Telekom, Aufzugsnotrufe

Telekom schaltet 2G am 30. Juni 2028 ab: Aufzugsnotrufe müssen umgestellt werden

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Telekom, Vodafone und Telefónica planen das 2G-Aus 2028; Betreiber müssen Notrufsysteme umstellen und ihre Funktion umfassend prüfen.
Innenansicht eines Aufzugsschachts mit Führungsschienen und Stahlseil in einer Industrieanlage. Illustration mit AI erstellt.

Betreiber von Aufzugsanlagen müssen ihre Notrufeinrichtungen auf modernere Übertragungsstandards umstellen, da die Mobilfunkbetreiber die Abschaltung ihrer 2G-Netze vorbereiten. Bei einem Ausfall der Notrufeinrichtung dürfen Aufzüge nach geltenden Vorschriften nicht weiter betrieben werden. Den Betreibern droht bei Untätigkeit die Stilllegung ihrer Anlagen.

Gesetzliche Vorgaben und Fahrpläne der deutschen Netzbetreiber

In Deutschland legt die Betriebssicherheitsverordnung im Anhang 1 Nummer 4.1 fest, dass im Fahrkorb eines Aufzugs ein ständig erreichbarer Notdienst zur Verfügung stehen muss. Die rechtliche Verantwortung dafür liegt ab dem Tag der jeweiligen Netzabschaltung vollständig beim Betreiber.

Die deutschen Telekommunikationsanbieter haben konkrete Zeitpläne für den Ausstieg aus der 2G-Technik vorgelegt. Bei der Telekom ist die Abschaltung voraussichtlich für den 30.06.2028 vorgesehen.

Vodafone plant das Ende des eigenen 2G-Netzes für Ende September 2028, ermöglicht jedoch für kritische IoT-Anwendungen nach vorheriger Absprache einen Weiterbetrieb bis Dezember 2030. Telefónica beabsichtigt den Ausstieg in der zweiten Jahreshälfte 2028. Ein Vorlauf von 20 Monaten gilt für größere Bestände mit vielen Anlagen bereits als knapp. Der vorübergehende Einsatz einer Multi-Netz-SIM-Karte verschiebt die Problematik lediglich bis zur Stilllegung des letzten verbleibenden 2G-Netzes.

Risiken durch Umstellung auf VoIP und technische Anforderungen

Gefahren für den unterbrechungsfreien Betrieb bestehen nicht nur im Mobilfunk. Bei der Umstellung herkömmlicher analoger Telefonanschlüsse auf Voice over IP (VoIP) fallen Notrufsysteme aus, die rein für die analoge Telefonie ausgelegt sind. Tritt ein solcher Ausfall ein, muss die Aufzugsanlage gesetzlich zwingend außer Betrieb genommen werden.

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Zudem wird die Verfügbarkeit von Ersatzteilen für aktuell verbaute Notrufsysteme in naher Zukunft nicht mehr gewährleistet sein. Hersteller bieten daher moderne Nachrüstungen an, darunter die IoT-Lösung Otis ONE, die unter anderem Remote Service, ein Kundenportal, ein eView-Display sowie Schnittstellen zur Datenanalyse beinhaltet.

Für den Weiterbetrieb bestehender Installationen existieren Schnittstellenlösungen: Gateways wie das Robustel EV8100 ermöglichen die Kopplung analoger Notrufe mit VoLTE oder SIP/VoIP. Der Betriebsstatus des Geräts lässt sich über das System RCMS überwachen.

Ein reiner Online-Status garantiert jedoch noch keine verständliche Sprachverbindung oder die korrekte Übermittlung der Kabinenidentität. Auch eine Dual-SIM-Ausstattung schützt nicht vor Defekten am Gateway, an Antennen oder bei der Stromversorgung.

Umfassende Tests und europäische Erfahrungswerte

Für jede Anlage müssen der Übertragungsweg, der Verantwortliche, das Umstellungsdatum und ein dokumentierter Probenotruf festgelegt werden. Zuständigkeiten sind vorab aufzuteilen: Aufzugsunternehmen stellen den Zugang bereit, Kommunikationsanbieter sichern die SIM- oder SIP-Dienste ab, Notrufzentralen übernehmen Annahme sowie Identitätsprüfung und Gebäudeeigentümer verantworten das abschließende Audit.

Bei der Inbetriebnahme müssen Anrufaufbau, Entgegennahme, Zweiwege-Sprachverbindung, Standort- und Kabinenidentität sowie die Reaktion des Betreibers und das Auflegen geprüft werden. Diese Tests sind auch unter schwierigen Funkbedingungen und bei simuliertem Stromausfall im Batteriebetrieb durchzuführen.

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Der Blick ins europäische Ausland verdeutlicht das Ausmaß der Transition. In Frankreich schaltete Orange 2G in Hauts-de-France ab und beendete den Betrieb in den letzten 43 Departements, darunter Paris, Gironde und Rhône, am 20.10.2026. Ausnahmen gelten dort noch für weiße Flecken bis Mitte Dezember 2026. SFR folgt mit der Abschaltung am 15.11., Bouygues Telecom zwischen dem 01.12. und 15.12.2026. Ende 2025 waren in Frankreich laut der Fédération des ascenseurs noch rund 230.000 Aufzüge – etwa ein Drittel des Bestands – über 2G angebunden.

Eine Umrüstung auf 4G oder 5G dauert im Schnitt eine Stunde und kostet zwischen 300 und 700 Euro, sofern die Geräte nicht gemietet sind. In Spanien plant MasOrange den Weiterbetrieb von 2G voraussichtlich bis 2030; dort verfügen schätzungsweise 550.000 bis 600.000 der rund 1,1 Millionen Aufzüge ausschließlich über 2G-Module.

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