Trumps, VerlÀngerung

Trumps plötzliche VerlÀngerung: Zölle auf EU-Importe spÀter

01.08.2025 - 16:20:50

Immer wieder nannte Donald Trump ein Datum: 1. August. Dann sollten neue Zölle fĂŒr die EU und viele LĂ€nder gelten. Doch es gibt eine Überraschung.

Donald Trump wartete quasi bis auf die letzte Minute: Die Zölle auf EU-Importe in die USA treten doch nicht zum 1. August in Kraft. Es gibt eine Woche VerlĂ€ngerung, dann soll es endgĂŒltig so weit sein. Trumps zeitlicher Aufschub gibt HĂ€ndlern, Zollbeamten und Kunden Zeit, sich auf die neuen Regeln einzustellen - so begrĂŒndet die US-Regierung ihre Entscheidung. Hinzu kommt aber auch: Der US-PrĂ€sident gewinnt weitere Zeit, um vielleicht noch viel mehr Deals mit weiteren LĂ€ndern zugunsten der USA zu schließen.

Was sagen EU-Kommission und Deutschland?

Die EU-Kommission wollte öffentlich keine Kritik am verspĂ€teten Inkrafttreten der US-Zölle ĂŒben. Ein Sprecher verweigerte in BrĂŒssel Antworten auf Fragen zum Thema. Er verwies lediglich auf eine Nachricht von EU-Handelskommissar Maros Sefcovic in den sozialen Netzwerken. In dieser hatte Sefcovic lediglich in die Zukunft geblickt und geschrieben, die kĂŒnftige Zollobergrenze von 15 Prozent stĂ€rke die StabilitĂ€t fĂŒr Unternehmen sowie das Vertrauen in die transatlantische Wirtschaft. EU-Exporteure profitierten nun von einer wettbewerbsfĂ€higeren Position. 

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) Ă€ußerte sich so: «FĂŒr den Moment wĂŒrde ich sagen, es schafft einen Zeitraum der Adaption der neuen Systeme und Vorgaben.»

Die neuen US-Zölle fĂŒr Importe aus dem Ausland treten laut einem US-Regierungsbeamten am 7. August in Kraft. Er bestĂ€tigte der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstagabend (Ortszeit) weiter, dass dies auch fĂŒr den Zollsatz von 15 Prozent auf Einfuhren aus der EU gelte. Zuvor hatte Trump ein Dekret unterzeichnet. An einer Stelle des Papiers - und nicht prominent erwĂ€hnt - steht, dass die Regeln eine Woche nach der Unterzeichnung gelten.

Bislang dachten viele: Am 1. August geht es los

Die EU war nach dem Deal zwischen Trump und EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen am vergangenen Wochenende eigentlich fest davon ausgegangen, dass die neue 15-Prozent-Obergrenze fĂŒr fast alle Importe bereits an diesem Freitag in Kraft tritt. In diesem Zuge wurde insbesondere auch erwartet, dass die aktuellen Sonderzölle auf Autos und Autoteile in Höhe von 27,5 Prozent auf diesen Satz abgesenkt werden. 

In der am Donnerstag von US-PrĂ€sident unterzeichneten AusfĂŒhrungsverordnung ist das allerdings kein Thema. Dort geht es nur um die «reziproken Zölle», die nun vom 8. August an gelten sollen. Als solche bezeichnet Trump Zölle, die angebliche Ungleichgewichte und Benachteiligungen fĂŒr die USA im internationalen Handel ausgleichen sollen.

Trump hatte in den vergangenen Wochen immer das Datum 1. August ĂŒber seine Plattform Truth Social angekĂŒndigt. FĂŒr die USA war diese Frist auch ein Druckmittel, um Handelsvereinbarungen zu schließen. Anfang April hatte Trump im Rosengarten des Weißen Hauses eine riesige Tafel in die Kamera gehalten. Darauf zu sehen: Zölle gegen zahlreiche LĂ€nder, mit denen die USA nach Auffassung der US-Regierung ein besonders großes Handelsdefizit haben. 

In einem zweiten Schritt schickte Trump dann Briefe mit neuen ZollsĂ€tzen, um den Druck zu erhöhen. LĂ€nder versuchten in Verhandlungen, diese Zölle zu drĂŒcken. Auch die EU. Laut dem Brief wĂ€ren auf EU-Produkte ImportgebĂŒhren in Höhe von 30 Prozent gekommen. Am Ende waren es nach Verhandlungen noch 15 Prozent.

Eine neue Liste

Das Weiße Haus veröffentlichte eine Liste mit fast 70 LĂ€ndern und der EU, fĂŒr die jeweils bestimmte ZollsĂ€tze gelten werden. Neben Großbritannien, der Schweiz und Japan sind viele weitere Handelspartner genannt. Eine Auswahl:

Land/StaatengemeinschaftZollsatz
EuropÀische Union15 Prozent
Großbritannien10 Prozent
Schweiz39 Prozent
Norwegen15 Prozent
Island15 Prozent
Israel15 Prozent
SĂŒdafrika30 Prozent
SĂŒdkorea15 Prozent
Taiwan20 Prozent
Japan15 Prozent
Malaysia19 Prozent
Indien25 Prozent

Im Sonderfall Brasilien wies das Weiße Haus auf Basis angeblicher Handelsdefizite einen Zollsatz von zehn Prozent aus. ZusĂ€tzlich dazu hatten die USA als Reaktion auf die strafrechtliche Verfolgung gegen Brasiliens Ex-PrĂ€sidenten Jair Bolsonaro 40 Prozent auf eine Vielzahl von Produkten verhĂ€ngt. Insgesamt werden damit von Mitte kommender Woche an nun 50 Prozent auf Importe aus Brasilien fĂ€llig.

10 Prozent Zölle fĂŒr andere LĂ€nder

Wenn LĂ€nder nicht in der Liste aufgefĂŒhrt sind, wird in ihrem Fall pauschal ein Zollsatz von 10 Prozent erhoben, wie das Weiße Haus weiter mitteilte. Dabei bildet Kanada eine Ausnahme: Trump brummte dem Nachbarland per Dekret einen deutlich höheren Zollsatz auf. Auf kanadische Einfuhren in die Vereinigten Staaten sollen 35 Prozent statt 25 Prozent erhoben werden.

Trump begrĂŒndete den Schritt mit der Behauptung, dass Kanada weiterhin zu wenig gegen den Drogenhandel unternehme und Rauschgift ĂŒber die Grenze in die USA gelange. Allerdings liegt er mit der kanadischen Regierung bei einer ganzen Reihe von Themen im Clinch. Der kanadische Premierminister Mark Carney zeigte sich in einer ersten Reaktion «enttĂ€uscht» ĂŒber die neuen Zölle - die kanadische Regierung bleibe aber weiter dem Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko verpflichtet.

Eine wichtige Frage bleibt

Am Donnerstag beschĂ€ftigten sich Berufungsrichter in einer Anhörung noch mit der RechtmĂ€ĂŸigkeit vieler dieser Zölle. Ende Mai hatte ein Berufungsgericht die juristisch verfĂŒgte Blockade fast aller Zölle des US-PrĂ€sidenten vorerst aufgehoben, die eine niedrigere Instanz - das Gericht fĂŒr internationalen Handel in New York - kurz zuvor angeordnet hatte. Eine Entscheidung gibt es noch nicht. Und selbst dann könnte der Rechtsstreit noch weitergehen - und letztlich vor dem Obersten US-Gericht landen.

@ dpa.de