Wirtschaft wÀchst doppelt so stark wie erwartet
23.05.2025 - 10:47:16Ăberraschend starker RĂŒckenwind inmitten der Konjunkturflaute: Die kriselnde deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal mit 0,4 Prozent zum Vorquartal doppelt so stark gewachsen wie zunĂ€chst vom Statistischen Bundesamt geschĂ€tzt.
Volkswirte halten das jedoch fĂŒr einen einmaligen Effekt: Viele GeschĂ€fte seien wegen der sich schon abzeichnenden Zollpolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump vorgezogen worden, daher seien die deutsche Industrieproduktion und die Exporte im MĂ€rz sprunghaft gestiegen.
"Donald Trump schiebt mit seinen Zöllen das Wachstum an", kommentierte der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski schrieb, das erste Quartal 2025 sei fĂŒr Europas gröĂte Volkswirtschaft das beste seit dem dritten Quartal 2022 gewesen - dank Trump. Doch dies werde "bald zu einer positiven Eintagsfliege werden".
Trumps Zölle trĂŒben die Aussichten
Schon im zweiten Quartal droht die Stagnation, denn höhere Zölle auf Einfuhren in die USA sind eine zusĂ€tzliche Belastung fĂŒr Deutschlands Exporteure, die ohnehin mit schwacher Nachfrage auf den WeltmĂ€rkten kĂ€mpfen.
Nach Vorzieheffekten im ersten Quartal wĂŒrden die Folgequartale eher schwĂ€cher ausfallen, sagte Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel beim Treffen der groĂen Industriestaaten (G7) in Kanada: "Wir erwarten auch fĂŒr 2025 eine schwache wirtschaftliche Entwicklung, was man als Stagnation bezeichnen könnte."
Zwar sind viele Exporteure nicht mehr so pessimistisch wie noch im April, wie die jĂŒngste Umfrage des Ifo-Instituts ergab. "Vorsicht ist jedoch geboten, denn es gibt weiterhin keine grundsĂ€tzliche Einigung zwischen den USA und der EU mit Blick auf die Höhe der Zölle", sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen.
Ăberraschend gute Konjunktur im MĂ€rz
In den ersten drei Monaten sorgten dem Statistischen Bundesamt zufolge steigende Ausfuhren und höhere Konsumausgaben der Verbraucher fĂŒr Auftrieb beim Bruttoinlandsprodukt (BIP). Grund fĂŒr das höhere Wachstum sei die ĂŒberraschend gute konjunkturelle Entwicklung im MĂ€rz, erlĂ€uterte Behörden-Chefin Ruth Brand. ZunĂ€chst hatten die Wiesbadener Statistiker ein BIP-Wachstum von 0,2 Prozent geschĂ€tzt.
"Vor allem die Produktion im verarbeitenden Gewerbe sowie die Exporte entwickelten sich besser als zunÀchst angenommen", sagte Brand. So legte die Herstellung in wichtigen Branchen wie Auto, Maschinenbau und Chemie zu.
Autos und Arzneien noch schnell ĂŒber den Atlantik
Besonders die Ausfuhren, gerade von Autos und Arzneien, stĂŒtzten im ersten Quartal mit einem Plus von 3,2 Prozent die Wirtschaft. Beides sind wichtige ExportgĂŒter in die USA. Die Statistiker sprechen von Vorzieheffekten im schwelenden Handelskonflikt mit den USA.
Auch kauffreudige Verbraucher halfen der Wirtschaft. Die privaten Konsumausgaben stiegen mit 0,5 Prozent stĂ€rker als in den Vorquartalen. Mit der abflauenden Inflation und gestiegenen Löhnen in einigen Branchen haben viele Menschen mehr Geld in der Tasche. Zudem wurde mehr investiert: Sowohl in Bauten als auch in AusrĂŒstungen floss mehr Geld.
Wirtschaft zwischen Hoffen und Bangen
Zuletzt hĂ€uften sich die positiven Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft. In der Industrie sorgen steigende Auftragszahlen fĂŒr mehr Zuversicht, und die Stimmung in der Wirtschaft hellte sich auf. Die deutsche Wirtschaft fasse langsam wieder Tritt, befand Ifo-PrĂ€sident Clemens Fuest.
Den zarten Aufschwung zu Jahresbeginn hatten daher viele Ăkonomen erwartet. Doch Trumps sprunghafte Zollpolitik trĂŒben die Aussichten fĂŒr die exportorientierte deutsche Industrie deutlich. Trotz des Lichtblicks im ersten Quartal droht der deutschen Wirtschaft 2025 das dritte Jahr ohne Wachstum in Folge - das gab es noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik.
FĂŒr 2025 Stagnation erwartet
Reihenweise wurden zuletzt die Prognosen fĂŒr die deutsche Wirtschaft gesenkt: Der SachverstĂ€ndigenrat ("Wirtschaftsweise") erwartet fĂŒr 2025 nur noch eine Stagnation - ebenso wie der Internationale WĂ€hrungsfonds (IWF) und die EU-Kommission. Es gibt aber auch erste positivere SchĂ€tzungen: Die Commerzbank glaubt, dass die deutsche Wirtschaft dieses Jahr leicht wachsen könnte.
Im kommenden Jahr dĂŒrfte das Bruttoinlandsprodukt dann wieder spĂŒrbar zulegen: Der SachverstĂ€ndigenrat rechnet mit einem Plus von 1,0 Prozent. Die geplanten Milliardenausgaben des Bundes fĂŒr Verteidigung und Infrastruktur dĂŒrften die Wirtschaft ankurbeln.
Hoffnung auf Reformen und Lösung im Zollstreit
Auch hoffen Unternehmen auf Reformen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat ein erstes Entlastungspaket bis Mitte Juli in Aussicht gestellt. Es soll eine Senkung der Stromsteuer und Arbeitsmarktreformen enthalten.
GröĂte HĂŒrde fĂŒr die Wirtschaft bleiben aber die US-Zölle. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) sah zuletzt nach GesprĂ€chen im G7-Kreis immerhin positive Signale fĂŒr eine Entspannung im Zollstreit - es wĂ€re ein Befreiungsschlag.

