FrĂŒhere, VW-Bosse

FrĂŒhere VW-Bosse im Zeugenstand - Neues zur DieselaffĂ€re?

12.01.2024 - 06:05:03 | dpa.de

Um die juristische Aufarbeitung der VW-DieselaffĂ€re wirkt es seit langem ruhig, dabei sind die Verantwortlichkeiten lĂ€ngst nicht geklĂ€rt. Jetzt sollen sich mehrere Ex-VW-Chefs zur AffĂ€re Ă€ußern.

  • Im milliardenschweren Investorenprozess vor dem Oberlandesgericht Braunschweig soll Ex-VW-Chef Martin Winterkorn am 14. und 15. Februar als Zeuge gehört werden. - Foto: picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa
    Im milliardenschweren Investorenprozess vor dem Oberlandesgericht Braunschweig soll Ex-VW-Chef Martin Winterkorn am 14. und 15. Februar als Zeuge gehört werden. - Foto: picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa
  • Um die juristische Aufarbeitung der VW-DieselaffĂ€re wirkt es seit langem ruhig, dabei sind die Verantwortlichkeiten lĂ€ngst nicht geklĂ€rt. Jetzt sollen sich mehrere Ex-VW-Chefs zur AffĂ€re Ă€ußern (Archivbild). - Foto: Swen Pförtner/dpa
    Um die juristische Aufarbeitung der VW-DieselaffĂ€re wirkt es seit langem ruhig, dabei sind die Verantwortlichkeiten lĂ€ngst nicht geklĂ€rt. Jetzt sollen sich mehrere Ex-VW-Chefs zur AffĂ€re Ă€ußern (Archivbild). - Foto: Swen Pförtner/dpa
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Es ist ruhiger geworden um den frĂŒheren Volkswagen-Chef Herbert Diess. Seit der Ablösung vom Chef-Posten beim grĂ¶ĂŸten deutschen Autobauer sind Auftritte rar. Dasselbe gilt fĂŒr seine AmtsvorgĂ€nger Matthias MĂŒller und Martin Winterkorn. Jetzt rĂŒckt fĂŒr die drei die DieselaffĂ€re aber wieder in den Fokus. Das Oberlandesgericht Braunschweig (OLG) will sie im milliardenschweren Investorenprozess als Zeugen hören. Ein Überblick.

Investorenverfahren

In dem Anlegerverfahren gegen den Volkswagen-Konzern und die Dachholding Porsche SE am OLG Braunschweig wird seit 2018 um Schadenersatz gerungen. Investoren hatten nach dem Auffliegen vom «Dieselgate» Kursverluste in Milliardenhöhe erlitten. Nach knapp fĂŒnf Jahren Verfahrenszeit hatte das Gericht im Juli 2023 angekĂŒndigt, mehr als 80 Zeugen hören zu wollen.

Auf der langen Zeugenliste finden sich unter anderem die Namen der frĂŒheren VW-Konzernchefs Diess, MĂŒller und Winterkorn. Diess soll am Dienstag, dem 16. Januar, vernommen werden, MĂŒller ist fĂŒr den 7. Februar geladen und fĂŒr Winterkorn sind zunĂ€chst Befragungstermine am 14. und 15. Februar angesetzt.  

Es gehöre zu den Pflichten eines Zeugen, vor Gericht zu erscheinen, sagte eine Sprecherin zur Frage, ob die Topmanager in den nĂ€chsten Wochen nach Braunschweig kommen mĂŒssen. Ob und in welcher Form es Aussagen geben wird, ist ihr zufolge aber nicht absehbar.

In dem Prozess geht es nicht um Verurteilungen, sondern um die Chancen der Anleger auf Schadenersatz. Im aufwendigen Verfahren nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMug) sollen zentrale Fragen aus vielen gleichgelagerten FĂ€llen vorab von der nĂ€chsthöheren Instanz entschieden werden. Liegt ein Musterentscheid vor, ist er fĂŒr die Gerichte in allen Verfahren bindend.

UnabhĂ€ngig davon, welche großen Namen im Investorenprozess aussagen sollen, bleibt Volkswagen bei der eigenen Sicht auf das Verfahren. «Wir sind weiterhin der Auffassung, dass die VW AG ihre kapitalmarktrechtlichen Pflichten im Zusammenhang mit der Diesel-Thematik vollumfĂ€nglich erfĂŒllt hat», teilte ein Konzernsprecher dazu mit.

Marktmanipulation

Fast zeitgleich mit den Vorladungen zum Musterprozess wurde Ende Dezember bekannt, dass Winterkorn doch mit dem Vorwurf der Marktmanipulation konfrontiert bleibt. Das Strafverfahren wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Wertpapierhandelsgesetz werde wieder aufgenommen, teilte das Landgericht Braunschweig damals mit. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn 2019 angeklagt. Er wird bezichtigt, den Kapitalmarkt vorsĂ€tzlich und trotz besseren Wissens nicht rechtzeitig informiert zu haben.

Anfang 2021 hatte die Wirtschaftsstrafkammer dieses Verfahren vorlĂ€ufig eingestellt. Mit Blick auf eine zu erwartende höhere Strafe im Prozess um gewerbsmĂ€ĂŸigen Betrug falle eine mögliche Verurteilung nicht ins Gewicht, hieß es zur BegrĂŒndung. Diese Sichtweise hat sich mittlerweile offensichtlich geĂ€ndert. Die Wiederaufnahme erklĂ€rte das Gericht damit, dass sich eine Strafe doch auswirken könnte. Zudem wird der Betrugsvorwurf aus gesundheitlichen GrĂŒnden noch gar nicht gegen Winterkorn verhandelt.

Wegen der angeblichen Marktmanipulation waren neben Winterkorn auch Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und Diess angeklagt worden. Im FrĂŒhjahr 2020 wurde das Verfahren gegen die beiden aber gegen eine Geldzahlung von jeweils 4,5 Millionen Euro durch Volkswagen an die niedersĂ€chsische Landeskasse beendet. Das Landgericht hatte sich mit den Beteiligten im Rahmen des nichtöffentlichen Zwischenverfahrens auf eine Einstellung unter Auflagen verstĂ€ndigt. Termine fĂŒr die Verhandlung gegen Winterkorn in diesem Komplex gibt es noch nicht.

Betrugsprozess

Dasselbe gilt weiterhin fĂŒr die als schwerwiegender eingeschĂ€tzten BetrugsvorwĂŒrfe. Im ersten großen Prozess muss sich Winterkorn als einer von fĂŒnf Angeklagten noch nicht verteidigen. Kurz vor dem Auftakt im September 2021 trennte das Braunschweiger Landgericht seinen Verfahrensteil aus gesundheitlichen GrĂŒnden ab.

Der Prozess gegen die vier anderen FĂŒhrungskrĂ€fte begann ohne Winterkorn und dauert mittlerweile mehr als zwei Jahre an. Bei den Angeklagten handelt es sich um einen ehemaligen Entwicklungschef der VW-Kernmarke sowie drei hohe Mitarbeiter aus der Motor- und Antriebstechnik, ihnen drohen weiterhin langjĂ€hrige Haftstrafen.

Anklagen zu dem Betrugskomplex wurden mittlerweile mehrere erhoben, und weitere Ermittlungen laufen noch. Mitte Dezember ließ das Landgericht Braunschweig die Anklage gegen sieben Mitarbeiter des Konzerns zu. Ihnen wird Betrug in einem besonders schweren Fall sowie ein Verstoß gegen das Gesetz gegen den unerlaubten Wettbewerb vorgeworfen. Bei einzelnen der Angeklagten komme noch eine mögliche Steuerhinterziehung hinzu.

Winterkorn laut Medienbericht bereit zur Aussage

Aufgeflogen war der Skandal im September 2015, als die US-Umweltbehörde EPA ĂŒber Manipulationen bei Abgastests von Dieselautos informierte. Vorstandschef Winterkorn trat zurĂŒck und eine Industriekrise ungeahnten Ausmaßes nahm ihren Lauf. Die Aufarbeitungskosten haben die Marke von 30 Milliarden Euro nach Konzernangaben lĂ€ngst ĂŒberschritten. Die VorwĂŒrfe gegen ihn wies Winterkorn zurĂŒck.

Ob er tatsĂ€chlich zum Investorenprozess nach Braunschweig kommt, wird mit Spannung erwartet. Nach einem Medienbericht von Ende Dezember soll sich der 76-JĂ€hrige fĂŒr den Investorenprozess aussagebereit erklĂ€rt haben. Allerdings mit der EinschrĂ€nkung, sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht zu berufen, sollte bei bestimmten Einlassungen die Gefahr von strafrechtlicher Verfolgung bestehen.

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