Ex-Maple-Banker: Cum-Ex-Deals «zu schön, um wahr zu sein»
11.09.2023 - 12:15:35 | dpa.de
Mit einem GestÀndnis des angeklagten Ex-Maple-Bankers ist der Frankfurter Prozess um Cum-Ex-Aktiendeals fortgesetzt worden. «Im Nachhinein war die German-Pair-Strategie zu schön, um wahr zu sein», sagte der ehemalige Banker in der Hauptverhandlung im Landgericht.
Bei Cum-Ex-GeschĂ€ften, die bei der Maple Bank unter dem Namen «German-Pair-Strategie» liefen, lieĂen sich Banken und Investoren nie gezahlte Kapitalertragssteuern erstatten und prellten den Staat insgesamt um schĂ€tzungsweise mindestens zehn Milliarden Euro.
Banker sieht Schuld bei den Gutachtern
«Wir hĂ€tten die GeschĂ€fte ohne die Gutachten nicht durchgefĂŒhrt, sie haben uns in einer falschen Sicherheit gewogen», sagte der ehemalige Maple-Banker in dem Prozess um den Vorwurf der schweren Steuerhinterziehung beziehungsweise Beihilfe dazu. Angeklagt ist in dem Verfahren vor der 24. GroĂen Strafkammer auĂerdem ein ehemaliger hochrangiger Freshfields-Steueranwalt. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft ihm vor, die milliardenschweren Maple-GeschĂ€fte zu Lasten des Fiskus durch «GefĂ€lligkeitsgutachten» mit ermöglicht zu haben.
So liefen die Cum-Ex-Deals ab
Bei Cum-Ex-Deals, die ihre Hochphase zwischen 2006 und 2011 hatten, nutzten Investoren eine GesetzeslĂŒcke: Rund um den Dividendenstichtag wurden Aktien mit (cum) und ohne (ex) AusschĂŒttungsanspruch zwischen Beteiligten hin- und hergeschoben. Am Ende erstatteten FinanzĂ€mter nicht gezahlte Steuern. 2012 schloss der Staat das Schlupfloch. 2021 entschied der Bundesgerichtshof (BGH), dass Cum-Ex-GeschĂ€fte als Steuerhinterziehung zu werten sind.
Die GeschĂ€fte seien «auf eine Erstattung einer nicht-entrichteten Steuer ausgerichtet» gewesen, sagte der angeklagte ehemalige Maple-Banker. «Bei Anwendung des gesunden Menschenverstandes hĂ€tte ich erkennen mĂŒssen, dass eine doppelte Anrechnung der Kapitalertragssteuer nicht gewollt sein konnte.»
Gut 388 Millionen Euro Steuerschaden
Die Anklage beziffert den Steuerschaden aus Cum-Ex-GeschĂ€ften der Maple Bank auf gut 388 Millionen Euro. 2016 wurde das deutsche Institut mit kanadischen Wurzeln von der Finanzaufsicht Bafin geschlossen, weil ihm wegen einer SteuerrĂŒckstellung im Zusammenhang mit Cum-Ex-GeschĂ€ften die Ăberschuldung drohte.
«Im Ergebnis kann ich feststellen: Der Entschluss, die Cum-Ex-GeschĂ€fte durchzufĂŒhren, hat die Bank ihre Existenz und die Mitarbeiter ihre Anstellung und ihre Sicherheit gekostet», sagte der ehemalige Maple-Banker. «Ich bedauere sehr, dass ich an diesen GeschĂ€ften beteiligt war und entschuldige mich bei allen, denen ich dadurch Leid zugefĂŒgt habe.» Er wolle sich seiner Verantwortung stellen und habe daher inklusive Aktien mehr als zehn Millionen Euro in die Maple-Bank-Insolvenzmasse gezahlt. Zudem zahle er Boni zurĂŒck.
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