THG-Quote 2026: Treibhausgasminderung steigt auf 12,1 Prozent
19.06.2026 - 05:23:55 | boerse-global.de
Ein aktueller Entwurf sieht umfassende Änderungen bei den Nachweisregeln vor.
Kern der Neuregelung: Nachhaltigkeitsnachweise (Proof of Sustainability, PoS) sollen rückwirkend für ungültig erklärt werden können, wenn einem beteiligten Akteur das Zertifikat entzogen wird. Gleichzeitig wird die Union Database (UDB) massiv ausgeweitet, um sämtliche Transaktionen lückenlos zu erfassen.
Für die Branche bedeutet das eine Verschärfung der Massenbilanz-Vorgaben. Geplant sind physische Plausibilitätstests für Abfall- und Reststoffströme – etwa bei Altspeiseölen (UCO), Palmölmühlen-Abwässern (POME) oder Palmöl-Fettsäuredestillaten (PFAD). Auch die Kriterien für Rohstoffe mit geringem Risiko indirekter Landnutzungsänderungen (Low-ILUC) werden strenger.
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Experten warnen: Ohne gültige Zertifizierung nach RED II oder RED III ist eine Vermarktung als nachhaltiger Kraftstoff rechtlich unmöglich. Bleibt nur der Verkauf zum Preis von fossilem Erdgas.
Was Produzenten jetzt beachten müssen
Um die Zertifizierung nach Systemen wie REDcert oder ISCC zu bestehen, müssen Anlagenbetreiber umfangreiche Dokumentationspflichten erfüllen. Dazu gehören ein Nachhaltigkeitsbeauftragter, detaillierte Lieferscheine, Selbsterklärungen und eine lückenlose Massen- und Treibhausgasbilanz.
Fachleute empfehlen, Audits bereits während der Inbetriebnahmephase durchzuführen. So lässt sich die Konformität frühzeitig sicherstellen.
Parallel treibt die Digitalisierung die Logistik voran. Die Biotaktix GmbH, Bioenergie Heek-Ahle und die FH Münster haben einen digitalen Liefermanager entwickelt. Zulieferer können darüber Substratmengen und Anlieferzeitpunkte vorab anmelden. Das System ist an Brückenwaagen angebunden und ermöglicht eine automatisierte Erfassung – Engpässe in der Anlieferlogistik sollen so vermieden werden.
THG-Quotenmarkt zeigt sich volatil
Der Markt für Treibhausgasminderungen bleibt spannend. In Deutschland stiegen die Erfüllungskosten für die THG-Quote Mitte Juni an. Grund sind eine höhere Nachfrage und Verschiebungen bei den Gasöl-Futures.
Für 2026 ist eine Erhöhung der gesetzlichen Treibhausgasminderungsquote auf 12,1 Prozent vorgesehen – nach 10,6 Prozent im Vorjahr.
Das macht auch Elektrofahrzeuge für landwirtschaftliche und gewerbliche Betriebe attraktiver. Fahrzeughalter von reinen E-Mobilen können ihre THG-Quote über spezialisierte Dienstleister vermarkten. 2025 erreichten die Prämien mit schätzungsweise 50 bis 100 Euro einen Tiefpunkt. Für 2026 rechnet die Branche aufgrund der höheren Quotenverpflichtung wieder mit Erlösen von bis zu 300 Euro.
KfW startet neues Förderprogramm
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Die KfW hat Mitte Juni das Programm „Erneuerbare Energien Plus“ gestartet. Es stellt Förderkredite von bis zu 150 Millionen Euro pro Vorhaben bereit. Ziel sind Anlagen zur Strom-, Wärme- und Kälteerzeugung sowie Speichersysteme, die außerhalb des EEG über Direktlieferverträge (PPA) betrieben werden.
Auch international gewinnt Biomethan an Bedeutung. Der brasilianische Konzern Vale plant, Erdgas in der Pelletproduktion schrittweise durch Biomethan zu ersetzen. Damit will das Unternehmen Anforderungen des EU-Grenzausgleichsmechanismus CBAM erfüllen. Die größten Hürden: die Wirtschaftlichkeit gegenüber fossilem Erdgas und die Sicherstellung der Zertifizierung über weite Transportwege.
Regional gibt es gezielte Förderungen: Im Kanton Schaffhausen startet Anfang Juli ein auf drei Jahre angelegtes Programm für Hofdüngertransporte. Landwirte erhalten finanzielle Unterstützung für den Transport von Gülle und Mist zur nächstgelegenen Biogasanlage – sofern sie im Gegenzug Gärgut als Dünger wieder aufnehmen.
