Transfergesellschaften, Zahl

Transfergesellschaften: Zahl in Bayern verdreifacht sich in zwei Jahren

14.06.2026 - 21:19:14 | boerse-global.de

Die Zahl der Beschäftigten in Transfergesellschaften hat sich in Bayern binnen zwei Jahren mehr als verdreifacht. Besonders die Industrie setzt auf diese Form des Personalabbaus.

Transfergesellschaften: Zahl der Betroffenen in Bayern explodiert
Transfergesellschaften - Ein Stapel Euro-Banknoten, teilweise verdeckt von einem Dokument zur Unternehmensrestrukturierung, mit unscharfen Geschäftsleuten im Hintergrund. 14.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

In Bayern hat sie sich innerhalb von zwei Jahren mehr als verdreifacht.

Waren im September 2023 noch 680 Personen in solchen Auffangbecken registriert, stieg die Zahl bis September 2025 auf 2156 Beschäftigte. Das zeigen aktuelle Daten.

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Besonders die Industrie setzt vermehrt auf Transferkurzarbeit als Instrument des Personalabbaus. Ein prominentes Beispiel: der Automobilzulieferer Mahle am Standort Neustadt an der Donau. Im Zuge von Umstrukturierungen wechselten dort rund 250 von 350 Beschäftigten in eine Transfergesellschaft.

Was Betroffene erwartet

Für die Arbeitnehmer bedeutet das in der Regel bis zu 12 Monate Transferkurzarbeitergeld – 60 bis 67 Prozent des letzten Nettogehalts. Die Chancen auf einen neuen Job steigen dadurch zwar. Eine Garantie für eine gleichwertige Position oder ein ähnliches Gehalt gibt es aber nicht.

Doch wer zahlt eigentlich für diese Maßnahmen? Die Antwort liegt oft in den rechtlichen Verflechtungen der Konzerne.

Muttergesellschaften in der Pflicht

Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge spielen eine Schlüsselrolle. Sie verpflichten die Muttergesellschaft, Verluste der Tochter zu übernehmen – und damit auch Sozialpläne und Transfermaßnahmen zu finanzieren.

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Mehrere Großunternehmen haben solche Verträge zuletzt bestätigt oder neu geschlossen:

  • Die Branicks Group AG stimmte am 13. Februar 2026 einem Vertrag mit DIC Real Estate Investments zu.
  • Bei der Vonovia SE gab es bereits im Januar 2025 grünes Licht für einen Vertrag mit der Deutsche Wohnen SE. Allerdings legten Aktionäre Anfechtungsklage beim Landgericht Dortmund ein.

Wenn die Sanierung scheitert

Nicht immer lassen sich Unternehmen retten. Dann drohen Haftungsrisiken für die Verantwortlichen. Das Oberverwaltungsgericht Münster bestätigte bereits im November 2019: Geschäftsführer haften persönlich für Steuerschulden, wenn sie den Betrieb trotz Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung ohne ausreichende Mittelvorsorge fortführen.

Ein Ausweg kann das Insolvenzplanverfahren sein. Die creditshelf AG nutzte diesen Weg im Frühjahr 2026. In der Kalenderwoche 17 wurden sämtliche Aktien auf einen neuen Investor übertragen, die Gläubiger erhielten eine Quote von 5,2 Prozent.

Auch Squeeze-out-Verfahren bleiben relevant. Dabei werden Minderheitsaktionäre gegen Barabfindung aus dem Unternehmen gedrängt. Die Bewertung von Synergieeffekten und Integrationskosten führt oft zu jahrelangen juristischen Nachspielen. Bei der BUWOG AG etwa empfahl ein Gremium zuletzt eine deutliche Anhebung der ursprünglichen Abfindung – Szenarien liegen zwischen rund 32 und 36 Euro je Aktie.

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