Untreue-Vorwürfe in Betzdorf-Gebhardshain: 350.000 Euro Schaden im Raum
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 00:44 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Staatsanwaltschaft Koblenz hat zwei Anklagen wegen Untreue in besonders schweren Fällen gegen kommunale Amtsträger einer Verbandsgemeinde im nördlichen Rheinland-Pfalz erhoben.
Wie Medien am 23. Oktober 2026 berichteten, richten sich die Vorwürfe gegen den ehemaligen Bürgermeister der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain sowie gegen einen leitenden Beamten derselben Verwaltung. Die Verfahren sind bei den zuständigen Amtsgerichten in Koblenz und Betzdorf anhängig.
Vorwurf der Scheinbeschäftigung über mehrere Jahre
Dem früheren Bürgermeister der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain legt die Anklagebehörde zur Last, einen Beamten von 2017 bis 2022 bewusst ohne Arbeitsaufgaben geführt zu haben. Obwohl der betreffende Mitarbeiter formell einer Stabsstelle zugewiesen war und seine Tätigkeit im Homeoffice ausüben sollte, stand ihm nach Erkenntnissen der Ermittler vor Ort keine digitale Infrastruktur zur Verfügung.
Trotz des Fehlens konkreter Dienstaufgaben bezog der Bedienstete über den gesamten Zeitraum hinweg seine vollen Bezüge. Der entstandene finanzielle Schaden beläuft sich laut Angaben der Staatsanwaltschaft auf rund 350.000 Euro.
Nicht benötigte Fahrzeuge und einbehaltene Nebeneinkünfte
In einem gesonderten Verfahren hat die Staatsanwaltschaft Koblenz zudem Anklage gegen einen leitenden Beamten der Verbandsgemeinde erhoben. Dieser soll in seiner Funktion als Geschäftsführer eines kommunalen Unternehmens vier nicht benötigte Elektrofahrzeuge angeschafft haben.
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Die Autos wurden der Verbandsgemeinde anschließend zur kostenlosen Nutzung überlassen, ohne dass hierfür ein Vertrag geschlossen, Rechnungen gestellt oder ein entsprechender Vermerk in der Buchhaltung angelegt worden wäre. Die Abrechnung der Fahrzeuge erfolgte nach Angaben der Strafverfolger erst nach dem Ausscheiden des Mannes aus der Geschäftsführung.
Die Anklagebehörde beziffert den drohenden Vermögensverlust durch die Anschaffung und Überlassung der Elektrofahrzeuge für den Zeitraum von Dezember 2021 bis September 2023 auf rund 58.000 Euro. Die Verteidigung des Beamten tritt dieser Darstellung entgegen und argumentiert, dass zu keinem Zeitpunkt die Gefahr eines tatsächlichen Vermögensverlustes bestanden habe.
Zusätzlich wirft die Ermittlungsbehörde dem leitenden Beamten vor, einen Überschuss aus Nebentätigkeiten in Höhe von rund 15.000 Euro aus den Jahren 2019 bis 2021 vorschriftswidrig nicht an die Verbandsgemeinde abgeführt zu haben. Den betreffenden Betrag zahlte der Beschuldigte allerdings noch vor Beginn der offiziellen Ermittlungen vollständig zurück.
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Gerichte prüfen Eröffnung des Hauptverfahrens
Über die Zulassung der Anklagen und die Eröffnung der jeweiligen Hauptverfahren müssen nun die Amtsgerichte in Koblenz und Betzdorf entscheiden. Bis zu einem rechtskräftigen Abschluss der juristischen Aufarbeitung gilt für beide Beschuldigten die Unschuldsvermutung. Die Verbandsgemeinde selbst steht damit vor der juristischen Aufarbeitung gravierender Vorwürfe hinsichtlich interner Kontrollmechanismen und der Verwendung öffentlicher Mittel.
