Dekabank-Chefvolkswirt: Aufschwung trotz geopolitischer Spannungen
23.06.2025 - 15:41:54 | dpa.de"Geopolitische Konflikte sowie eine unberechenbare US-Zollpolitik belasten die Weltwirtschaft zwar, aber angesichts der weltpolitischen UmwĂ€lzung ist sie ĂŒberraschend robust", sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank am Montag in Frankfurt. Ein geringeres Wachstum bekĂ€men insbesondere die USA zu spĂŒren.
Bisher habe die Krise im Nahen Osten kaum BeeintrĂ€chtigungen fĂŒr die Wirtschaft gebracht. Die Angriffe der USA auf die Atomanlagen des Iran habe die Spannungen aber nochmals verschĂ€rft. "Die Sperrung der StraĂe von Hormus und eine lĂ€ngere Auseinandersetzung der USA mit dem Iran stellen eine Eskalationsgefahr dar", warnte Kater. Allerdings mĂŒssten die Rohöllieferungen rund ein halbes Jahr ausfallen, damit sich dies deutlich auf die Konjunktur auswirke. SchlieĂlich hĂ€tten viele LĂ€nder LagerbestĂ€nde. Kurzzeitig könnte der Ălpreis aber stark steigen, bis auf 140 US-Dollar je Barrel (159 Liter). "Langfristig gehen wir davon aus, dass der Ălpreis unter der 70 US-Dollar-Marke je Fass liegen wird", sagt Kater. Der Rohölmarkt sei jenseits der geopolitischen Risiken in einer Ăberversorgung.
FĂŒr Deutschland und die EU zeigt sich Kater vergleichsweise zuversichtlich: "Vor dem Hintergrund anhaltender Unsicherheiten der US-Politik ergeben sich Chancen fĂŒr die europĂ€ische Wirtschaft, das Image vom hĂ€sslichen Entlein der Weltwirtschaft abzuschĂŒtteln." Die Binnennachfrage werde durch RealeinkommenszuwĂ€chse, gesunkene Zinsen und die Hoffnung auf wirtschaftspolitische Reformen gestĂŒtzt. Hinzu kĂ€men die fiskalpolitischen Impulse durch die deutsche Bundesregierung. FĂŒr 2025 erwarten die Deka-Volkswirte in Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent und im Jahr 2026 von 1,0 Prozent.
Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) dĂŒrfte in diesem Jahr noch einmal die Leitzinsen senken. "Im Herbst dĂŒrfte sich ein Kompromiss im EZB-Rat herausbilden, die Geldpolitik bis auf Weiteres am unteren Rand des neutralen Bereichs zu belassen", sagte Kater. Die niedrigen Zinsen und die UnterstĂŒtzung durch höhere Staatsausgaben dĂŒrften die Wirtschaft in der Eurozone stĂŒtzen. Dies sei auch ein Vorteil gegenĂŒber den USA. Da die Zölle die Inflation antreiben, sei der Spielraum fĂŒr Zinssenkungen der US-Notenbank Fed zunĂ€chst beschrĂ€nkt, sagte Kater. Zudem limitiere die hohe Staatsverschuldung in den USA AusgabespielrĂ€ume. Die EinfĂŒhrung der Zölle reiche nicht aus, um das Haushaltsloch zu stopfen.
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