WDH / ROUNDUP 2: Venezuelas Opposition erhöht Druck - MilitĂ€r stĂŒtzt Maduro
31.07.2024 - 13:54:51(Tippfehler im 5. Absatz berichtigt: Padrino)
CARACAS (dpa-AFX) - Nach der umstrittenen PrĂ€sidentenwahl in Venezuela kĂ€mpft die Opposition weiter fĂŒr einen Machtwechsel und einen RĂŒckzug des autoritĂ€ren PrĂ€sidenten NicolĂĄs Maduro. Dieser kann unverĂ€ndert auf den RĂŒckhalt des MilitĂ€rs zĂ€hlen, das ihm LoyalitĂ€t zusicherte. Tausende Regierungsgegner gingen am Dienstag (Ortszeit) in der Hauptstadt Caracas auf die StraĂe und protestierten gegen das aus ihrer Sicht manipulierte offizielle Wahlergebnis, das den seit 2013 regierenden Staatschef als Sieger ausweist.
Die Demonstranten skandierten "Wir haben keine Angst" und bejubelten ihren PrÀsidentschaftskandidaten Edmundo Gonzålez Urrutia. Bei den Protesten starben nach Angaben von regierungsunabhÀngigen Organisationen landesweit bislang mindestens elf Menschen. Hunderte wurden nach offiziellen Zahlen festgenommen.
Die StreitkrĂ€fte, die in dem sĂŒdamerikanischen Land ein wichtiger Machtfaktor sind, sicherten Maduro unterdessen ihre UnterstĂŒtzung zu. "Wir bekrĂ€ftigen die absolute LoyalitĂ€t und bedingungslose UnterstĂŒtzung fĂŒr den BĂŒrger NicolĂĄs Maduro Moros, den verfassungsmĂ€Ăigen PrĂ€sidenten der Bolivarischen Republik Venezuela, unseren Oberbefehlshaber (...)", sagte Verteidigungsminister Vladimir Padrino LĂłpez in einer vom Fernsehen ĂŒbertragenen ErklĂ€rung.
Maduro sei rechtmĂ€Ăig wiedergewĂ€hlt worden, ergĂ€nzte Padrino, umgeben von Mitgliedern des Generalstabs. Zugleich warnte der Verteidigungsminister, das MilitĂ€r werde notfalls "schlagkrĂ€ftig" vorgehen, um die Ordnung im gesamten Land aufrechtzuerhalten. Die Verfassung und die Menschenrechte wĂŒrden dabei eingehalten.
"Wir haben es mit einem Staatsstreich zu tun, der von den faschistischen KrĂ€ften der extremen Rechten mit UnterstĂŒtzung der imperialen KrĂ€fte, des US-Imperialismus, angezettelt wurde", sagte Padrino weiter. "Wir werden diesen Staatsstreich vereiteln." Schon bei frĂŒheren Protesten konnte Maduro sich auf das MilitĂ€r verlassen.
In Caracas rief OppositionsfĂŒhrerin MarĂa Corina Machado ihren AnhĂ€ngern von einer TribĂŒne aus zu, das wahre Ergebnis der Wahl sei eindeutig und nicht verhandelbar. "Das Einzige, ĂŒber das wir zu verhandeln bereit sind, ist eine friedliche MachtĂŒbergabe." Die Opposition hat nach eigenen Angaben Zugang zu ĂŒber 80 Prozent der detaillierten Wahlergebnisse aus den einzelnen Stimmbezirken, die der Nationale Wahlrat bislang nicht veröffentlicht hat. Demnach soll GonzĂĄlez auf 67 Prozent der Stimmen und Maduro auf 30 Prozent kommen.
Angesichts der angespannten Lage und Spekulationen, Machado und GonzĂĄlez könnten festgenommen werden, bot die Regierung von Costa Rica den beiden sowie anderen in Venezuela politisch Verfolgten Asyl an. Die OppositionsfĂŒhrerin bedankte sich, will nach eigenen Worten vorerst allerdings in ihrer Heimat bleiben. "Es liegt in meiner Verantwortung, den Kampf an der Seite der Menschen fortzusetzen", schrieb sie auf X.
Nach der PrĂ€sidentenwahl am Sonntag hatte die regierungstreue Wahlbehörde Maduro offiziell zum Sieger erklĂ€rt. Die Opposition wirft der Regierung WahlfĂ€lschung vor. Auch die USA, die EU und eine Reihe lateinamerikanischer LĂ€nder zweifeln das offizielle Wahlergebnis an. Die Organisation Amerikanischer Staaten erkennt Maduros Wiederwahl nicht an und setzte fĂŒr Mittwoch eine Dringlichkeitssitzung des StĂ€ndigen Rats zur Lage in Venezuela an.
Biden und Lula dringen auf Veröffentlichung detaillierter Wahlergebnisse
Angesichts der Zweifel am offiziellen Wahlergebnis forderten US-PrĂ€sident Joe Biden und Brasiliens Staatschef Luiz InĂĄcio Lula da Silva Transparenz. Sie seien sich einig, dass die venezolanische Wahlbehörde die detaillierten Ergebnislisten der einzelnen Wahllokale veröffentlichen mĂŒsse, teilte das WeiĂe Haus nach einem Telefonat der beiden PrĂ€sidenten mit. Sie teilten die EinschĂ€tzung, dass der Ausgang der Wahl entscheidend sei fĂŒr die Demokratie weit ĂŒber Venezuela hinaus.
Bei Protesten gegen das Wahlergebnis kamen laut der regierungsunabhÀngigen Organisation Foro Penal bislang mindestens elf Demonstranten ums Leben, darunter zwei Jugendliche. Zudem wurde nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft ein Polizist getötet.
Im ganzen Land seien 749 Demonstranten festgenommen worden, sagte Generalstaatsanwalt Tarek William Saab. Sie hĂ€tten unter anderem Polizeiwachen, BĂŒros des Wahlamtes, RathĂ€user und KrankenhĂ€user angegriffen. Ihnen werde Terrorismus, Aufstachelung zum Hass und die Blockade öffentlicher StraĂen vorgeworfen.
PrĂ€sident Maduro kĂŒndigte eine Sicherheitsoperation an, bei der Soldaten und Polizisten in den StraĂen patrouillieren und gegen gewaltbereite Gruppen vorgehen sollen. Er warf der Opposition und der US-Regierung vor, mithilfe bewaffneter Gruppen einen Umsturz zu planen. "Die Oligarchie ertrĂ€gt das Wahlergebnis nicht", sagte Maduro. "Aber der Faschismus kommt in Venezuela nicht durch."
UN-Menschenrechtskommissar fordert Versammlungsfreiheit
UN-Menschenrechtskommissar Volker TĂŒrk zeigte sich in einer Stellungnahme besorgt ĂŒber die Gewalt. "Ich bin beunruhigt ĂŒber Berichte ĂŒber die unverhĂ€ltnismĂ€Ăige Anwendung von Gewalt durch SicherheitskrĂ€fte und bewaffnete Gruppen, die die Regierung unterstĂŒtzen", so TĂŒrk. "Ich fordere die Regierung auf, das Recht aller Venezolaner zu respektieren, sich zu versammeln, friedlich zu protestieren und ihre Meinung frei und ohne Angst zu Ă€uĂern."
Venezuela steckt seit Jahren in einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. In dem einstmals wohlhabenden Land mit groĂen Erdölvorkommen leben mehr als 80 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Immer wieder kommt es zu StromausfĂ€llen, Benzin, Gas und Medikamente sind knapp. Mehr als sieben Millionen Menschen - ein Viertel der Bevölkerung - haben Venezuela in den vergangenen zehn Jahren wegen Armut und Gewalt verlassen.

