Neue Erkenntnisse zu Hamas-Tunneln vorgelegt - Die Nacht im Ăberblick
21.12.2023 - 07:20:03(Neu: Weitere Details, neue Aufmachung)
TEL AVIV/GAZA (dpa-AFX) - Das israelische MilitĂ€r hat neue Erkenntnisse zum weitreichenden Tunnelsystem der islamistischen Hamas im nördlichen Gazastreifen veröffentlicht. Eine entscheidende Rolle spiele der PalĂ€stina-Platz im Zentrum der Stadt Gaza, teilte die Armee am Mittwoch mit. Von dort sollen "BĂŒros und Wohnungen der politischen sowie militĂ€rischen Hamas-FĂŒhrung" unterirdisch erreichbar gewesen sein. Die Angaben waren zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig zu ĂŒberprĂŒfen. Am Sonntag hatte die Armee bereits die Freilegung eines Tunnelnetzes im Norden bekannt gegeben.
Nach der Ăbernahme eines Gebiets in der Stadt Gaza seien weitere Details der "strategischen Tunnelroute" aufgedeckt worden, hieĂ es am Mittwoch. Neben Treppen ermöglichten demnach auch AufzĂŒge den Abstieg in das unterirdische System. In einigen FĂ€llen seien Lebensmittel, Wasser- und elektrische Infrastrukturen gefunden worden. "Auf diese Weise konnten Hamas-Terroristen sowohl fliehen als auch fĂŒr lĂ€ngere Zeit in ihren Verstecken bleiben", hieĂ es.
Das Tunnelnetz soll den Angaben nach von den hochrangigen FunktionĂ€ren der Organisation, Ismail Hanija, Jihia Sinwar, Mohammed Deif und anderen, genutzt worden sein, "um die operativen AktivitĂ€ten der Hamas zu steuern". Auch diese Angaben lieĂen sich nicht unabhĂ€ngig prĂŒfen.
Netanjahu: "Wir setzen den Krieg bis zum Ende fort"
WĂ€hrend die internationale Kritik am Gaza-Krieg angesichts der zahlreichen zivilen Opfer immer weiter zunimmt, schlieĂt Israels Regierungschef ein baldiges Ende der MilitĂ€roffensive gegen die Hamas aus. "Wir setzen den Krieg bis zum Ende fort. Er wird weitergehen, bis die Hamas beseitigt ist - bis zum Sieg", sagte Benjamin Netanjahu in einer Videobotschaft am Mittwoch.
US-AuĂenminister Antony Blinken forderte unterdessen "gezieltere" militĂ€rische Operationen. "Wir erwarten und wollen eine Verlagerung zu gezielteren Operationen mit einer geringeren Anzahl von KrĂ€ften sehen, die sich wirklich auf die FĂŒhrung der Hamas, das Tunnelnetzwerk (...) konzentrieren", sagte Blinken in Washington. So werde auch die Zahl der zivilen Opfer im Gazastreifen zurĂŒckgehen.
Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel verĂŒbt hatten. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und begann Ende Oktober mit einer Bodenoffensive. Angesichts der katastrophalen humanitĂ€ren Lage in dem abgeriegelten KĂŒstengebiet war Israel zuletzt international immer mehr unter Druck geraten. Nach Darstellung der islamistischen Hamas wurden seit Kriegsbeginn mindestens 20 000 PalĂ€stinenser im Gazastreifen getötet.
Netanjahu: "Alle Hamas-Terroristen sind dem Tod geweiht"
Der israelische MinisterprÀsident bekrÀftigte, dass das MilitÀr die Kampfhandlungen erst einstellen werde, wenn Israel seine Kriegsziele erreicht habe. "Wer glaubt, dass wir aufhören werden, ist fernab jeder RealitÀt", sagte Netanjahu. Israel werde nicht aufgeben, bis alle Ziele erreicht seien. Diese seien "die Eliminierung der Hamas, die Freilassung unserer Geiseln und die Beseitigung der Bedrohung aus dem Gazastreifen". Hamas-Terroristen hÀtten nur zwei Möglichkeiten: "Ergeben oder sterben", sagte Netanjahu weiter.
USA fordern auch internationale Reaktion auf Taten der Hamas
Angesichts der weltweiten Kritik am Vorgehen der israelischen StreitkrĂ€fte im Gazastreifen forderten die USA von der internationalen Gemeinschaft auch deutlichere Worte zum Vorgehen der islamistischen Hamas. "Was mir auffĂ€llt, ist, dass wir immer wieder hören, wie viele LĂ€nder auf ein Ende dieses Konflikts drĂ€ngen, das wir alle gerne sehen wĂŒrden", sagte US-AuĂenminister Blinken. Aber: "Ich höre praktisch niemanden, der von der Hamas verlangt, aufzuhören, sich hinter Zivilisten zu verstecken. Dass sie ihre Waffen niederlegen, dass sie sich ergeben." Der Gaza-Krieg könne nicht damit enden, dass die Hamas-Terroristen an Ort und Stelle blieben und ihre Absicht erklĂ€rten, die Angriffe vom 7. Oktober wiederholen zu wollen. "Das ist nicht im Interesse Israels. Es ist nicht im Interesse der Region. Es ist nicht im Interesse der Welt."
Huthi-AnfĂŒhrer warnt USA vor neuem Kriegsschauplatz im Roten Meer
Der AnfĂŒhrer der vom Iran unterstĂŒtzten Huthi-Milizen warnte die USA davor, das Rote Meer in einen neuen Kriegsschauplatz zu verwandeln. Wenn die USA Soldaten in den Jemen schickten, dann seien sie mit etwas schlimmerem als in Afghanistan und Vietnam konfrontiert, sagte Abdel-Malik al-Huthi. Er warnte auch weitere LĂ€nder, sich der von den USA gebildeten MilitĂ€rkoalition anzuschlieĂen. Die Huthi-Milizen kĂŒndigten an, weiter Angriffe auf Schiffe auszufĂŒhren, die entweder Israel gehörten oder Israel unterstĂŒtzten.
Der israelische Verteidigungsminister Joav Gallant warnte seinerseits die Huthi-Rebellen vor weiteren Angriffen. "Wir bereiten uns vor - die Truppen hier sind fĂŒr jede Mission und jeden Befehl bereit", sagte er. US-AuĂenminister Blinken rief in einem Telefonat mit AuĂenministerin Annalena Baerbock und seinen Amtskollegen in Frankreich und GroĂbritannien, Catherine Colonna und David Cameron, zur Zusammenarbeit unter allen Partnern auf, um die Sicherheit fĂŒr die Schifffahrt auf dem Roten Meer zu gewĂ€hrleisten.
Israels MilitÀr greift Ziele im Libanon und in Syrien an
Die israelische Luftwaffe griff nach Angaben der Armee erneut Stellungen der Schiitenmiliz Hisbollah im SĂŒdlibanon an. Es seien "Terror-Infrastruktur" sowie militĂ€rische Einrichtungen der Hisbollah getroffen worden, teilte das MilitĂ€r mit. Nach erneutem Raketenbeschuss seien zudem Ziele in Syrien angegriffen worden. Demnach wurden die Abschussorte der vier Raketen sowie ein syrischer MilitĂ€rposten beschossen.
Was am Donnerstag wichtig wird
Der UN-Sicherheitsrat will ĂŒber eine Resolution zur Linderung der humanitĂ€ren Not im Gazastreifen abstimmen. Der von den Vereinigten Arabischen Emiraten eingebrachte Text fordert unter anderem eine Aussetzung der Gewalt, um mehr humanitĂ€re Hilfslieferungen fĂŒr ĂŒber eine Million notleidende PalĂ€stinenser möglich zu machen. Die Abstimmung war bereits mehrfach verschoben worden: Die Mitglieder des 15-köpfigen Sicherheitsrates versuchen seit Tagen, ein drohendes Veto des Israel-VerbĂŒndeten USA zu verhindern.

