Ăzdemir: 'Das grĂŒne Herz unseres Landes gerĂ€t aus dem Takt'
08.10.2024 - 13:41:43"Das grĂŒne Herz unseres Landes gerĂ€t aus dem Takt", sagte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Ăzdemir (GrĂŒne) in Berlin bei der Vorstellung der neuen Bundeswaldinventur.
Zugleich ist die WaldflÀche insgesamt leicht um 15.000 Hektar gewachsen. Ein Drittel der GesamtflÀche Deutschlands ist bewaldet - das sind 11,5 Millionen Hektar.
Der Wald in Deutschland hat laut Bericht einen Holzvorrat von rund 3,6 Milliarden Kubikmeter - seit gut zehn Jahren ist das berechnete Gesamtvolumen aller BĂ€ume damit nahezu unverĂ€ndert. "Damit ist Deutschland immer noch das vorratsreichste Land Europas in absoluten Zahlen gesehen", sagte der Leiter der Bundeswaldinventur, Thomas Riedel, vom bundeseigenen ThĂŒnen-Institut.
Der Wald hilft nicht mehr bei den Klimazielen
Die Untersuchung liefert auf Basis umfangreicher Stichproben Informationen etwa zur WaldflĂ€che, zu SchĂ€den an BĂ€umen, den Anteilen der Baumarten sowie zur Holznutzung. Sie liefert damit grundlegende Daten, die fĂŒr den Schutz der WĂ€lder, die wirtschaftliche Nutzung und die Anpassung an verĂ€nderte Klimabedingungen wichtig sind.
"Die Auswirkungen der Klimakrise machen sich ganz real bemerkbar", sagte Ăzdemir, der auch seine Forderung nach einem neuen Bundeswaldgesetz bekrĂ€ftigte. Man könne die SchĂ€den in den WĂ€ldern sehen, wenn man unterwegs sei. "Die Folge davon: Der deutsche Wald hilft uns nicht mehr in dem MaĂe, wie wir es bislang gewohnt waren, bei der Erreichung unserer Klimaziele. Durch die enormen klimabedingten SchĂ€den gibt der Wald in Deutschland inzwischen mehr Kohlenstoff ab, als er aufnehmen kann", sagte er. Der Wald sei mittlerweile zu einer Kohlenstoffquelle geworden. Der Verlust an Biomasse durch StĂŒrme und DĂŒrre sowie KĂ€ferbefall sei gröĂer als der Zuwachs an lebender Biomasse.
Umfangreichste Erhebung zum Zustand der WĂ€lder vorgelegt
Die Bundeswaldinventur muss laut Gesetz mindestens alle zehn Jahre stattfinden. Das Bundeslandwirtschaftsministerium bezeichnet sie als umfangreichste Erhebung zum Zustand der WĂ€lder in Deutschland und hat das ThĂŒnen-Institut fĂŒr Waldökosysteme mit der Leitung der Untersuchung beauftragt. In den WĂ€ldern seien 100,4 Milliarden BĂ€ume gröĂer als 20 Zentimeter, so der Bericht. "Dies sind zu viele, um sie alle zu messen. Daher wird ein kleiner Teil des Waldes, eine Stichprobe so ausgewĂ€hlt, dass Messungen dort die WaldverhĂ€ltnisse insgesamt widerspiegeln."
Die hÀufigsten Baumarten sind laut Inventur nun Kiefer (22 Prozent), die damit die Fichte abgelöst hat (21 Prozent), gefolgt von Buche (17 Prozent) und Eiche (12 Prozent). Die restlichen 28 Prozent verteilen sich auf weitere 47 Baumarten und Baumartengruppen. Die FlÀche der LaubbÀume habe im Vergleich zu 2012 um 7 Prozent zugenommen.
"Dies ist vor allem auf den aktiven Waldumbau fĂŒr eine bessere Klimaanpassung der WĂ€lder zurĂŒckzufĂŒhren", schreiben die Autoren. Die BĂ€ume im Wald seien durchschnittlich Ă€lter und dicker als bei der letzten Inventur. Die FlĂ€che mit Mischwald sei auf 79 Prozent gestiegen.
Schwere SchĂ€den durch Witterungsextreme oder KĂ€ferbefall ("KalamitĂ€ten") wurden auf 2 Millionen Hektar oder 19 Prozent der WaldflĂ€chen beobachtet. Das AusmaĂ baumloser FlĂ€chen ("BlöĂe") sei von 40.000 Hektar auf 100.000 Hektar gestiegen.
WaldbesitzerverbÀnde: Umbau der WÀlder ist Mehrgenerationen-Projekt
Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher WaldbesitzerverbĂ€nde sieht im weiteren Aufbau strukturreicher MischwĂ€lder einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. "Dieser gesellschaftlich erwĂŒnschte Waldumbau ist ein Mehrgenerationen-Projekt", sagte der PrĂ€sident der Organisation, Andreas Bitter. Die Bundeswaldinventur dokumentiere Erfolge einer nachhaltigen Bewirtschaftung der WĂ€lder in der Klimakrise. Bitter betonte: "Wir arbeiten erfolgreich am Wald der Zukunft."
Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) forderte ein "radikales Gesundheitsprogramm" fĂŒr die WĂ€lder. "Auch die bundesweiten Messdaten zeigen nun schwarz auf weiĂ: Wir erleben ein neues Waldsterben. Unsere WĂ€lder sind nicht lĂ€nger eine Senke, sondern eine Quelle von Treibhausgasen", erklĂ€rte Nabu-PrĂ€sident Jörg-Andreas KrĂŒger. "Die ErzĂ€hlung vom deutschen Wald als Kohlenstoffspeicher ist damit passĂ©."

