Koalitions-UnterhÀndler, VerschÀrfungen

Koalitions-UnterhÀndler wollen VerschÀrfungen bei Migration

27.03.2025 - 13:12:07

UnterhÀndler von CDU/CSU und SPD planen VerschÀrfungen der Migrationspolitik.

Nach einem kursierenden Entwurf der AG Innen, Recht, Migration und Integration wollen sie unter anderem die Reihe sicherer Herkunftsstaaten ausweiten, in die Menschen leichter abgeschoben werden können. "Wir beginnen mit der Einstufung von Algerien, Indien, Marokko und Tunesien." Eine Erweiterung soll stĂ€ndig geprĂŒft werden, heißt es in dem Papier, an dem es noch Änderungen im Detail gegeben haben könnte.

Was die Arbeitsgruppe sonst noch vorschlÀgt

- Freiwillige Aufnahmeprogramme des Bundes, zum Beispiel fĂŒr Menschen aus Afghanistan, sollen "soweit wie möglich" beendet werden. Neue Programme sollen dem Entwurf zufolge nicht aufgelegt werden.

- Der Familiennachzug zu sogenannten subsidiĂ€r Schutzberechtigten - hĂ€ufig sind das BĂŒrgerkriegsflĂŒchtlinge - soll fĂŒr zwei Jahre ausgesetzt werden. "HĂ€rtefĂ€lle bleiben hiervon unberĂŒhrt."

- Asylsuchende sollen "in Abstimmung mit unseren europĂ€ischen Nachbarn" an den deutschen Grenzen zurĂŒckgewiesen werden. Diese Formulierung findet sich bereits im Sondierungspapier der möglichen kĂŒnftigen Partner. Ob das bedeutet, dass Nachbarstaaten nur ĂŒber dieses Vorgehen informiert werden sollen oder zustimmen mĂŒssen, darĂŒber gehen die Meinungen zwischen Union und SPD aber auseinander.

- Die Zahl der RĂŒckfĂŒhrungen soll steigen. Der verpflichtende Rechtsbeistand fĂŒr Abzuschiebende soll wegfallen. "Die Bundespolizei soll die Kompetenz erhalten, fĂŒr ausreisepflichtige AuslĂ€nder vorĂŒbergehende Haft oder Ausreisegewahrsam zu beantragen, um ihre Abschiebung sicherzustellen." Geplant ist auch eine Möglichkeit zum dauerhaften Ausreisearrest, und zwar fĂŒr ausreisepflichtige GefĂ€hrder, denen die Sicherheitsbehörden schwerste Straftaten zutrauen, und fĂŒr TĂ€ter schwerer Straftaten.

- Wer wegen schwerer Straftaten zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wird, soll normalerweise ausgewiesen werden. "Dies gilt insbesondere bei Straftaten gegen Leib und Leben, gegen die sexuelle Selbstbestimmung, bei Volksverhetzung, bei antisemitisch motivierten Straftaten, sowie bei Widerstand und einem tÀtlichen Angriff gegen Vollstreckungsbeamte."

In manchen Punkten gehen die Meinungen klar auseinander.

So wollen die Unions-UnterhÀndler...

...Asylverfahren in LĂ€ndern außerhalb der EU ermöglichen. "Wir werden dieses Modell als Erstes bei Personen anwenden, die fĂŒr Putins hybride KriegsfĂŒhrung gegen Europa als illegale Migranten instrumentalisiert werden." EuropĂ€ische Staaten werfen Russland und Belarus vor, Migranten gezielt bei GrenzĂŒbertritten zu helfen, um die EU-Staaten zu destabilisieren.

...die Sozialleistungen fĂŒr Ausreisepflichtige "auf das verfassungsrechtlich Erforderliche" kĂŒrzen, es sei denn, die Ausreise findet unverschuldet nicht statt. Wer bereits Schutz in einem anderen Land bekommen hat, soll nur noch ÜberbrĂŒckungsleistungen fĂŒr zwei Wochen und Reisebeihilfe erhalten.

...das StaatsbĂŒrgerschaftsrecht verschĂ€rfen.

Die SPD-Verhandler möchten...

...das Chancenaufenthaltsrecht verlĂ€ngern. Es verschafft Menschen, die zu einem Stichtag (aktuell der 31. Oktober 2022) mindestens fĂŒnf Jahre legal in Deutschland gelebt haben eine Art Aufenthaltserlaubnis auf Probe fĂŒr 18 Monate. Dies gilt auch fĂŒr Angehörige. Die SPD-Vertreter wollen die Regelung mit dem neuen Stichtag 31.12.2024 neu aufsetzen.

Kritik an den Vorhaben

Es gab Kritik an den VorschlĂ€gen. Amnesty International fĂŒrchtet einen Abbau von Rechtsstaatlichkeit. Die Linke-Abgeordnete Clara BĂŒnger fĂŒrchtet "eine humanitĂ€re Eiszeit". "Eine solche Politik der demonstrierten HĂ€rte bricht mit fundamentalen Prinzipien unserer Verfassung."

Der Vorschlag bedeutet keine endgĂŒltige Einigung, ĂŒber das Papier beraten ab diesem Freitag die Chefverhandler der Parteien. Generell stehen zudem VorschlĂ€ge aus den Arbeitsgruppen unter Finanzierungsvorbehalt.

@ dpa.de