Union und SPD ringen nach hartem Wahlkampf um Kompromisse
07.03.2025 - 12:52:56"Ich gehe davon aus, dass das auch noch etwas dauert, aber wir haben ja gesagt, das Wochenende steht zur VerfĂŒgung", sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt am Freitag vor Beginn der nĂ€chsten Verhandlungsrunde in Berlin. Auf der Tagesordnung standen unter anderem die Themen Finanzen und Soziales.
SPD-Chefin Saskia Esken sprach von einer guten und konstruktiven GesprĂ€chsatmosphĂ€re. "Ich bin zuversichtlich, dass wir zu einem guten Ergebnis kommen. Dass wir heute fertig werden, das ist nicht zu erwarten", fĂŒgte sie hinzu.
Die Sondierungen haben vor genau einer Woche begonnen. Darunter sind GesprĂ€che zu verstehen, bei denen CDU, CSU und SPD ausloten, ob es genug Gemeinsamkeiten gibt, um in formelle Koalitionsverhandlungen einzusteigen, die zu einer schwarz-roten Regierung fĂŒhren könnten. Möglich ist bei einer Einigung von Union und SPD auf ein geplantes Sondierungspapier, dass Koalitionsverhandlungen in der nĂ€chsten Woche starten könnten. Bei SPD und CSU mĂŒssten die Parteigremien den Einstieg in Koalitionsverhandlungen billigen - das dĂŒrfte aber schnell gehen und gilt als Formsache.
Esken und die "aufgemuskelten" Verhandler
Nach Darstellung von Esken erschweren die scharfen gegenseitigen Attacken vor der Bundestagswahl die Sondierungen. Es trĂ€fen nun "mit starken Ansichten aufgemuskelte" Verhandler aufeinander. Der Wahlkampf stecke dem einen oder anderen noch in den Knochen. "Das ist auch personenabhĂ€ngig." Nun mĂŒssten sich aber alle zusammensetzen und konstruktiv an Lösungen arbeiten. "Da muss man hin und wieder auch dran erinnern", betonte Esken.
Dobrindt unterstrich: Entscheidend sei, dass alle wĂŒssten, "dass man auch in einer Koalition, die man bilden will, aufeinander RĂŒcksicht nehmen muss". Der Punkt, an dem die RĂŒcksicht beginne und Verantwortung gemeinsam getragen werde, "der muss auch gefunden und austariert werden - auf diesem Weg befinden wir uns".
Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprÀsidentin Manuela Schwesig (SPD) konnte sich eine Spitze gegen Bayerns MinisterprÀsidenten Markus Söder (CSU) nicht verkneifen: "Ich hÀtte gerne den Aschermittwoch genutzt", sagte sie angesprochen auf mögliche Beratungen auch am Wochenende. Die SPD-Verhandler und CDU-Chef Friedrich Merz hatten alle Aschermittwochtermine abgesagt, Söder dagegen an seinem Auftritt in Passau festgehalten.
HÀngen die GesprÀche am Thema Migration?
Beide Seiten waren bemĂŒht, die konstruktive GesprĂ€chsatmosphĂ€re zu betonen, dennoch gab es einige HĂŒrden zu nehmen. "Wir sprechen ĂŒber viele Schwerpunktthemen, und die einen gehen leichter, die anderen gehen weniger leicht. Wir haben sehr unterschiedliche Auffassungen", sagte Esken.
Besonders in der Migrationsdebatte lagen Union und SPD zuletzt weit auseinander. CDU-Chef und Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz hatte im Wahlkampf gesagt, er wolle am ersten Tag einer Amtszeit als Kanzler das Bundesinnenministerium mittels seiner Richtlinienkompetenz anweisen, "ausnahmslos alle Versuche der illegalen Einreise zurĂŒckzuweisen". Die SPD sieht fĂŒr ein solches Vorgehen, das auch Asylbewerber einschlieĂen wĂŒrde, europarechtliche Hindernisse.
Dobrindt will rote Linien von Klingbeil nicht kommentieren
Auch bei diesem schwierigen Thema wĂŒrden beide Seiten vorankommen, sagte Dobrindt. Dies sei anspruchsvoll, aber es gebe eine groĂe Bereitschaft von beiden Seiten zur VerstĂ€ndigung. "Es braucht allerdings auch seine Zeit, und es braucht auch noch ein bisschen Zeit."
Die von SPD-Chef Lars Klingbeil gezogene rote Linie in der Migrationspolitik wollte Dobrindt nicht kommentieren. "Wir haben ein sehr gutes GesprĂ€chsklima in diesem Raum, und wir wollen uns nicht auf Themen beziehen, die auĂerhalb stattfinden. Man muss sich innerhalb dieser GesprĂ€chsrunden einig werden, das ist das Entscheidende."
Klingbeil hatte in der ARD-Sendung "Maischberger" erklĂ€rt, die SPD werde keine faktischen GrenzschlieĂungen mitmachen. CSU-Chef Söder hatte einen hĂ€rteren Asylkurs zur Bedingung fĂŒr die Bildung einer Bundesregierung gemacht. Schwesig (SPD) sagte: "Migration ist ein wichtiges Thema und alle wissen, dass so wie es ist, auch nicht bleiben kann."
Grobe Linien oder konkrete Ziele?
SPD-Chefin Esken warnte davor, die Sondierungen bereits als Teil der Koalitionsverhandlungen zu sehen. Dies mĂŒsse man "fein auseinanderhalten". ZunĂ€chst gehe es darum auszuloten, welche Möglichkeiten es gebe, um das notwendige Vertrauen zu finden, um dann in die Tiefe der Themen zu gehen und ĂŒber vier Jahre zusammenzuarbeiten. "Das ist ganz entscheidend, dass man sich dessen vergewissert, bevor man anfĂ€ngt, ĂŒber die Spiegelstriche und die Kommastellen in den GesetzentwĂŒrfen zu sprechen", betonte sie.
CDU-Chef Merz steht nach ZugestĂ€ndnissen gegenĂŒber der SPD bei den Finanzfragen intern unter Druck. In den eigenen Reihen hieĂ es, nun mĂŒssten auch Kernanliegen wie bei der Migration oder Ănderungen beim BĂŒrgergeld durchgesetzt werden.
GesprĂ€che mit GrĂŒnen ĂŒber Milliardenpaket
Am Vormittag kamen die Fraktionsspitzen der GrĂŒnen, Britta HaĂelmann und Katharina Dröge, zu GesprĂ€chen in den BĂŒrotrakt von Unionsfraktionschef Merz in einem BundestagsgebĂ€ude. Union und SPD sind fĂŒr den Beschluss des schuldenfinanzierten Milliardenpakets fĂŒr Verteidigung und Infrastruktur im Bundestag auf die Stimmen von GrĂŒnen oder FDP angewiesen. Die GrĂŒnen sehen noch viele ungeklĂ€rte Fragen. Zudem fehle die Finanzierung von KlimaschutzmaĂnahmen im geplanten Infrastruktur-Sondervermögen völlig.
Die GrundgesetzÀnderungen sollen am 13. MÀrz ins Plenum eingebracht und am 18. MÀrz beschlossen werden. Auch eine Zustimmung des Bundesrats ist nötig - dort ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit ebenfalls nicht sicher.

