ROUNDUP, Nato

Nato folgt Trump: FĂŒnf-Prozent-Ziel beschlossen

25.06.2025 - 14:24:25

Unter dem Eindruck von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und auf DrÀngen von US-PrÀsident Donald Trump hat sich die Nato verpflichtet, die Verteidigungsausgaben in beispielloser Weise anzuheben.

Die Alliierten legten sich in der AbschlusserklĂ€rung ihres Gipfels in Den Haag auf das neue Ziel fest, spĂ€testens ab 2035 jĂ€hrlich fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung und Sicherheit zu investieren - so viel wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Bisher lag das Ziel bei zwei Prozent. Ein nach dem Wahlsieg Trumps von vielen befĂŒrchtetes Auseinanderdriften des BĂŒndnisses ist damit vorerst abgewendet.

Im Gegenzug fĂŒr das FĂŒnf-Prozent-Versprechen erwarten die Alliierten nun, dass Trump kĂŒnftig keinen Zweifel mehr daran lĂ€sst, dass die USA auch unter seiner FĂŒhrung zur Beistandsverpflichtung nach Artikel 5 des Nato-Vertrags stehen. Also zu der Vereinbarung, dass ein BĂŒndnispartner im Fall eines Angriffs auf die UnterstĂŒtzung der Alliierten zĂ€hlen kann und ein Angriff auf ein Mitglied als ein Angriff auf alle gewertet wird.

"Das stĂ€rkste BĂŒndnis in der Geschichte"

In der GipfelerklĂ€rung heißt es zum Thema: "Wir, die Staats- und Regierungschefinnen und -chefs des Nordatlantischen BĂŒndnisses, sind in Den Haag zusammengekommen, um unser Bekenntnis zur Nato, dem stĂ€rksten BĂŒndnis in der Geschichte, und zum transatlantischen Bund zu bekrĂ€ftigen." Man bleibe geeint und entschlossen, die eine Milliarde BĂŒrgerinnen und BĂŒrger im BĂŒndnisgebiet zu schĂŒtzen.

Trump hatte in der Vergangenheit immer wieder Zweifel daran geweckt, ob die USA noch zur Kernabsprache des Nato-Vertrags stehen. Am Mittwoch bezeichnete er nun die Einigung auf die von ihm vorgeschlagene Zielvorgabe fĂŒr die Verteidigungsausgaben als "gewaltig".

Die Vereinbarung zu den Verteidigungsausgaben sieht konkret vor, dass jeder Mitgliedstaat kĂŒnftig einen Betrag von mindestens 3,5 Prozent des BIP aufwenden muss, um "Kernanforderungen im Verteidigungsbereich zu decken und die Nato-FĂ€higkeitsziele zu erfĂŒllen". Zudem werden zum Beispiel Ausgaben fĂŒr die TerrorismusbekĂ€mpfung und militĂ€risch nutzbare Infrastruktur angerechnet werden können. Das könnten etwa Investitionen in Bahnstrecken, panzertaugliche BrĂŒcken und erweiterte HĂ€fen sein.

Merz nennt Gipfel "historisch"

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach in Den Haag von einem "historischen" Gipfel und betonte, dass Deutschland seine Verteidigungsausgaben nicht fĂŒr Trump, sondern wegen der aktuellen Gefahrenlage erhöhe. "Russland bedroht nicht nur die Ukraine, Russland bedroht den gesamten Frieden, die gesamte politische Ordnung unseres Kontinents", sagte er.

Nato-GeneralsekretÀr Mark Rutte rÀumte allerdings ein, dass eine solche Erhöhung der Nato-Zielvorgabe ohne den Druck von Trump nicht zustande gekommen wÀre. Dieser erreiche etwas "was kein amerikanischer PrÀsident seit Jahrzehnten geschafft hat", lobte er den Republikaner.

Dass Trump die neue Zielvorgabe vor allem mit Hilfe des Drohszenarios erreichte, dass sich die USA unter seiner FĂŒhrung aus der Nato zurĂŒckziehen könnten, wenn die BĂŒndnispartner nicht liefern, ließ Rutte unkommentiert. Der NiederlĂ€nder weiß wie alle anderen Alliierten, dass die Abschreckung der Nato maßgeblich auf den militĂ€rischen FĂ€higkeiten der USA basiert und ein US-Ausstieg das Aus fĂŒr das BĂŒndnis bedeuten könnte.

Selenskyj nur in einer Nebenrolle

Dass der Zusammenhalt des BĂŒndnisses Grenzen hat, zeigte sich beim Thema Ukraine-Krieg. Fast alle EuropĂ€er in der Nato stehen fest an der Seite der Ukraine und wollen den Druck auf Russland erhöhen. Trump will nicht so klar Partei ergreifen und meint, dass Sanktionen der eigenen Wirtschaft schaden.

Eine eigene Arbeitssitzung zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gab es beim Gipfel anders als in den vergangenen Jahren nicht. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj, der als Gast dabei war, hatte diesmal nur eine Nebenrolle. In der GipfelerklĂ€rung beschrĂ€nkt sich die SolidaritĂ€t mit der Ukraine auf den vagen Satz: "Die VerbĂŒndeten bekrĂ€ftigen ihre dauerhaften einzelstaatlichen Zusagen zur UnterstĂŒtzung der Ukraine, deren Sicherheit zu unserer Sicherheit beitrĂ€gt".

"Unumkehrbarer Weg" der Ukraine in die Nato entfallen

Als kleinen Erfolg kann Selenskyj verbuchen, dass schriftlich festgehalten wurde, dass Nato-Staaten sich die militĂ€rische UnterstĂŒtzung fĂŒr sein Land auf ihre Verteidigungsausgaben anrechnen lassen können. Das wurde zuletzt auch schon so gehandhabt, die Ukraine befĂŒrchtete allerdings, dass sich das wegen der Politik Trumps Ă€ndern könnte.

Im vergangenen Jahr hatte die Nato der Ukraine noch eine Hilfszusage im Umfang von 40 Milliarden Euro gegeben und versprochen, sie auf dem "unumkehrbaren Weg" zur Nato-Mitgliedschaft zu unterstĂŒtzen. Letztere Formulierung, die fĂŒr die Ukraine extrem wichtig ist, ist nun ersatzlos entfallen.

Aufregung wegen Abweichlern

Sorgen, dass Gipfelteilnehmer wie Spaniens Regierungschef Pedro SĂĄnchez oder der slowakische MinisterprĂ€sident Robert Fico, den Gipfel doch noch in einem Debakel enden lassen könnten, bewahrheiteten sich nicht. Beide hatten ungeachtet der Zustimmung ihres Landes zur AbschlusserklĂ€rung kundgetan, sich dem neuen Ziel fĂŒr die Verteidigungsausgaben nicht verpflichtet zu fĂŒhlen.

Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte hatte sich beim Gipfel mit allen KrĂ€ften darum bemĂŒht, dies nicht zu einem großen Thema fĂŒr Trump werden zu lassen. In einem persönlichen Willkommensgruß an den Republikaner schrieb er, man habe "alle dazu gebracht, die 5-Prozent-Zusage zu unterzeichnen". Und mit Blick auf den Druck, den Trump bei diesem Thema gemacht hatte, ergĂ€nzte er: "Du wirst etwas erreichen, was kein amerikanischer PrĂ€sident seit Jahrzehnten geschafft hat."

Wiedersehen in der TĂŒrkei

Öffentlich ĂŒber ein mögliches Scheitern spekulieren wollte in der Nato kaum jemand. Stattdessen wird bereits langfristig fĂŒr die nĂ€chsten Spitzentreffen geplant. Nach der AbschlusserklĂ€rung soll der Gipfel im nĂ€chsten Jahr in der TĂŒrkei ausgerichtet werden, 2027 dann in Albanien.

@ dpa.de