GESAMT-ROUNDUP: Macron schlieĂt Truppen fĂŒr Ukraine nicht aus
27.02.2024 - 06:35:12 | dpa.deNichts sei ausgeschlossen, um einen russischen Sieg in der Ukraine zu verhindern, sagte Macron nach Abschluss einer Ukraine-Hilfskonferenz am Montagabend in Paris. Bei dem Treffen von ĂŒber 20 Staats- und Regierungschefs habe es zwar keine Einigkeit zum Einsatz von Bodentruppen gegeben, aber im kĂŒnftigen Kriegsverlauf könne nichts ausgeschlossen werden.
"Es gibt heute keinen Konsens darĂŒber, offiziell Bodentruppen zu entsenden", meinte Macron. "Aber in der Dynamik darf nichts ausgeschlossen werden. Wir werden alles tun, was nötig ist, damit Russland diesen Krieg nicht gewinnen kann." Viele Menschen die heute "nie, nie", sagten, seien dieselben, die vor zwei Jahren sagten, "nie, nie Panzer, nie, nie Flugzeuge, nie, nie Raketen mit lĂ€ngerer Reichweite". Heute drehe sich die Diskussion darum, bei der Lieferung von Panzern und Raketen schneller und stĂ€rker zu werden. "Also ist alles möglich, wenn es hilfreich ist, um unser Ziel zu erreichen", sagte der französische PrĂ€sident.
An der Hilfskonferenz nahm auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) teil. Dieser hatte erst kurz zuvor der Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine eine klare Absage erteilt und dies mit dem Risiko einer Verwicklung Deutschlands in den Krieg begrĂŒndet. "Deutsche Soldaten dĂŒrfen an keiner Stelle und an keinem Ort mit den Zielen, die dieses System erreicht, verknĂŒpft sein. Auch nicht in Deutschland", sagte Scholz am Montag bei der dpa-Chefredaktionskonferenz. Aus seiner Sicht wĂ€re der Einsatz von Taurus aber nur unter Beteiligung des eigenen deutschen Personals möglich. Deshalb stehe dies derzeit nicht auf der Tagesordnung.
Die Ukraine verteidigt sich seit gut zwei Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Unter dem zunehmenden Druck der russischen Truppen an den diversen Frontabschnitten benötigt das Land dringend mehr Waffen und Nachschub an Munition. WĂ€hrend in den USA weiter um ein im Kongress in der Schwebe hĂ€ngendes Hilfspaket im Umfang von 60 Milliarden gerungen wird, verstĂ€ndigten sich die Konferenzteilnehmer in Paris darauf, schneller mehr Hilfe fĂŒr die Ukraine bereitzustellen. Der zu der kurzfristig organisierten Konferenz mit einer Videobotschaft zugeschaltete ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hatte weitere Hilfe gefordert, damit Russland seine Aggression nicht auf weitere LĂ€nder ausdehnt.
LÀnder verstÀndigen sich auf MilitÀrhilfen
Bei dem Treffen sei die Bildung einer Koalition beschlossen worden, die die Ukraine mit Raketen und Bomben mittlerer und lĂ€ngerer Reichweite fĂŒr SchlĂ€ge weit hinter die russischen Linien versorgen soll, sagte Macron weiter. Kurzfristig solle auĂerdem auch aus eigenen BestĂ€nden und aus DrittlĂ€ndern zusĂ€tzliche Munition fĂŒr die Ukraine mobilisiert werden. VerstĂ€ndigt habe man sich unter anderem auch auf Initiativen zur Verteidigung von LĂ€ndern, die direkt von der russischen Offensive in der Ukraine bedroht sind, insbesondere Moldau. Zudem wolle man die Ukraine an ihrer Grenze zu Belarus mit nichtmilitĂ€rischen KrĂ€ften unterstĂŒtzen, sagte Macron. Auch sei es um das EntschĂ€rfen von Minen gegangen.
Eine Lieferung französischer Mirage-Kampfjets sei aktuell nicht beschlossen worden. GeprĂŒft werde aber weiterhin, welches französische MilitĂ€rmaterial der Ukraine helfen könne, sagte Macron, der bis Mitte MĂ€rz selber in die Ukraine reisen will. Frankreich unterstĂŒtze zudem Ăberlegungen, mit gemeinsamen Schulden europĂ€ische RĂŒstungsausgaben angesichts des Ukraine-Kriegs zu finanzieren. Ăhnlich wie in der Corona-Krise seien auch von Russlands Aggression sĂ€mtliche europĂ€ischen LĂ€nder betroffen, was den Sonderweg gemeinsamer Schulden rechtfertige.
Selenskyj dringt auch auf weitere Hilfe aus den USA
Der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj pochte auch in einem Interview des US-Senders CNN auf eine schnelle Genehmigung neuer MilitĂ€rhilfe fĂŒr sein Land. Wenn es keine UnterstĂŒtzung gebe, werde die Ukraine auch keine neuen Erfolge vorweisen können, sagte Selenskyj in dem am Sonntag aufgezeichneten Interview. Wenn es Kremlchef Wladimir Putin schaffe, die ukrainische Armee zurĂŒckzudrĂ€ngen, wĂŒrde das auch weitere menschliche Verluste bedeuten. Das Hilfspaket aus Washington im Umfang von knapp 60 Milliarden US-Dollar hat bereits den Senat passiert, wird aber im ReprĂ€sentantenhaus von den Republikanern blockiert.
Selenskyj: Alles begann auf der Krim
Selenskyj gedachte am Montag der Besetzung der Halbinsel Krim durch Russland vor genau zehn Jahren. "Alles begann auf der Krim - dieser russische Revanchismus, dieser russische Krieg", sagte er in seiner allabendlichen Videoansprache. Dieser Tag habe damals das Schicksal der internationalen Sicherheit und der internationalen Beziehungen bestimmt.
Russische Spezialeinheiten ohne Hoheitsabzeichen an den Uniformen, damals auch "grĂŒne MĂ€nnchen" genannt, hatten mit der Besetzung der Halbinsel und der Entwaffnung ukrainischer Einheiten begonnen. Am 18. MĂ€rz 2014 schlieĂlich wurde die Halbinsel von der Staatsduma in Moskau in das russische Staatsgebiet integriert. Diese Entscheidung wird bis heute nicht international anerkannt.
Selenskyj unterstrich, dass die Krim wieder unter ukrainische Hoheit zurĂŒckkehren mĂŒsse. "Genau dort, auf der Krim, muss das russische Böse eine entscheidende Niederlage erleiden", sagte er. Die RĂŒckeroberung aller bisher von Russland besetzten Gebiete, einschlieĂlich der Krim, gehört zu den erklĂ€rten Kriegszielen der Ukraine im Abwehrkampf gegen Moskaus MilitĂ€r. Russland hat die besetzten Gebiete inzwischen annektiert und betrachtet sie als souverĂ€nes Staatsgebiet.
UnverÀndert heftige KÀmpfe in der Ukraine
An den verschiedenen Frontabschnitten der Ukraine lieferten sich russische Angreifer und ukrainische Verteidiger weiterhin erbitterte Gefechte. Im Tagesverlauf seien 79 Kampfhandlungen registriert worden, teilte der Generalstab in Kiew in seinem abendlichen Frontbericht mit. Die russischen Truppen seien zudem mit 58 Luftangriffen unterstĂŒtzt worden. Besonders schwere russische Angriffe seien rund um die ostukrainische Ortschaft Awdijiwka gemeldet worden, aus der sich ukrainische Truppen jĂŒngst zurĂŒckgezogen hatten. Nach ukrainischer Darstellungen versuchten die russischen Soldaten, diesen Erfolg mit weiteren Gebietseroberungen auszubauen. Die russischen MilitĂ€rs sprachen von einer "positiven Dynamik", die es auszunutzen gelte. Auch in der Nacht zum Dienstag gab es erneut vielerorts Luftalarm.
Das wird am Dienstag wichtig
US-PrÀsident Joe Biden trifft Kongress-Spitzen wegen der blockierten Ukraine-Hilfen. Republikanische Abgeordnete vom rechten Rand stemmen sich seit lÀngerem dagegen.
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