannt.

Israels Verteidigungsminister: Hisbollah zahlt wachsenden Preis

Israels Verteidigungsminister Joav Galant kĂŒndigte an, Israel werde die Angriffe auf die Hisbollah fortsetzen. "Die Serie unserer MilitĂ€raktionen wird weitergehen", sagte er. "Mit der Zeit wird die Hisbollah einen wachsenden Preis zahlen."

Der fast tÀgliche gegenseitige Beschuss hat sich zu einem niedrigschwelligen Krieg entwickelt. Im Libanon wurden nach amtlichen Angaben bereits etwa 600 Menschen getötet, die meisten davon Hisbollah-Mitglieder. In Israel kamen nach offiziellen Angaben zufolge 48 Menschen durch die Angriffe der proiranischen Miliz ums Leben, darunter Soldaten, aber auch viele Zivilisten.

Bericht: Keine Einigung bei Gaza-Verhandlungen in Sicht

Da die Hisbollah ihren Beschuss Israels mit dem Gaza-Krieg verknĂŒpft, bemĂŒhen sich internationale Vermittler um eine Feuerpause. Die Verhandlungen, bei denen die USA, Ägypten und Katar zwischen Israel und der Hamas vermitteln, drehen sich jedoch seit Monaten im Kreis.

Ranghohe US-Beamte rÀumten inzwischen in privaten GesprÀchen ein, dass sie wÀhrend der Amtszeit von US-PrÀsident Joe Biden, die im Januar enden wird, keine Einigung zwischen Israel und Hamas mehr erwarten, berichtete das "Wall Street Journal". "Eine Einigung steht nicht unmittelbar bevor", sagte einer der US-Beamten. "Ich bin mir nicht sicher, ob es je zustande kommt."

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