Temu, Shein und AliExpress: Umsätze in Deutschland brechen um 35,5 Prozent ein
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 10:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Umsätze der asiatischen Shoppingplattformen Shein, Temu und AliExpress sind im dritten Quartal in Deutschland deutlich zurückgegangen.
Umsatz sinkt um mehr als ein Drittel
Die Erlöse der drei Anbieter fielen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 35,5 Prozent auf 566 Millionen Euro, teilte der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) mit. Das rasante Wachstum von Temu und Shein sei ins Stocken geraten, sagte BEVH-Hauptgeschäftsführerin Alien Mulyk.
Als Grund nannte Mulyk die Verteuerung von Kleinsendungen aus Drittstaaten. „Den margenschwachen Niedrigpreisprodukten aus Asien setzen die höheren Abgaben deutlich zu“, sagte sie.
Marktanteil fällt auf 3,1 Prozent
Der Marktanteil der drei größten asiatischen Plattformen im deutschen Onlinehandel sank den Angaben zufolge auf 3,1 Prozent. Im zweiten Quartal hatte er noch 5,3 Prozent betragen und zuvor einen Rekordwert erreicht.
Neue Abgaben für Kleinsendungen
Die Zollfreigrenze von 150 Euro für Warensendungen aus Nicht-EU-Staaten ist im Juli weggefallen. Seitdem ist jede Sendung aus Drittstaaten zollpflichtig. Für Kleinsendungen bis 150 Euro werden pro Warengruppe drei Euro Pauschale fällig; ab November soll zusätzlich eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro gelten.
Mit den Maßnahmen will die Politik die Einfuhr großer Mengen billiger Waren aus Drittstaaten in den europäischen Markt eindämmen. Der BEVH hält die Schritte dennoch nicht für ausreichend. Für fairen Wettbewerb müsse die EU die Marktüberwachungsbehörden stärken und bestehendes Recht durchsetzen, sagte Mulyk.
Onlinehandel wächst langsamer
Der deutsche Onlinehandel insgesamt legte im dritten Quartal nominal um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zu. Im Zeitraum von April bis Juni war der Markt noch um gut fünf Prozent gewachsen. Als Ursache für die nachlassende Dynamik nannte der Verband eine schlechtere Konsumstimmung.
Neue Gebühren verändern den Wettbewerb
Der Rückgang fällt in eine Phase, in der die EU die Einfuhr sehr billiger Waren aus Drittstaaten verteuern will. Mit dem Wegfall der Zollfreigrenze von 150 Euro wird jede Sendung abgabenpflichtig; bei Kleinsendungen bis zu diesem Wert gilt zunächst eine Pauschale von drei Euro je Warengruppe. Ab November soll zusätzlich eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro anfallen.
Das trifft Geschäftsmodelle besonders stark, die auf viele kleine Bestellungen mit niedrigen Warenwerten setzen. Eine fixe Abgabe macht bei einem günstigen Einzelprodukt einen deutlich größeren Anteil des Endpreises aus als bei höherpreisiger Ware. Für Verbraucher kann das weniger extrem niedrige Preise bedeuten; zugleich steigt die Bedeutung transparenter Angaben zu Abgaben, Lieferkosten und Rücksendungen.
Onlinehandel insgesamt wächst langsamer
Der Marktanteil von Temu, Shein und AliExpress sank im dritten Quartal auf 3,1 Prozent, nachdem er im zweiten Quartal noch 5,3 Prozent betragen hatte. Der Onlinehandel insgesamt legte gleichzeitig nominal um 2,9 Prozent zu, verlor aber gegenüber dem Wachstum im Frühjahr deutlich an Tempo. Damit wirkt nicht nur die Regulierung, sondern auch die schwächere Konsumstimmung auf das Geschäft.
Für den Wettbewerb entscheidet sich nun, ob die Plattformen ihre Preise anheben, größere Warenmengen bündeln oder stärker auf Lager innerhalb der EU setzen. Politisch bleibt neben den Abgaben die Durchsetzung von Produkt-, Verbraucher- und Sicherheitsstandards entscheidend, weil gleiche Regeln nur dann Wirkung entfalten, wenn Verstöße wirksam kontrolliert werden.

