WDH / EU-Staaten verstÀndigen sich auf Plan zur Nutzung russischer Gelder
29.01.2024 - 22:33:35(Tippfehler im 2. Satz berichtigt)
BRĂSSEL (dpa-AFX) - Die EU bereitet die Abschöpfung von ErtrĂ€gen aus der Verwahrung eingefrorener russischer Zentralbank-Gelder fĂŒr die Ukraine vor. Wie die derzeitige belgische EU-RatsprĂ€sidentschaft mitteilte, verstĂ€ndigten sich Vertreter der 27 Mitgliedstaaten am Montagabend auf einen Vorschlag zu dem Thema. Er muss nun nur noch formalisiert werden und soll dann im schriftlichen Verfahren offiziell beschlossen werden.
Das vereinbarte Verfahren sieht nach Angaben von Diplomaten vor, in einem ersten Schritt dafĂŒr zu sorgen, dass die auĂerordentlichen ErtrĂ€ge aus der Verwahrung von Vermögen der russischen Zentralbank gesondert aufbewahrt werden. In einem zweiten Schritt ist dann geplant, einen Teil der Gelder an die von Russland angegriffene Ukraine weiterzuleiten. DafĂŒr mĂŒssen allerdings noch weitere Rechtstexte ausgearbeitet werden.
SchÀtzungen zufolge könnte jÀhrlich eine Summe in Milliardenhöhe anfallen, da in der EU nach Kommissionsangaben mehr als 200 Milliarden der russischen Zentralbank eingefroren wurden und die ErtrÀge aus der Verwahrung des Kapitals laufend steigen.
Das in BrĂŒssel ansĂ€ssige Finanzinstitut Euroclear hatte zuletzt mitgeteilt, allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres drei Milliarden Euro an Zinseinnahmen gemacht zu haben, die in Verbindung zu Russlandsanktionen stehen. Euroclear ist in der EU das mit Abstand wichtigste Institut, das Vermögenswerte der russischen Zentralbank verwahrt.
EU-Beamte betonen, dass es bei dem Projekt zunĂ€chst einmal nur um Einnahmen gehe, die Euroclear auĂerplanmĂ€Ăig wegen der EU-Sanktionen gegen die russische Zentralbank mache. Es ist demnach vorerst keine Enteignung im eigentlichen Sinne geplant.
Als ein Grund dafĂŒr gelten rechtliche Bedenken und wahrscheinliche VergeltungsmaĂnahmen. Moskau hatte die EU bereits im vergangenen Jahr davor gewarnt, das Eigentum des russischen Staates oder russischer BĂŒrger zu konfiszieren. Denkbar wĂ€re es beispielsweise, dass dann auch in Russland tĂ€tige Unternehmen aus EU-LĂ€ndern zwangsenteignet werden. Zudem könnte eine direkte Nutzung der russischen Vermögenswerte auch dazu fĂŒhren, dass andere Staaten und Anleger das Vertrauen in den europĂ€ischen Finanzplatz verlieren und Vermögen aus der EU abziehen.

