Das GeschÀft mit dem Tod - Bestattungsbranche im Wandel
11.12.2023 - 09:24:03Das klassische Bild des schwarz gekleideten mĂ€nnlichen SargtrĂ€gers gehört der Vergangenheit an. Die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft ist beliebt - nicht nur bei MĂ€nnern. Im Jahr 2022 waren 56 Prozent der kĂŒnftigen BestattungsfachkrĂ€fte Frauen, wie der Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) berichtet.
«Im jĂŒngsten Jahrgang haben 370 neue Azubis die dreijĂ€hrige Ausbildung im Bestatterhandwerk begonnen, doch es hat tatsĂ€chlich noch deutlich mehr Bewerbungen als Stellen gegeben», sagt Verbandssprecherin Elke Herrnberger. Grund dafĂŒr sei unter anderem, dass der Ausbildungsberuf erst wenige Jahre alt sei und es noch mehr Betriebe mit Ausbildungsberechtigung geben könnte.
Vor allem wegen der VielfÀltigkeit der TÀtigkeit ziehe es junge Menschen in die Branche - auch Schulpraktika seien beliebt, berichtet Herrnberger. Neben dem Rechtlichen spielen sowohl Psychologie, Beratung als auch Gestaltung eine Rolle in dem Beruf. Zudem sei der Markt der rund 5500 meist kleinen oder mittelstÀndischen Bestattungsinstitute krisensicher und stabil. Auf sie verteilten sich rund zwei Milliarden Euro Umsatz jÀhrlich.
Angehörige mĂŒssen mit Gesamtkosten von mindestens 5000 Euro fĂŒr eine Bestattung rechnen. Bei einem LuxusbegrĂ€bnis könnten es bis zu 30.000 Euro sein, sagt Herrnberger. Die Bestattungsinstitute erhielten davon bestenfalls 20 Prozent. Der Rest setze sich aus den Kosten fĂŒr die Trauerfeier und die stark variierenden FriedhofsgebĂŒhren zusammen.
Mehr Feuerbestattungen
Die Branche ist im Wandel: In Deutschland wurden nach Angaben des BDB im Jahr 2022 rund 75 Prozent der mehr als eine Million Verstorbenen eingeÀschert. Lediglich bei rund 25 Prozent gab es eine Erdbestattung, die noch vor einigen Jahrzehnten sehr gelÀufig war.
«Viele Menschen leben nicht mehr am gleichen Wohnort wie ihre Eltern und GroĂeltern und wĂ€hlen daher ein pflegefreies Grab, wie in einer Gemeinschaftsgrabanlage, ein Parkgrab, ein Platz in einem Kolumbarium oder eine Baum- oder Seebestattung», sagt Herrnberger. Zudem sei eine Feuerbestattung in einigen FĂ€llen kostengĂŒnstiger: Einfache Urnen gibt es ab etwa 100 Euro. Einfache SĂ€rge fĂŒr Erdbestattungen lassen sich kaum unter 500 Euro finden. VerbrennungssĂ€rge, die fĂŒr EinĂ€scherung benötigt werden, können gĂŒnstiger sein.
Die Preise fĂŒr SĂ€rge und Sargzubehör seien zwischen 2021 und 2022 aufgrund der Holzknappheit je nach Anbieter zwischen 50 und 75 Prozent gestiegen, heiĂt es beim Bundesverband Bestattungsbedarf. Weitere Preistreiber seien Energiekosten, Lohnkosten und die Inflation.
Urnenbeisetzungen sind zudem zeitlich flexibler als Erdbestattungen. Je nach Bundesland kann die Urnenbeisetzung bis zu sechs Monate nach einer EinÀscherung stattfinden. Eine Erdbestattung muss spÀtestens vier bis zehn Tage nach Eintritt des Todes vollzogen sein.
Wandel beeinflusst Branche
Sarghersteller bekommen die VerĂ€nderungen zu spĂŒren. Deutschlandweit gibt es nur noch etwa 15 industrielle Produzenten, wie der Bundesverband Bestattungsbedarf mitteilt. Gemeinsam mit kleineren Handwerksbetrieben liefern sie demnach rund 40 Prozent der benötigten SĂ€rge. Die Konkurrenz aus dem Ausland ist groĂ, die importierten SĂ€rge stammen meist aus Osteuropa.
Auch Steinmetze stellt der Wandel vor Herausforderungen. «MengenmĂ€Ăig haben wir insbesondere bei vorgefertigten Grabmalen seit lĂ€ngerem einen deutlichen Einbruch zu verzeichnen», sagt die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Bundesverbands Deutscher Steinmetze, Sybille Trawinski. «Interessanterweise sind aber Steinmetzunternehmen, die handwerkliche, individuelle, also hochwertige Grabmale herstellen seit circa vier Jahren sehr gut ausgebucht.» Trawinski ist zuversichtlich: «Das Grabmal bleibt weiterhin eine Kernkompetenz des Steinmetzhandwerks.»


