Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Thyssenkrupp-Chef wirbt vor AktionĂ€ren fĂŒr Konzernumbau

30.01.2026 - 13:25:50 | dpa.de

Thyssenkrupp will sich neu aufstellen: Vorstandschef López plant mehr EigenstÀndigkeit der Sparten und setzt auf einen Umbau zur Finanzholding.

  • Thyssenkrupp-Chef LĂłpez wirbt bei den AktionĂ€rinnen und AktionĂ€ren fĂŒr die neue Unternehmensstrategie «Aces 2030». - Foto: Bernd Thissen/dpa
    Thyssenkrupp-Chef LĂłpez wirbt bei den AktionĂ€rinnen und AktionĂ€ren fĂŒr die neue Unternehmensstrategie «Aces 2030». - Foto: Bernd Thissen/dpa
  • Thyssenkrupp-Chefaufseher Russwurm (li.) und Vorstandschef LĂłpez lassen sich vor Beginn der Hauptversammlung fotografieren. - Foto: Bernd Thissen/dpa
    Thyssenkrupp-Chefaufseher Russwurm (li.) und Vorstandschef LĂłpez lassen sich vor Beginn der Hauptversammlung fotografieren. - Foto: Bernd Thissen/dpa
  • Die AktionĂ€rinnen und AktionĂ€re sollen je Aktie 15 Cent Dividende erhalten.  - Foto: Bernd Thissen/dpa
    Die AktionÀrinnen und AktionÀre sollen je Aktie 15 Cent Dividende erhalten. - Foto: Bernd Thissen/dpa
  • «Der Mensch gehört in den Mittelpunkt - nicht die Rendite!»: BeschĂ€ftigte von Thyssenkrupp fordern von der AktionĂ€ren den Verzicht auf eine Dividende. - Foto: Bernd Thissen/dpa
    «Der Mensch gehört in den Mittelpunkt - nicht die Rendite!»: BeschÀftigte von Thyssenkrupp fordern von der AktionÀren den Verzicht auf eine Dividende. - Foto: Bernd Thissen/dpa
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Thyssenkrupp-Chef Miguel LĂłpez hat bei der Hauptversammlung fĂŒr den Umbau des Traditionskonzerns geworben. «Lange Zeit wurde Thyssenkrupp als integrierter Industriekonzern gefĂŒhrt», sagte LĂłpez vor rund 500 AktionĂ€rinnen und AktionĂ€ren. Strategische Entscheidungen seien in der Zentrale in Essen getroffen worden. «In Zukunft wird die Thyssenkrupp AG eine Finanzholding sein – eine Beteiligungsgesellschaft, die grundsĂ€tzlich Mehrheitsbeteiligungen an starken, eigenverantwortlichen Unternehmen unter einem Dach vereint.»

Die Segmente werde man Schritt fĂŒr Schritt in die EigenstĂ€ndigkeit fĂŒhren. Dies bedeute mehr FlexibilitĂ€t, mehr Geschwindigkeit und ein direkter Zugang zum Kapitalmarkt. «Damit heben wir Werte, die bislang im Unternehmen verborgen waren», so LĂłpez.

Thyssenkrupp hat gut 93.000 BeschÀftigte

Thyssenkrupp ist in fĂŒnf Segmenten tĂ€tig: Marineschiffbau, Stahl, Autoteile, Werkstoffe und grĂŒne Technologien. Ende September beschĂ€ftigte das Unternehmen gut 93.000 Menschen.

Die Umsetzung der «Aces 2030» genannten neuen Strategie hat bereits begonnen. Die Marinesparte TKMS brachte Thyssenkrupp im vergangenen Herbst an die Börse. Das Unternehmen ist mittlerweile wie die Muttergesellschaft im Börsensegment MDAX gelistet. FĂŒr das Stahlsegment laufen GesprĂ€che mit dem indischen Stahlkonzern Jindal Steel ĂŒber eine Übernahme. «Mit Jindal Steel sind wir in konstruktivem Austausch», erklĂ€rt LĂłpez. Weitere Angaben machte er dazu nicht. 

AktionĂ€rsvertreter: «Zuversicht ist zurĂŒckgekehrt»

AktionĂ€rsvertreter Ă€ußerten sich positiv ĂŒber die Unternehmensentwicklung. «Vertrauen ist wieder da, Zuversicht ist zurĂŒckgekehrt», sagte Oliver Vollbrecht von der Deutschen Schutzvereinigung fĂŒr Wertpapierbesitz (DSW). «Wir vertrauen ihnen, aber niemals blind», sagte Daniel Voss von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger. 

Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka Investment forderte, Thyssenkrupp weiter zu entflechten und die KomplexitĂ€t zu verringern. «Das wird der Kapitalmarkt honorieren. Auch wenn es deutliche Fortschritte gab, darf es das nicht gewesen sein. Wir wĂŒnschen uns ein schlankes GeschĂ€ftsmodell und einen Abbau weiterer Beteiligungen in absehbarer Zeit.»

IG Metall fordert Verzicht auf Dividende

Vor Beginn der Hauptversammlung demonstrierten mehrere hundert BeschĂ€ftigte vor der Veranstaltungshalle und forderten die AktionĂ€re auf, auf eine Dividende zu verzichten. «Nach dem jĂŒngsten Börsengang der Marine haben AktionĂ€re bereits ĂŒberdurchschnittlich profitiert. Jetzt eine Dividende aus der Substanz auszuschĂŒtten, wĂ€re wirtschaftlich falsch und ein fatales Signal», hieß es in einem Flugblatt der IG Metall.

Die AktionĂ€re sollen eine Dividende in Höhe von 15 Cent je Aktie erhalten. Insgesamt will das Unternehmen 93 Millionen Euro ausschĂŒtten. Auch manche AktionĂ€rsvertreter lehnten die PlĂ€ne ab: «Die Zahlung einer Dividende erfolgt zulasten der Substanz», sagte Speich. Thyssenkrupp lebe seit Jahren von seiner Substanz. «Damit muss endlich Schluss sein.»

HKM-BeschĂ€ftigte demonstrieren fĂŒr Sozialtarifvertrag

An der Demonstration nahmen auch BeschĂ€ftigte des Duisburger Stahlherstellers HKM teil, der vor einer ungewissen Zukunft steht. «Wir wollen endlich einen Sozialtarifvertrag», sagte Betriebsratschef Marco Gasse. HKM ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Stahlfirmen Thyssenkrupp Steel, Salzgitter und Vallourec und beschĂ€ftigt rund 3.000 Menschen. Laut IG Metall soll ein Sozialtarifvertrag regeln, wie der erwartete Personalabbau sozialvertrĂ€glich gestaltet werden kann. Über ihn wird seit mehreren Monaten verhandelt.

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