Uber: 824,99 Millionen Euro Bußgeld wegen automatischer Kontosperren
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 00:43 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Einsatz automatisierter Systeme bei Plattformbetreibern gerät zunehmend in den Fokus der europäischen Aufsichtsbehörden. Im Zentrum der Kontrollen steht die Einhaltung strenger Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), insbesondere wenn softwaregestützte Prozesse weitreichende Konsequenzen für Beschäftigte und Auftragnehmer haben.
Am 21. August 2026 verhängte die niederländische Datenschutzbehörde Autoriteit Persoonsgegevens in Zusammenarbeit mit der französischen CNIL eine Geldbuße in Höhe von 824.990.000 Euro gegen Uber.
Rekordsanktion wegen automatisierter Entscheidungen ohne Aufsicht
Grundlage des Verfahrens war eine Beschwerdewelle, die seit 2020 über die Ligue des droits de l'Homme mit über 170 Fahrern bei der CNIL einging. Die französische Datenschutzbehörde hatte die entsprechenden Ermittlungen eingeleitet, bevor die niederländische Behörde federführend die Sanktion aussprach.
Dem Mobilitätsdienstleister wird vorgeworfen, zwischen 2018 und 2022 Fahrerkonten bei Betrugsverdacht oder unzureichenden Bewertungen automatisch deaktiviert zu haben.
Die Regulierungsbehörde stufte diese Praxis als Verstoß gegen Artikel 22 der DSGVO ein. Die Vorschrift regelt das Verbot rein automatisierter Entscheidungsfindungen, wenn diese rechtliche Wirkung entfalten oder Betroffene in ähnlicher Weise erheblich beeinträchtigen. Nach Feststellung der Datenschützer erfolgten die Sperrungen der Konten ohne eine hinreichende menschliche Aufsicht.
Wiederholte Konflikte mit europäischen Aufsichtsbehörden
Für Uber markiert die Maßnahme vom 21. August 2026 bereits die dritte behördliche Entscheidung durch die niederländische Datenschutzaufsicht. Frühere Verfahren betrafen die unterlassene Information der Fahrer sowie die unzulässige Übermittlung von Daten in die Vereinigten Staaten.
Der juristische Druck auf das Unternehmen beschränkt sich zudem nicht auf die Kontosperrungen: Im September 2026 reichten Fahrer aus mehreren Mitgliedsstaaten der Europäischen Union eine weitere Sammelklage in Amsterdam ein, die sich gegen die von Uber eingesetzten Algorithmen zur Vergütung und Fahrtzuteilung richtet.
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Die rechtlichen Rahmenbedingungen für digitale Arbeitsplattformen stehen vor einer weiteren Verschärfung. Während neue Regeln für Plattformarbeit am 2. Dezember in Kraft treten, sind Bestimmungen für Hochrisiko-Anwendungen im Rahmen der KI-Regulierung ab Dezember 2027 anzuwenden.
Wachsende Dimension globaler Datenschutzstrafen im Quartal
Die finanzielle Dimension des Falls prägte die weltweite Sanktionslandschaft im Sommer 2026 maßgeblich. Wie aus einem Bericht von Corlytics vom 06.11.2026 hervorgeht, belief sich die niederländische Strafe gegen Uber auf umgerechnet 955 Mio. US-Dollar.
Im dritten Quartal 2026 registrierten Marktbeobachter zwischen Juli und September weltweit insgesamt 25 Bußgelder ab einer Höhe von mindestens 1 Mio. US-Dollar, die ein Gesamtvolumen von rund 2 Mrd. US-Dollar erreichten.
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Den Auswertungen zufolge machten allein zwei große Datenschutzstrafen zusammen 71 Prozent dieses gesamten Quartalswerts aus. Auf Länderebene führten die Niederlande das weltweite Volumen mit zwei Datenschutz-Bußgeldern an, gefolgt von Irland mit einem Bußgeld.
Hinsichtlich der reinen Anzahl an Verfahren lagen die USA vorn. Dahinter verzeichneten Australien sowie die italienische Aufsichtsbehörde GPDP jeweils fünf Verfahren, gefolgt von Großbritannien mit drei Fällen. Jeweils ein Verfahren entfiel auf Südafrika, Spanien, Malaysia und Irland.
