Pausierung von US-Waffenlieferung 'unbegreiflich'
18.06.2024 - 20:27:52(neu: Stellungnahme aus dem WeiĂen Haus)
TEL AVIV (dpa-AFX) - Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hat kritisiert, dass die US-Regierung Waffen und Munition an Israel zurĂŒckhĂ€lt. Er habe US-AuĂenminister Antony Blinken kĂŒrzlich in Israel gesagt, es sei "unbegreiflich, dass die Regierung Israel in den vergangenen Monaten Waffen und Munition vorenthalten hat", sagte Netanjahu in einer am Dienstag veröffentlichten Videoansprache. "AuĂenminister Blinken hat mir versichert, dass die Regierung Tag und Nacht daran arbeite, diese EngpĂ€sse zu beseitigen. Ich hoffe wirklich, dass dies der Fall ist."
US-AuĂenminister Antony Blinken wies die Kritik zurĂŒck. Die USA hĂ€tten sich verpflichtet, dafĂŒr zu sorgen, dass Israel ĂŒber das verfĂŒge, was es brauche, um sich gegen eine Vielzahl von Bedrohungen zu verteidigen, sagte er auf Nachfrage in Washington. Daran halte man fest. Es gebe einen Fall, den US-PrĂ€sident Joe Biden öffentlich gemacht habe, nĂ€mlich die Lieferung von 2000-Pfund-Bomben, die weiterhin ĂŒberprĂŒft werde, weil die US-Regierung Bedenken habe, dass die Bomben in einem dicht besiedelten Gebieten wie Rafah eingesetzt werden könnten. "Aber alles andere geht seinen gewohnten Gang", sagte er.
Zu Einzelheiten aus diplomatischen GesprĂ€chen werde er sich nicht Ă€uĂern, betonte Blinken. Er gab zu bedenken, dass die Bereitstellung von RĂŒstungsgĂŒtern in vielen FĂ€llen ein Prozess sei, der Jahre dauere.
Zuvor hatten Medien berichtet, dass Blinken Netanjahu signalisiert habe, in den kommenden Tagen die BeschrĂ€nkungen aufzuheben. Dies meldete auch die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf israelische Regierungskreise. Israelischen Medien zufolge hatte Netanjahu wĂ€hrend Blinkens Besuch in der vergangenen Woche beklagt, dass die USA ihre militĂ€rische UnterstĂŒtzung fĂŒr ihren VerbĂŒndeten im Krieg gegen die Hamas nahezu eingestellt habe. Die Sprecherin des WeiĂen Hauses sagte am Dienstag auf Nachfrage, es gebe nur diese eine zurĂŒckgehaltene Lieferung.
Die USA sind wichtigste Schutzmacht Israels und unterstĂŒtzen das Land jĂ€hrlich mit MilliardenbetrĂ€gen, von denen ein groĂer Teil in Raketenabwehr und andere MilitĂ€rtechnik flieĂt. US-PrĂ€sident Joe Biden hatte Israel im Mai damit gedroht, dass eine gröĂere Bodenoffensive in Rafah Konsequenzen fĂŒr US-Waffenlieferungen haben könnte.
Die US-Regierung hĂ€lt wegen Israels militĂ€rischem Vorgehen in der Stadt im SĂŒden des Gazastreifens, in die viele PalĂ€stinenser aus anderen Teilen des Gazastreifens geflĂŒchtet sind, eine Lieferung sogenannter schwerer Bomben sowie von Munition zurĂŒck. Es gibt US-Angaben zufolge aber keinen generellen Stopp von Waffenlieferungen an Israel.
Biden wolle nicht, "dass bestimmte Arten amerikanischer Waffen in einer bestimmten Art von Operation an einem bestimmten Ort eingesetzt werden", sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, angesichts der pausierten US-Lieferungen.
Israel kÀmpfe um sein Leben, gegen den Iran und andere gemeinsame Feinde, sagte Netanjahu in seiner Videoansprache weiter.

