Genehmigung, Erdgasförderung

Genehmigung fĂŒr Erdgasförderung vor Borkum erteilt

14.08.2024 - 09:35:35

Über die Förderung von Erdgas in der Nordsee vor Borkum wird seit Jahren gestritten. Eine niedersĂ€chsische Behörde hat das Vorhaben des Konzerns One-Dyas jetzt genehmigt - aber es gibt noch HĂŒrden.

Die umstrittene Erdgasförderung in der Nordsee vor der Insel Borkum rĂŒckt nĂ€her. Das niedersĂ€chsische Landesamt fĂŒr Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover erteilte dem niederlĂ€ndischen Energiekonzern One-Dyas eine auf 18 Jahre befristete Genehmigung fĂŒr die Bohrungen, die unter dem Meeresboden in deutsches Gebiet reichen.

Die Genehmigung sei nach PrĂŒfung und Freigabe durch das niedersĂ€chsische Wirtschaftsministerium erfolgt, teilte die Landesbehörde mit. Dabei sei geregelt, dass die Förderung vorzeitig ende, sobald durch die angestrebte WĂ€rmewende in Deutschland kein Erdgas mehr als EnergietrĂ€ger benötigt wird. «Solange aber in Deutschland noch Erdgas verbraucht wird, gilt: Das aus heimischen LagerstĂ€tten geförderte Erdgas ist erheblich weniger klimaschĂ€dlich als das importierte», sagte LBEG-PrĂ€sident Carsten MĂŒhlenmeier.

Deutschland und die Niederlande verhandeln ĂŒber Abkommen

Ob nahe dem niedersĂ€chsischen Nationalpark Wattenmeer kĂŒnftig tatsĂ€chlich nach Gas gebohrt wird, ist allerdings noch nicht endgĂŒltig geklĂ€rt. Zum einen wird noch ein völkerrechtliches Abkommen mit den Niederlanden benötigt, da das Gas sowohl in niederlĂ€ndischen als auch in deutschen Hoheitsgebieten gefördert werden soll. Die im Jahr 2022 begonnen GesprĂ€che dazu laufen nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums weiterhin. Zu einem möglichen Zieldatum machte ein Sprecher keine Angaben.

Zum anderen ist zu erwarten, dass gegen den Planfeststellungsbeschluss auf deutscher Seite gerichtlich vorgegangen wird. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte bereits im vergangenen Jahr angekĂŒndigt, vor Gericht zu ziehen, sollte das Vorhaben von den niedersĂ€chsischen Behörden genehmigt werden. 

Bis zu 13 Milliarden Kubikmeter Gas

Der Konzern One-Dyas will noch in diesem Jahr damit beginnen, aus einem Feld vor den Inseln Borkum und Schiermonnikoog Erdgas zu fördern. Geplant sind Bohrungen in einer Tiefe von 1,5 bis 3,5 Kilometern. Die erwartete förderbare Menge Erdgas fĂŒr das gesamte Vorhaben belĂ€uft sich auf 4,5 bis 13 Milliarden Kubikmeter. Zur Einordnung: Allein im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Bundesnetzagentur in Deutschland rund 81 Milliarden Kubikmeter Gas verbraucht.

Proteste von Fridays for Future und Insulanern

UmweltschutzverbĂ€nde und Insulaner in Deutschland und in den Niederlanden lehnen das Projekt ab. Sie befĂŒrchten UmweltschĂ€den fĂŒr das Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer und die Inseln. Außerdem halten sie die Erdgasförderung fĂŒr unvereinbar mit den Klimazielen. Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future protestierte vor wenigen Tagen auf Borkum und vor dem niedersĂ€chsischen Landtag in Hannover gegen die geplante Gasförderung.

Das Bundesumweltministerium hatte vor der Entscheidung des Landesamts erklÀrt, man sehe eine «Zementierung von fossilen Infrastrukturen» kritisch und eine mögliche Genehmigung «mit Blick auf den Meeresschutz mit Sorge».

@ dpa.de