Unionsfraktionsvize Wadephul: Pistorius scheint 'der Mut verlassen zu haben'
13.06.2024 - 06:13:13Pistorius bleibe damit klar hinter eigenen AnkĂŒndigungen zurĂŒck, sagte Wadephul der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Er kritisierte: "Statt eines groĂen Wurfes, eine Verpflichtung auch fĂŒr Frauen im Rahmen einer allgemeinen Dienstpflicht vorzuschlagen, macht er einen halbgaren Vorschlag, der die Personalprobleme der Bundeswehr nicht löst."
Es sei falsch, wenn Pistorius behaupte, es fehle noch in dieser Wahlperiode an Zeit und an der notwendigen Gemeinsamkeit, das Grundgesetz zu Ă€ndern. Die Ampel-Regierung habe zusammen mit der CDU/CSU das Grundgesetz verĂ€ndert, um das Sondervermögen fĂŒr die Bundeswehr zu ermöglichen. Derzeit liefen auch Diskussionen, wie man gemeinsam das Grundgesetz Ă€ndern könne, um langfristig das Bundesverfassungsgericht abzusichern. Es sei nicht nachvollziehbar, warum es nicht auch eine Ăbereinkunft zu Ănderungen der Wehrverfassung oder im Artikel 12a des Grundgesetzes - dieser regelt den Wehrdienst fĂŒr MĂ€nner - geben könne. Wadephul: "Hier scheint Pistorius eher der Mut verlassen zu haben und er hat vor der eigenen Partei kapituliert. Die CDU steht fĂŒr solche Diskussionen dagegen weiterhin zur VerfĂŒgung."
Pistorius hatte sein Konzept am Mittwoch vorgestellt. Es soll Grundlage sein fĂŒr eine schnelle VerstĂ€rkung der Bundeswehr im Verteidigungsfall. Aus dem Pool von 400 000 Kandidaten eines Jahrgangs sollen damit von 2025 an jĂ€hrlich zunĂ€chst 5000 zusĂ€tzliche Wehrpflichtige, spĂ€ter auch mehr gewonnen werden. Das neue Modell soll aus Grundwehrdienst von sechs Monaten mit einer Option fĂŒr zusĂ€tzlichen freiwilligen Wehrdienst bis zu zusĂ€tzlichen 17 Monaten bestehen. Dazu wird eine verpflichtende Erfassung eingefĂŒhrt, in der junge MĂ€nner ihre Bereitschaft und FĂ€higkeit zu einem Wehrdienst benennen mĂŒssen - und junge Frauen dies tun können.
Der frĂŒhere Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels, nun PrĂ€sident der Gesellschaft fĂŒr Sicherheitspolitik, sagte zu dem Pistorius-Plan: "Die erkannten Probleme sind groĂ, die vorgeschlagene Lösung ist klein." Das fehlende Personal werde mehr und mehr zur Achillesferse des deutschen Verteidigungsbeitrags, ohne dass die Fragebogen-VerstĂ€rkung" daran etwas Ă€ndern werde. Bartels: "Eine Wiederbelebung der Wehrpflicht in angepasster Form sollte erstens zur VerstĂ€rkung der aktiven Truppe substanziell beitragen und zweitens zum Aufwuchs der Reserve."

