GestĂ€ndnisse und TrĂ€nen im ersten MĂŒnchner Cum-Ex-Prozess
07.11.2024 - 12:52:41K. und sein mitangeklagter Kollege rĂ€umen ihren Verteidigern zufolge die Anklage im ersten MĂŒnchner Cum-Ex-Prozess, der heute begonnen hat, im Wesentlichen ein. Ihnen stehen nun voraussichtlich mehrjĂ€hrige Haftstrafen bevor.
Beide MĂ€nner hĂ€tten bei den Taten vor 14 bis 16 Jahren groĂe Fehler gemacht, rĂ€umte die Verteidigung ein. Sie stĂŒnden nun vor einem finanziellen und privaten Scherbenhaufen, warben die AnwĂ€lte um Milde. K. trug sein GestĂ€ndnis noch am Vormittag teils mit trĂ€nenerstickter Stimme vor. Er frage sich heute selbst, warum er damals mitgemacht habe, schlieĂlich habe er bereits finanziell ausgesorgt und eine glĂŒckliche Familie gehabt, sagte der mehrfache Vater und GroĂvater.
"Ein bisschen wie Monopoly"
Entscheidend seien wohl Gier, ĂŒbertriebener Ehrgeiz und Ăberheblichkeit gewesen, mutmaĂte K. zu seinem damaligen Antrieb. Er habe geglaubt, ein Spiel zu beherrschen und das System zu schlagen. Alles habe sich "ein bisschen wie Monopoly" angefĂŒhlt, sagte er. FĂŒr ihn heiĂe es nun aber: Gehen Sie direkt in das GefĂ€ngnis, gehen Sie nicht ĂŒber Los, sagte er in Anspielung auf eine bekannte Karte in dem Brettspiel. Dies sei aber die gerechte Strafe fĂŒr sein Verhalten.
Zuvor hatte die Vorsitzende Richterin Andrea Wagner ĂŒber ein GesprĂ€ch zwischen ihr, Staatsanwaltschaft und Verteidigung berichtet. Demzufolge stehen auch bei vollumfĂ€nglichen GestĂ€ndnissen und unter BerĂŒcksichtigung des Alters der beiden Angeklagten wohl mehrjĂ€hrige Haftstrafen in einer Dimension um fĂŒnf bis sechs Jahre im Raum - auch angesichts des hohen Schadens. Die Verteidigung betonte allerdings, dass mehr als 200 Millionen Euro bereits zurĂŒck an den Fiskus geflossen seien und auch der restliche Schaden zurĂŒckgefordert werden könne.
Es geht um mehrere Millionen Beute
Konkret wirft die Staatsanwaltschaft den beiden MĂ€nnern in ihrer 91 Seiten umfassenden Anklageschrift vor, an einem komplexen Geflecht beteiligt gewesen zu sein, ĂŒber das in den Jahren 2009 und 2010 hunderte Millionen Aktien im zweistelligen Milliardenwert gehandelt wurden. Dabei wurde die sogenannte Cum-Ex-Methode angewandt, um den Fiskus dazu zu bringen, Kapitalertragssteuer zurĂŒckzuerstatten, die zuvor gar nicht gezahlt wurde. Die beiden MĂ€nner sollen fĂŒr ihren Tatbeitrag laut Anklage jeweils rund 16 Millionen Euro erhalten haben. Die Verteidigung spricht von einer niedrigeren Summe. K. sprach von etwa der HĂ€lfte.
Die jetzt angeklagten GeschĂ€fte sind dabei bei weitem nicht die Einzigen. Es gibt diverse andere Verfahren. Insgesamt soll der Staat durch die Masche um einen zweistelligen Milliardenbetrag geprellt worden sein. Bei Cum-Ex-GeschĂ€ften schoben Investoren Aktien rund um den Dividendenstichtag mit ("cum") und ohne ("ex") AusschĂŒttungsanspruch hin und her. Im MĂŒnchner Fall wurden dafĂŒr laut Anklage LeerverkĂ€ufe ĂŒber auslĂ€ndische Depotbanken genutzt. In der Folge erstatteten FinanzĂ€mter Kapitalertragsteuern, die gar nicht gezahlt worden waren. Die Aufarbeitung und Strafverfolgung dĂŒrfte noch Jahre dauern. Auch in MĂŒnchen werden weitere Anklagen erwartet.

