Unternehmensversicherungen, Deckung

Unternehmensversicherungen: 75 Prozent kennen ihre Deckung nicht vollständig

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein neuer Bitkom-Leitfaden behandelt KI-Gefahren, Versicherungslücken und passende Kontrollmechanismen für Unternehmen und Versicherer.
Ein minimalistisch gestalteter, heller Büroraum mit klaren Linien und indirektem Tageslicht als Symbol für Risikomanagement. Illustration mit AI erstellt.

Mit der rasanten Verbreitung moderner Softwareanwendungen verändern sich auch die betrieblichen Gefahrenprofile in der Wirtschaft grundlegend. Der Digitalverband Bitkom hat dazu den Leitfaden „Verantwortungsvoller KI-Einsatz: Risiken verstehen, steuern und versichern“ veröffentlicht.

Die Publikation soll Unternehmen und der Assekuranz aufzeigen, wie sich spezifische Gefahren beim Einsatz künstlicher Intelligenz systematisch identifizieren, steuern und durch Versicherungslösungen abfedern lassen, wie der Verband in einem Bericht vom 16. Oktober 2026 mitteilte.

Die Relevanz des Thema spiegelt sich in aktuellen Verbreitungszahlen wider: Laut Verbandsangaben setzen bereits 57 Prozent der Unternehmen in Deutschland künstliche Intelligenz aktiv ein. Weitere 38 Prozent planen oder diskutieren derzeit entsprechende Implementierungen. Damit gewinnt die Absicherung dieser Technologien für fast die gesamte Wirtschaft an Bedeutung.

Erhöhte Dynamik durch autonome Systeme

Der Einsatz intelligenter Algorithmen bringt besondere Herausforderungen für das betriebliche Risikomanagement mit sich. Lukas Spohr, Experte für Digital Insurance und InsurTech beim Bitkom, wies darauf hin, dass die Technologie betriebliche Prozesse zwar spürbar beschleunigen und effizienter gestalten könne, gleichzeitig jedoch die Gefahr bestehe, dass sie vorhandene Risiken erheblich verstärke.

Demnach könnten sich Fehler über automatisierte Abläufe deutlich schneller verbreiten, gravierendere Konsequenzen nach sich ziehen und in der nachträglichen Analyse schwieriger nachzuvollziehen sein.

Besondere Wachsamkeit ist laut Bitkom bei sogenannten KI-Agenten geboten. Dabei handelt es sich um fortschrittliche Systeme, die eigenständig Aufgaben planen und Aktionen innerhalb betrieblicher Netzwerke ausführen können. Das damit verbundene Maß an Autonomie erfordert neu definierte Kontrollmechanismen und angepasste Versicherungsstrukturen, um Haftungsfragen und Folgeschäden verlässlich zu regeln.

Anzeige

Wer sich mit dem Einsatz intelligenter Systeme befasst, muss auch die neuen regulatorischen Rahmenbedingungen des EU AI Acts im Blick behalten. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen für Unternehmen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Deckungslücken erkennen und gezielt schließen

Der Leitfaden richtet sich branchenübergreifend an Unternehmen, Versicherungsgesellschaften, InsurTechs und Versicherungsmakler. Er adressiert insbesondere Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Underwriting, Risikomanagement und IT-Sicherheit. Das Papier analysiert, welche Risikofelder sich über bestehende oder neue Versicherungskonzepte abdecken lassen und an welchen Stellen Deckungslücken verbleiben.

Die Notwendigkeit einer klaren Definition von Deckungsinhalten unterstreichen auch internationale Erhebungen zur Unternehmensresilienz. Wie aus der Studie „2026 Kârl?l?k ve Dayan?kl?l?k Ara?t?rmas?“ von HUB International hervorgeht, verstehen 75 Prozent der befragten Führungskräfte in mittelständischen Unternehmen nicht vollständig, welche Risiken durch ihre bestehenden Policen überhaupt abgedeckt sind.

Anzeige

Neben versicherungstechnischen Fragen stellen neue KI-Anwendungen auch komplexe Anforderungen an die IT-Sicherheit und die gesetzliche Compliance. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche rechtlichen Pflichten und Cyberrisiken Unternehmer jetzt kennen müssen, um ihre Firma proaktiv zu schützen. Gratis-Report zu neuen KI-Gesetzen und Cyberrisiken sichern

Zwar verfügen demnach 75 Prozent der Betriebe über ein formelles Enterprise-Risk-Management-Programm – was einem Zuwachs von 14 Prozentpunkten gegenüber der vorherigen Erhebung entspricht –, doch bewerten lediglich 37 Prozent der Führungskräfte ihre Programme als ausgereift und ganzheitlich.

In den strategischen Planungen für das Jahr 2027 steht laut der Untersuchung kein Einzelfaktor isoliert im Vordergrund: Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und Betriebskosten liegen als Risikofelder eng beieinander, flankiert von makroökonomischen Rahmenbedingungen und regulatorischen Anforderungen.

Vor diesem Hintergrund soll der praxisorientierte Bitkom-Leitfaden, der über das Verbandsportal zum Abruf bereitsteht, Transparenz für die Vertragsgestaltung und das betriebliche Schadenmanagement schaffen.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70345219 |