Trumps Wunschinsel Grönland wÀhlt ein neues Parlament
11.03.2025 - 06:19:35Etwas mehr als 40.000 Wahlberechtigte sind auf der gröĂten Insel der Erde aufgerufen, einer der sechs antretenden Parteien ihre Stimme zu geben. Wenn die Wahllokale am Abend schlieĂen, ist es in Deutschland bereits eine Stunde vor Mitternacht. Ein vorlĂ€ufiges Endergebnis dĂŒrfte im Laufe der Nacht zum Mittwoch feststehen.
Bei der Wahl werden alle 31 Sitze im grönlĂ€ndischen Parlament Inatsisartut in der Hauptstadt Nuuk neu vergeben. StĂ€rkste Kraft ist dort seit der letzten Wahl 2021 die linke Partei Inuit Ataqatigiit (IA) von Regierungschef MĂște B. Egede. Sie regierte zunĂ€chst fĂŒr ein Jahr zusammen mit der unabhĂ€ngigkeitsorientierten Naleraq, nach Kontroversen in dieser Koalition seit 2022 dann mit der sozialdemokratischen Partei Siumut. IA und Siumut gelten generell als die stĂ€rksten KrĂ€fte in der grönlĂ€ndischen Politik.
Was Trump sagt - und was Grönland davon hÀlt
Trump hat in den vergangenen Monaten immer wieder erklĂ€rt, die Kontrolle ĂŒber Grönland ĂŒbernehmen zu wollen. Zuletzt hatte er diese Forderung in einer Rede vor dem US-Kongress erneut bekrĂ€ftigt und unmittelbar vor der Wahl mit dem Versprechen einer wohlhabenden Zukunft noch einmal um die Gunst der GrönlĂ€nder geworben.
"Wir sind bereit, Milliarden von Dollar zu investieren, um neue ArbeitsplĂ€tze zu schaffen und euch reich zu machen", schrieb Trump in der Nacht zum Montag auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social. In dem Beitrag lud er die knapp 57.000 Einwohner der Insel noch einmal ein, "ein Teil der groĂartigsten Nation der Welt" zu werden, wenn sie das wollten.
So einfach, wie Trump sich das vorstellt, ist es allerdings nicht. Anders als etwa im Falle Alaskas 1867 können die USA Territorium heutzutage nicht einfach von anderen Staaten abkaufen. Eine klare Mehrheit der GrönlÀnder (85 Prozent) ist einer Umfrage zufolge zudem dagegen, Teil der USA zu werden.
Der deutsche Kulturhistoriker Ebbe Volquardsen kann das bestÀtigen. "Trump wird von den meisten inzwischen als Aggressor angesehen, aber selbst die wenigen, die ihn schÀtzen, wollen deshalb noch lÀngst nicht Amerikaner werden", berichtet der Wissenschaftler der grönlÀndischen UniversitÀt Ilisimatusarfik in Nuuk.
Beispielloses Interesse an Grönland
Gleichzeitig findet die Wahl wegen Trump unter einem beispiellosen Interesse der Weltöffentlichkeit statt. "Das, was wir derzeit erleben, ist in der Geschichte Grönlands einzigartig", sagt Volquardsen. Etwa die HÀlfte der Bevölkerung sei in erster Linie besorgt, die andere HÀlfte nehme die Situation aber auch als Möglichkeitsfenster wahr.
"Der internationale Fokus auf Grönland trÀgt dazu bei, dass das Land bekannter wird", sagt Volquardsen. "Das Wichtigste ist dabei vielleicht, dass die globale Buhlerei um Grönland auch den Wert dessen deutlich macht, in einer Union mit Grönland zu sein." Dies habe die Insel in eine bessere Position gebracht, damit ihre einstige Kolonialmacht DÀnemark endlich begangenes historisches Unrecht anerkenne und ihr zugleich mehr Gleichberechtigung im gemeinsamen Königreich gewÀhre.
Mögliche Auswirkungen auf die Wahl
Welchen Effekt die Trump-Aussagen auf die Wahl haben werden, ist vorab unklar. Der Chefredakteur der grönlĂ€ndischen Zeitung "Sermitsiaq", Masaana Egede, rechnet damit, dass die von Trump befeuerte UnabhĂ€ngigkeitsdebatte vor allem den Parteien Zugewinne bringen könnte, die dieses Thema lautstark vorantreiben - in erster Linie ist das Naleraq. Die gröĂeren Parteien wie IA und Siumut dĂŒrften dagegen den einen oder anderen Sitz verlieren, vermutet er.
Regierungschef Egede, der am Wahltag 38 Jahre alt wird, könnte Beobachtern zufolge aber auch davon profitieren, dass er sich im Zuge der Trump-Debatte international als Gesicht der Insel sowie als besonnener, einender AnfĂŒhrer profilieren konnte. In einem Interview des dĂ€nischen Rundfunksenders DR, in dem er Trump kurz vor der Wahl Respektlosigkeit vorwarf, deutete der IA-Chef an, im Falle eines erneuten Wahlsiegs und angesichts des Drucks von auĂen eine breit aufgestellte Einheitsregierung anstreben zu wollen.
Und die UnabhÀngigkeit?
Grönland gehört offiziell zum Königreich DĂ€nemark, entscheidet in den meisten politischen Angelegenheiten aber selbst ĂŒber seine Belange. Gleichzeitig ist die Insel finanziell nach wie vor stark von Kopenhagen abhĂ€ngig.
Dennoch wird seit Jahrzehnten ĂŒber eine UnabhĂ€ngigkeit von DĂ€nemark diskutiert - eine Debatte, die durch Trumps BesitzansprĂŒche stark beschleunigt wurde. Der GroĂteil der grönlĂ€ndischen Parteien ist sich im Grundsatz einig darĂŒber, dass die Eisinsel eines Tages unabhĂ€ngig werden sollte - uneins sind sie dagegen, wann der richtige Zeitpunkt dafĂŒr gekommen sein könnte.

