Unimicron, Werk

Unimicron schließt Werk in Geldern: 240 Beschäftigte von Liquidation betroffen

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die deutsche Tochter wird liquidiert; rund 240 Beschäftigte sind betroffen, während Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan beginnen.
Leere, stille Fertigungshalle in einem Industriebetrieb mit ungenutzten Maschinen bei gedämpftem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Gesellschafterin der Unimicron Germany GmbH hat am 27. Oktober 2026 die Auflösung des Unternehmens zum 1. November 2026 beschlossen. Die Abwicklung erfolgt über eine freiwillige Liquidation nach dem GmbH-Gesetz, ein Insolvenzverfahren wird nicht eingeleitet.

Zeitgleich entschied der Verwaltungsrat der taiwanischen Muttergesellschaft Unimicron Technology Corp., die deutsche Tochter aufzulösen und die Leiterplattenproduktion am Standort Geldern vollständig einzustellen.

Schrittweiser Produktionsstopp und Verhandlungen mit dem Betriebsrat

Von der Schließung sind alle rund 240 Beschäftigten am Standort Geldern betroffen. Die Fertigung soll im Laufe des ersten Halbjahres 2027 schrittweise zurückgeführt und schließlich eingestellt werden.

Das Unternehmen wickelt bestehende Aufträge noch ab, nimmt nach eigenen Angaben jedoch keine neuen Bestellungen mehr an. Zum 1. November 2026 wurde Nick Piepenburg zum Liquidator bestellt, womit die Gesellschaft den Zusatz „i. L.“ führt und ein Gläubigeraufruf verbunden ist.

Da es sich um eine Liquidation und keine Insolvenz handelt, wird kein staatliches Insolvenzgeld gezahlt. Der Betriebsrat wurde über den Beschluss informiert. Die Verhandlungen über einen Interessenausgleich sowie einen Sozialplan beginnen; zur Höhe möglicher Abfindungen machten die Verantwortlichen bislang keine Angaben.

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Finanzielle Abwicklung und Hintergründe im Konzern

Laut einer Pflichtmitteilung der Unimicron Technology Corp. an die Börse Taipeh vom 27. Oktober 2026 stellt der Konzern über die UniRuwel Holding bis zu 35 Millionen Euro für die Abwicklung bereit.

Diese Mittel sind für bestehende Kundenaufträge, Verpflichtungen gegenüber den Beschäftigten, Kredite sowie anfallende Abwicklungskosten vorgesehen. Als Begründung führt die Börsenmitteilung die strategische Konzernplanung und das Ziel an, Betriebskosten zu senken.

Die Unimicron Germany GmbH verwies zudem auf anhaltende Verluste und ein schwieriges Marktumfeld; trotz mehrjähriger finanzieller Unterstützung habe sich keine tragfähige Fortführungslösung finden lassen. Insgesamt flossen laut Börsenmitteilung bereits 105,8 Millionen Euro in die Tochtergesellschaft.

Auf Konzernebene verzeichnete Unimicron Technology Corp. dagegen deutliche Zuwächse: Im Zeitraum vom ersten bis zum dritten Quartal 2026 belief sich der Konzerngewinn auf 28,2 Milliarden Taiwan-Dollar, was umgerechnet rund 780 Millionen Euro entspricht (laut MarketScreener rund 775 Millionen Euro).

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Zudem meldete der Konzern jüngst die beiden gewinnstärksten Quartale seiner Geschichte mit einem Zuwachs von zuletzt 350 Prozent im Vorjahresvergleich.

Reaktionen aus Politik und Wirtschaft

Der Standort am Holländer See blickt auf eine lange Tradition zurück: Die Vorgängerfirma Ruwel zog 1951 nach Geldern, bevor Unimicron den Betrieb nach einer Insolvenz im Jahr 2009 übernahm. Die Produktion lief dort seit 75 Jahren.

Nach einem Brand im Jahr 2016 erfolgte ein Wiederaufbau, und im Jahr 2022 wurden rund 12 Millionen Euro in Gebäude und Anlagen investiert. Der Betrieb fertigte Hightech-Leiterplatten unter anderem für Automobilzulieferer.

Gelderns Bürgermeister Sven Kaiser bedauerte die Schließung und bezeichnete sie als schweren Schlag für die rund 240 Beschäftigten. Die Stadtverwaltung hatte in den vergangenen Monaten intensive Gespräche mit der Geschäftsführung geführt und die Situation im August auch bei einem Besuch einer taiwanischen Delegation im Rathaus thematisiert.

Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederrhein, stufte die Schließung als Alarmsignal für die regionale Industrie ein und forderte verlässliche Investitionsbedingungen, weniger Bürokratie sowie wettbewerbsfähige Energiepreise.

Die Branchenkrise spiegelt sich auch in übergeordneten Marktdaten wider: Laut Data4PCB verbuchten deutsche Leiterplattenhersteller 2025 das dritte Jahr in Folge Umsatzrückgänge, mit einem Minus von 27 Prozent seit 2022.

Mehr zum Thema bei RP Online: „Geldern: Aus für Unimicron Germany: Werk wird geschlossen“

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