Tusk, PrÀsident

Tusk: PrÀsident könnte Chaos im Verfassungsgericht beenden

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 12:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Polens Regierungschef Donald Tusk sieht die Verantwortung fĂŒr das anhaltende Chaos am Verfassungsgericht bei PrĂ€sident Karol Nawrocki.

Eine Lösung des Konflikts sei einfach und ohne Änderung der Verfassung möglich, schrieb Tusk auf X. "Der PrĂ€sident erkennt die gesetzmĂ€ĂŸig gewĂ€hlten Richter an, weil die Verfassung es so vorschreibt, und sie nehmen ihre Arbeit am Gerichtshof auf." Bislang habe Nawrocki aber die gewaltsame Konfrontation gewĂ€hlt.

Der seit langem schwelende Machtkampf zwischen den beiden großen politischen Lagern um die Besetzung des Verfassungsgerichts war am Freitag eskaliert. Auslöser war eine Bekanntmachung auf der Webseite des Verfassungsgerichts. Dort hieß es, der bisherige PrĂ€sident Bogdan Swieczkowski und sein Stellvertreter seien einstweilen von ihren Funktionen entbunden worden. Stattdessen werde die Richterin Anna Korwin-Piotrowska das Gericht geschĂ€ftsfĂŒhrend leiten.

Die rechtskonservative PiS, die das Land von 2015 bis 2023 regierte, hat das Gericht mit ihr politisch nahestehenden Richtern besetzt. Seit dem Regierungswechsel im Herbst 2023 versucht Tusks Mitte-Links-Koalition, frei werdende Posten fĂŒr Verfassungsrichter neu zu besetzen.

Vor der Generalversammlung könnten die Spannungen zunehmen

Die Juristin Korwin-Piotrowska gehört zu den fĂŒnf neuen Verfassungsrichtern, die zwar vom Parlament nominiert wurden, ihre Arbeit aber trotzdem nicht aufnehmen können. Der rechtskonservative PrĂ€sident Nawrocki weigerte sich, sie zu vereidigen. Daraufhin legten die fĂŒnf Richter den Eid vor dem ParlamentsprĂ€sidenten ab, der in Polen das zweithöchste Amt im Staat innehat. Doch der noch von der PiS installierte VerfassungsgerichtsprĂ€sident Swieczkowski ließ sie nicht ins GebĂ€ude. Bereits im Mai hatte der EuropĂ€ische Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte entschieden, dass diese Richter ihrer Arbeit nachgehen können mĂŒssen.

Voraussichtlich werden die Spannungen am Dienstag erneut zunehmen. Denn Richterin Korwin-Piotrowska hat fĂŒr den Nachmittag die Generalversammlung aller Verfassungsrichter einberufen. Dieses Gremium kann unter anderem seine Zustimmung zur strafrechtlichen Verfolgung von Verfassungsrichtern geben und darĂŒber entscheiden, ob ein Richter wegen dauernder UnfĂ€higkeit zur AusĂŒbung seiner Aufgaben in den Ruhestand versetzt wird. Justizminister und Generalstaatsanwalt Waldemar Zurek hat bereits beantragt, dass die Generalversammlung ĂŒber die Aufhebung der richterlichen ImmunitĂ€t von GerichtsprĂ€sident Swieczkowski und seinem Stellvertreter beraten soll.

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